Das Buch für alle: illustrierte Blätter zur Unterhaltung und Belehrung für die Familie und Jedermann — 13.1878

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Liebe


pflegte Leonard zu sagen.



gepocht.
gern er
liebte er

beschäftigten
hatte.
In dem


Hastigkeit er kennen gelernt hatte. Kein Arzt würde
solche Opfer gebracht haben, denn das Eine mußten Alle
anerkennen, daß Albert sein Leben nur dem jungen Arzte
verdankte, dessen blasse Wangen immer noch verriethen,
wie manche Nacht er seinetwegen durchwacht hatte.
Leonard war zum wirklichen Freunde in Düringer's
Hause geworden und fast rührend war die Liebe, mit
der Albert an seinem Retter hing. War fein Muth
noch so sehr gesunken, so hob sich derselbe, wenn Leo-
nard in das Zimmer trat und sich ihm scherzend nahte,
und dieser geistig erheiternde Einfluß trug viel zu Al-
berts Genesung bei.
Es tönte oft ein so heiteres und übermüthiges Lachen
aus dem Zimmer, daß kein Fremder die Anwesenheit
eines Kranken vermuthet haben würde.
„Ein guter Arzt muß auch ans den Geist einznwir-
snchen,"

hatte. Nur Eins beunruhigte sie, daß
Alles wußte, und dessen Charakter war
nicht zu trauen. Zu deutlich hatte sie
aus seinen Worten vernommen, daß er
Düringer haßte, dann hatte er auch ver-
rathcu, daß er ihre Hand zu gewinnen
hoffte.
Nur deshalb hatte er Alberts Herkunft
so genau nachgeforscht, um eiu Mittel
in Händen zu haben, durch welches er ihre
Einwilligung erzwingen könnte, und nicht
blos der Frieden ihres Hauses, sondern
das Glück ihres Sohnes und Düringer's
lag in der Hand dieses Menschen.
Sie bebte bei dem Gedanken, Schlobins
Frau zu werden, unwillkürlich zurück,
sie dachte daran, was sie beginnen solle,
wenn er um den Preis seines Schwei-
gens ihre Hand verlangen sollte; daß er
kein Mitleid kannte, wußte sie nur zu
genau. Bauge und mit Zittern der Zu-
kunft entgegensehend, barg sie das Gesicht
in den Händen.

ist wie eine Pflanze. Es genügt nicht, dieselbe in guten
Boden zu setzen und zu begießen, sie bedarf zum Ge-
deihen des Lichtes und des Sonnenscheins, und was für
sie das Licht ist, das ist für den Menschen der Geist."
Es war Sonntag Morgen. Leonard saß in seinem
Zimmer am Schreibtische. Er schrieb nicht, sondern
hatte träumend den Kops aus die Hand gestützt. Es
gehörte für ihn zu den Seltenheiten, daß er des Mor-
gens einige Stunden Ruhe hatte, nur so freudiger genoß
er sie, da sie sich ihm bot.
Bor ihm aus dem Tische lag ein goldenes Kreuz au
schwarzem Bande, er hatte es aus einer Schublade des
Tisches genommen und sein Auge ruhte darauf. Seine
Gedanken waren hinaus geeilt zu der Wassermühle und
' . " getragen

Augenblicke wurde an die Thüre
Unwillig ries er herein. So
Hilfesuchenden auch beistand, so
doch eine Stunde Ruhe, deren er so sehr
bedurfte. Seine Brauen zogen sich etwas
auswärts, als er nach dem Eintretenden
den Kopf zur Seite bog, der düstere Aus-
druck schwand indessen sofort, erfreut
sprang er aus, als er Düringer erblickte.
„Sie hatte ich nicht erwartet!" rief er.
„Ich komme Ihnen doch nicht unge-
legen d" warf Kurt ein.
„Nein, nein!" fuhr Leonard fort und
der freudige Ausdruck feines Auges bestätigte
fein Wort. „Ich freue mich aufrichtig,
Sie hier begrüßen zu können."
„Ich hätte Ihnen schon früher meinen
Dank für das, was Sie an meinem
Sohne gethan haben, aussprechen sollen,"
fuhr Kurt fort. „Ihnen verdanken wir
sein Leben, und seien Sie versichert, daß
wir dies nie — nie vergessen werden."
Er hatte die Hand des jungen Arztes
ersaßt und drückte sie fest.
„Herr Düringer, der Beruf eines
Arztes bringt außer Mühen auch viele
Freuden," sprach er. „Ich werde nie
Ihr und der Ihrigen Gesicht vergessen,
als ich Ihnen gestern mittheilte, daß für
den Kranken keine Gefahr mehr vorhan-
den sei. Das wiegt alle Mühen auf."
„Herr Doktor, Sie wissen, daß Alle
in meinem Hanse Sie als meinen Freund
ansehen, ich hoffe, Sie werden uns nicht
vergessen, auch wenn wir Ihre Hilfe als
Arzt nicht in Anspruch nehmen," sprach
Kurt. „Die Versicherung, daß Sie uns
zu jeder Zeit herzlich willkommen sind,
brauche ich Ihnen nicht zu geben. Nun
gestatten Sie mir, meinem Danke auch
ein äußeres Zeichen zu geben."
Er legte eine Rolle Gold auf deu Tisch.
„Herr Düringer, dies gebührt dem
Medieinalrathe, deu ich ja uur vertreten
habe," rief Leonard.

... -
Promiar Knspar Zumlmsch. Noch einer Photographie gezeichnet von C. Kolb. (S. 439.)

Vierzehntes Kapitel.
Ein Lebenslauf.
In Düringer's Hanse herrschte Freude.
Leonard hatte am Tage zuvor erklärt, daß
für Albert nicht die geringste Gefahr mehr
vorhanden sei und daß er zur völligen
Genesung nichts weiter als Schonung
und sorgfältige Pflege bedürfe.
Es war, wie wenn nach langen und
stürmischett Tagen zum ersten Male das
Blau des Himmels zwischen denn grauen
Gewölk durchbricht und die Sonne wieder
ihre freundlichen Strahlen sendet.
Ja, über Düringer's Hause wölbte
sich jetzt ein blauer, heiterer Himmel und
der einzige Eonnenblick hatte Alle vergessen
lassen, wie schwere Stunden sie durchlebt.
Es gab jetzt keinen Arzt, dem Kurt
ein größeres Vertrauen schenkte als Leo-
nard, dessen Tüchtigkeit und Gewissen-

fn r H n ß.
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Ariedrich Ariedrich.
(vortphung.) lNochdruck o-rbotcu.)
üringer brauchte, so überlegte Christine
weiter, zücht zu erfahren, wer in Wirklich-
keit der Vater des von ihm adoptirten
Kindes gewesen war; die treue Mutter
fühlte sich stark geuug, um Alberts Glück
nicht zu stören, ihren Ansprüchen auf ihn
zu entsagen. Kein Gefühl des Neides gegen
Düringer tauchte in ihrer Brust auf, sic empfand nur
Dank gegen ihn, weil er sich ihres Kindes angenommen
Schlobig nm
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