Zeitschrift des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins zu München: Monatshefte für d. gesammte dekorative Kunst — 46.1897

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;35. Brüstung in der Bibliothek des Justizministeriums.

Die iMMm MMküng M MünAmek HüWMßks.'

eher die Nothwendigkeit, bei Ausführung
großer öffentlicher Bauten die verschiedenen
Künste einander näher zu bringen uitd
insbesondere auch dent künstlerischen Hand-
werk Gelegenheit zur Bethätigung zu geben,
besteht in den Kreisen der Einsichtigen keine
Meinungsverschiedenheit; fast immer und überall, wann
und wo in den letzten Jahrzehnten bedeutendere Bauwerke
entstanden sind, fanden Kund-
gebungen in diesen: Sinne
statt, so auch während der
Errichtung des Iustizpalastes
in München. Zu den be-
deutsamsten Kundgebungen
dieser Art zählt indessen die
Denkschrift über die innere
Ausstattung des Hamburger
Rathhauses, welche von Or.

A. Lichtwark verfaßt uitd
in Gemeinschaft mit anderen
gleichgesinnten Männern —

Kunstfreunden und Künstlern
— im März s889 dem Senat
überreicht wurde.

Sind auch die dortigen
Ausführungen völlig auf
Hamburger Verhältnisse zu-
geschnitten, so bilden doch
die Erörterungen allgemeiner
Natur so bedeutsame Momente hinsichtlich der Bedeutung
und der Nothwendigkeit künstlerischer Ausstattung großer

9 Hierzu gehören sämmtliche auf den Seiten 65—76 sowie auf
den Tafeln 29—52 abgedruckten Abbildungen.

Staatsbauten, daß eine Besprechung der decorativen Aus-
stattung des Münchener Iustizpalastes nicht besser eingeleitet
werden kann, als mit der Bezugnahme auf die genannte
Denkschrift. x)

Dieselbe betont vor allen Dingen, daß die Ausstattung
eines solchen Monumentalbaues stets als „pebel für die
Erziehung des Publikums zum Verständniß künstlerischer
und gewerblicher Dinge" benutzt werde, — daß sie die

Pflanzstätte für die Ge-
schmacksbildung, für das
Bedürfniß nach edler, künst-
lerischer — nicht nach üppiger,
überladener — Ausstattung
seien. „Mir kranken in Deutsch-
land vielfach daran, daß nur
der Producent erzogen ist,
und der Eonsument in den:
Bewußtsein, von der Sache
Nichts zu verstehen, Alles über
sich ergehen läßt. Es ist ein
ungesundes Verhältniß, daß
tausend Producenten denKopf
voll Ideen haben, während
der Eonsument durchaus ohne
eigene Münsche zusieht und in
Folge dessen auch nurselten den
guten Millen hat, für eine ge-
diegene Arbeit entsprechende
Aufwendung zu machen". —
„Daß unsere deutsche Kunstindustrie bisher der eng-
lischen und französischen nur auf untergeordneteren Gebieten

9 Hamburg, Gtto Meißner, ;89p

X


Zeitschrift des bayer. Aunstgewerbe-vereins München.

Iahrg. 1897. Heft 8. (Bg. 1.)
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