Brugsch, Heinrich [Hrsg.]
Geographische Inschriften altägyptischer Denkmäler (Band 3) — Leipzig, 1860

Seite: 70
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DRITTES CAPITEL.

EERSTREOTE VOELKER- UND LAENDER-NAMEN AUF DEN AEGYPTISC'IIEN DENKMAELERN DER PTOLEMAEER-

UND ROEMERZEIT.

Es ist eine an sich höchst auffallende und die Forschungen, mit welchen wir uns
in diesem Bande beschäftigten, sehr hinderliche Erscheinung, dass die Mehrzahl geogra-
phischer Bezeichnungen fremder Ländernamen auf den ägyptischen Denkmälern, mit sehr
geringen Ausnahmen sich so wenig mit entsprechenden Namen bei griechischen oder römi-
schen Schriftstellern vergleichen lassen, dass von dieser Seite her fast gar keine beson-
dere Ausbeute zu Tage gefördert wird. Je reichlicher die geographischen Notizen der
Klassiker zu werden anfangen, um so spärlicher fliesst die Quelle der ägyptischen Denk-
mälerkunde für die geographischen Forschungen, um so schwieriger wird die Erklärung
der wenigen Namen, welche sich hie und da zerstreut auf einzelnen Monumenten der Pto-
lemäer- und Römerzeit als Länderbezeichnungen nachweisen lassen. Man kann dreist be-
haupten, dass die Aegypter so gut wie nichts von den geographischen Bezeichnungsweisen
der Nachbarländer annahmen; entweder wurden alte, nicht mehr gebräuchliche Namen
beibehalten, oder es traten neue Benennungen auf, deren Ursprung eben so dunkel als
unsicher ist.

Wenn diese Behauptung von dem grössten Theil der Namen gilt, welche im vorigen
Capitel den Gegenstand der Betrachtung bildeten, so tritt derselbe Fall in bei weitem hö-
herem Grade bei denjenigen Bezeichnungen ein, die sich nicht listenförmig geordnet, son-
dern zerstreut, wenn auch bisweilen nicht ohne innern Zusammenhang, in den Inschriften
der späteren Denkmäler vorfinden. Aus Mangel an Hülfsmitteln zur Bestimmung ihrer geo-
graphischen Lage ziehen wir es vor, sie in alphabetischer Ordnung, wie folgt, hinter-
einander aufzuführen.

1. Ar du, Amit.

In den Siegeslisten der Ptolemäerzeit, Taf. YIII No. S und Taf. IX No. 12 und 13,
erscheint an der Spitze der Inschriften ein Volk, das ich mit den es umgebenden Grup-
pen der Yergleichung wegen unter 181, 182 und 183 zusammengestellt habe. Die ersten
Gruppen hä-vt oder häi-vt lesen sich ohne Schwierigkeit und lassen sich erklären durch
das koptische g,ei-HOTT „gestürzt sind", da hieroglyphisch das Verbum der Bewegung
häi in allen Fällen dem koptischen entspricht. Die übrigen hieroglyphischen Cha-
raktere enthalten die Bezeichnung des Landes oder Volkes. In No. 181 lautet dasselbe
arä.u ..die Aräu. Der Kreis oder die eiförmigeElypse, welche hinter der Feder —n steht,
ist in hieratischen und hieroglyphischen Inschriften dieser Epoche ein Aequivalent des Zei-
chens des Auges = ar. In Bezug auf den Vogel mit dem Büschel auf der Brust == a, äi
verweise ich auf Bd. I p. 121 und Anmerkung daselbst. In dem zweiten Beispiele, No. 182,
wenn dasselbe nicht fehlerhaft sein sollte, insofern nämlich, als die runde Figur der vo-
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