Brugsch, Heinrich [Hrsg.]
Geographische Inschriften altägyptischer Denkmäler (Band 3) — Leipzig, 1860

Seite: 76
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NACHTKÄGLICHE ERWEITERUNG ZU BAND II DER „GEOGRAPHISCHEN
INSCHRIFTEN ALTÄGYPTISCHER DENKMÄLER".

In der so eben durch Dr. C. Leemans publicirten neunzehnten Lieferung der Monu-
ments egyptiens du musee d'antiquites des Pays-Bas ä Leide befinden sich getreue Fac-
simile's der hieratischen Papyrus I, 346, 347 und 348, von denen der letztaufgeführte eine
besondere historische Bedeutung hat. Abgefasst unter der Regierung des zweiten Ramses
oder des Grossen, enthält derselbe ähnliche erfreuliche (Her suzä Ket) briefliche Mit-
theilungen zweier Schreiber, Käut-sir und Bek-en-ptäK, wie sie bereits Hr. Heath in der
Mehrzahl der altägyptisch-hieratischen Schriftstücke des britischen Museums in London rich-
tig erkannt hat. Für die geographischen Untersuchungen enthält der in Rede stehende
Papyrus zu Leyden ausser manchen nicht unwichtigen, unsere Untersuchungen bestätigen-
den Angaben auf p. VI die höchst bemerkenswerthe Ueberlieferung eines fremden, uns
noch unbekannten, zu Bauten herangezogenen Volkes in Aegypten, welches in ähnlicher
Weise wie die Juden von dem Pharao des Druckes geknechtet worden zu sein scheint.
Die bezügliche Stelle, welche ich allein besprechen will, befindet sich auf der sechsten
Linie und lautet folgendermassen (s. No. 198):

Aperju.u nti Ker-atKu aner er bechennu ää

Die Aperju | welche ziehen | den Stein | nach | der Warte | der grossen |

n .......... Rä-mes-su Mer-amen merju-määtu

des [Königs] Ramses-Miamun des Wahrheitsliebenden.

Lassen wir zunächst den Namen des Volkes bei Seite und beschäftigen wir uns mit
dem rein philologischen Theile der Inschrift! Ueber die Bedeutung von atKu aner, wört-
lich: Stein ziehen, kann nach zahlreichen Beispielen in den hieroglyphischen Legenden
nicht der geringste Zweifel obwalten. Ich begnüge mich eins der überzeugendsten hier
anzuführen. Auf einer der Stelen in den Steinbrüchen des Mokattam, bei Kairo, welche
zum Andenken neu eröffneter oder bearbeiteter Brüche auf Befehl der Pharaonen in den
Kalkstein gemeisselt wurden, befindet sich die Phrase: ar-nef Ken-ef atR-tu aner m [afie.u]
(s. L.D. III, 3, a), wörtlich: „es hat gemacht ihm der König eine Ziehung des Steines
durch Ochsen". Diese Handlung wird am besten durch die dabei befindliche Abbildung
erklärt, welche einen von Ochsenpaaren gezogenen und mit einem grossen Steinblocke be-
lasteten Schlitten zeigt. In Bezug auf die angegebene Bedeutung der Wurzel atK, welche
sich vielleicht in dem koptischen tWttji" (entstanden aus aKt, ak?) trahere, raptare, ex-
trahere erhalten hat, verweise ich noch aufBirch's bekannte Abhandlung: The annals of
Thotmes III. p. 10 Anm. d. Ueber aner, koptisch CÜfie, CWfl lapis, kann ich mich füg-
lich von jeder erklärenden Bemerkung lossprechen.

Das durch den Hausplan determinirte Wort bechennu, sonst bechen geschrieben und
durch das Bild eines altägyptischen Doppelthurmthores determinirt, habe ich bereits Bd. II
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