Brugsch, Heinrich [Hrsg.]
Geographische Inschriften altägyptischer Denkmäler (Band 3) — Leipzig, 1860

Seite: 51
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ERSTES GAPITEL.

DIE VIER RASSEN UND DIE NEUN-VOELKER.

Die vier Rassen: die der Ref. oder Aegypter, die der Aam oder Kanaaniter, die der
NaM.es oder Neger und endlich die vierte der Temli oder die europäisch - libysche, welche
sich in Darstellungen des neuen Reiches in typischer Weise abgebildet vorfinden, scheinen
in den Zeiten, mit deren Monumenten wir uns in diesem Bande beschäftigen, ganz und
gar ihre besondere Bedeutung, begründet in Zahl und charakteristischer Vorstellung, ver-
loren zu haben. Die alten Namen erscheinen zwar noch auf den Denkmälern, aber sel-
tener und ohne irgend welche Beziehung zur Rassen-Unterscheidung.

Die erste Rasse der Ref, wodurch der rothhäutige Menschenstamm bezeichnet ward,
geht über in die allgemeine Bedeutung von Mensch, Leute, und vertritt in den mei-
sten Beispielen die Stelle des koptischen Wortes p?WUI, homo.

Die zweite Rasse, die der Ääm, hat sich mir auf den jüngeren Denkmälern nur in
einem Beispiele gezeigt. In einer Inschrift auf der nach Osten gelegenen Aussehmauer
des Isistempels auf der Insel Philae befindet sieb Tiberius vor der Göttin, die von ihm
aussagt, er sei: äbu Aämj.u (124) „zu Boden stossend die Aämi".

Häufiger erscheint dagegen der Name der dritten Rasse in den Inschriften jüngerer
Zeit, meist in Verbindung mit den verschiedenen Bezeichnungen südländischer Producte. So
wird z. B. in der langen, in meinem Recueil de monuments egypt. pl. XV publicirten
Inschrift von Dendera erwähnt: mähägä (öder Kemäffä, beide Lesungen sind möglich, da
K und m eine Ligatur bilden) n NeKes (125) „Mahaga (oder Hernaga) vom Negerlande".
In einer Inschrift desselben Tempels, welche sich auf den siebenten Ptolemäer Philo-
metor 1 bezieht (s. L. D. IV, 23, e), heisst es von diesem Fürsten mit Rücksicht auf die

Göttin Isis: an-ef net ....... NeKes ger chet neb per m tä nu (?) näuä (126) „er führt zu

„dir die Bewohner des Negerlandes, welche tragen alle Producte des Landes Uaua". Von
der letztgenannten Landschaft werde ich später zu sprechen Gelegenheit haben. In einer
hieroglyphischen, in L. D. IV, 8, a mitgetheilten Legende aus den Zeiten des ersten Pto-
lemaeus Philadelphus I, in Karnac, schenkt Amon demselben die drei Länder NeKes, das
Negerland, Chont-Ken-nefer und Tä-kens. Aus dieser Zusammenstellung, mit Berücksichti-
gung des Bd. II p. 4 fl. und p. 4 dieses Bandes gesagten, geht sehr augenscheinlich die
Identität von NeKes und Kuh hervor. Mit dem letzteren Worte bezeichnete man offenbar
das Land Aethiopien, mit dem ersteren dagegen dessen Bewohner.

Bei weitem seltener wiederum in der jüngeren Zeit ist die Erwähnung des vierten
Menschenstammes, der weissfarbigen TemK. In der Taf. VII unter No. 3 aufgeführten In-
schrift, die Liste der von Ptolemaeus XIII. überwundenen Völker enthaltend, werden die
TemKui siebenten Ortes hinter den Häu-nebu oder Griechen aufgeführt, und in der Taf. VIII
No. 7 mitgetheilten hieroglyphischen Inscription, aus derselben Regierung wie vorige, heisst
es von dem Ptolemäer, er habe petpet TemK.u „in die Flucht geschlagen die TemK". Ich
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