Brugsch, Heinrich [Hrsg.]
Geographische Inschriften altägyptischer Denkmäler (Band 3) — Leipzig, 1860

Seite: 11
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II. Die Nomoslisten aus den Zeiten Ramses'II. und Seti's II. in Abydus
werden den zweiten anziehenden Gegenstand unserer Untersuchung bilden.

Im Bd. I ]). 99 war bemerkt worden, dass die vier, mir damals bekannten Nomos-
listen aus den Zeiten des Pharaonenreiches, nämlich aus der Regierungsepoche Necht-
neb-efs, Ramses" III. und II. und Tauudmesus III., bis auf wenige Spuren gänzlich
zerstört seien. Die Darstellungen auf der Südseite des oben beschriebenen Saales im Osi-
ristempel von Abydus enthielten eine vollständige, auf 37 Felder und Figuren vertheilte
Vorstellung der ägyptischen Nomen zur Zeit Ramses' IL, obgleich von der ganzen Zahl nur
10 deutlich erkennbar, drei andere dagegen nur mit Hülfe der bereits bekannten Nomos-
listen zu restituiren sind. Ausser dieser Nomosliste, welche trotz der grossen Lücken von
grosser Wichtigkeit ist, birgt Abydus eine zweite vollständige Liste der altägyptischen
Gaue, welche aus den Zeiten des ersten Sethos, Vaters Ramses' II. herrührt. In dem von
mir Bd. 1 p. 208 erwähnten Tempel des genannten Pharao befindet sich wie immer an den
unteren Theilen der Wände, welche die einzelnen nach Norden gelegenen Zimmer des
Tempels bilden, eine Liste der ägyptischen Nomen, von der wir nur den Anfang kennen
zu lernen vermochten. Die erwähnten Gemächer, in welchen sich die höchst werthvolle
Liste befindet , sind vollständig mit Sand erfüllt und verdecken die uns interessirenden Dar-
stellungen. Nur mit grosser Mühe und mit Anwendung vieler Menschenkräfte gelang es,
während unseres Aufenthaltes in Abydus, jenes Gemach freizulegen, in welchem sich die
ersten oberägyptischen Nomen dem Auge schön erhalten zeigten.

Wir haben die Liste derselben auf Taf. II wiedergegeben. Bei ihrer Betrachtung ver-
weisen wir zugleich den Leser auf die Zusammenstellung der Nomoslisten älterer und jün-
gerer Zeit auf Taf. XIV des ersten Bandes.

Wie eine augenblickliche Vergleichung lehrt, entspricht die ältere Liste Sethos' In-
soweit sie eben erhalten ist, vollständig der allgemeinen Nomosreihe. Sie enthält hier und
da einzelne bedeutungslose Varianten in der Schreibung der Nomossymbole, von denen
am meisten No. 6 (Nomossymbol des Tentyrites, das Krokodil) und No. 8 (Nomossym-
bol des Thinites) hervorzuheben sind. Mehr als die neun ersten Zeichen der Nomen wur-
den aus dem Schutte nicht zu Tage gefördert, die Liste muss ich daher leider schon
hier enden.

In dieser kleinen Reihe indess, welche wie bemerkt vollständig mit der allgemeinen
Nomosliste der späteren Zeit übereinstimmt , bietet bereits die Liste Ramses' des Grossen
(a — b — c der Taf. 1) eine auffallende Erweiterung dar, indem zwischen No. 4 (Nomos Pathy-
rites) und No. "t (Nomos Koptites) ein sonst unbekannter Nomos eingeschoben ist. Wie
oben (pag. 7) angeführt worden war, ist dieser neue Nomos nach der Stadt Pä-nnb, Pä-nbu,
bei Ptolemäus Pampanis benannt, ähnlich wie in den allgemeinen Nomoslisten der 17. un-
terägyptische Nomos nach der Stadt Sdm-Rud. Die Reihe der Nomensymbole geht dann
bis zum 8. Nomos von Diospolis parva regelrecht weiter, bis eine Lücke von vier zer-
störten Nomen (also 9. 1(1 11. 12.) eintritt. Dann folgt deutlich erkennbar der Nomos
Chesf-ckent (Lycopolites anterior) als der 13. Die vier fehlenden Zeichen müssen daher in
den übrigen Nomoslisten gesucht und ergänzt werden. Da finden wir aber nicht vier, son-
dern fünf Nomen: den Thinites, Panopolites, Aphroditopolites, Antaeopolites und Hypse-
lites. Eine nähere Prüfung zeigt aber, dass die Nomosgruppe für den Hypselites in der
Kamses-Liste auf den Lycopolites anterior folgt, anstatt vorauszugehen, wie sonst in den
Nomoslisten. Zwischen den Hypselites und den Lycopolites posterior (oder 13. der ge-
wöhnlichen Liste) ist dann wiederum ein sonst unbekannter Stadtnomos Säj eingeschoben,

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