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tschechischen Städtebau, der aus fehlender wirklicher Bildung und
aus Selbstüberhebung es, wie überall, an Ehrfurcht vor den Werken
der Väter fehlen lieh und Gefahren für das alte Stadtbild brachte.
Die Überschätzung des Verkehrs bedroht auch Prag mit Unter-
schätzung des kostbaren, in sich beruhenden Alten und mit Über-
schätzung des geistlosen über sich selbst stürzenden und drängenden
Neuen. Die alten Stadtbilder aber sind dem Verfasser „nicht aus-
wechselbar", Zerstörung wäre Sünde wider den Geist.
So ist das Buch „Prag" für Menschen aller Richtungen eine Fund-
grube des Wissenswerten, eine Anregung zur Stellungnahme zu
Dingen und Fragen aller Art und ein Zeugnis geistiger Forschung
und umfassenden Wissens.
Der neuen Zeit sieht Schürer selbst voll Hoffnung und Vertrauen
entgegen, seine Leser werden ihm Bewunderung und Dank zollen.
Deutsche Burgcngeographic. Von Lothar Riedberg. Mit 34 Ab-
bildungen auf 16 Tafeln. Verlag Karl W. Hiersemann, Leipzig
1939. Format 16:23,5. Geb.
Lothar Riedberg hat die Aufstellung einer Burgengeographie ver-
sucht, um für die Freunde deutscher Burgen einen „Burgen-Bae-
deker" zu schaffen.
Er ergänzte aus der Literatur und auf Grund jahrelanger per-
sönlicher Besuche und Feststellungen seine Listen und legt nun das
Ergebnis in einem Nachweis der Lage von 2000 Burgen nach Fluß-
läufen geordnet dar.
Die vorausgehenden allgemeinen Ausführungen über Burgen-
arten und die Bezeichnung derselben als „Gutsburgen", „Land-
warten" oder „Talspornburgen", auch das über Grundrisse und Bau-
stoffe Gesagte, werden nicht immer befriedigende Zustimmung
finden. Anregend ist dafür der. Versuch, die an den Flußläusen
liegenden Burgen darnach zusammenzustellen und durch zwei Ver-
zeichnisse: — der Flüsse und der Burgnamen — die Auffindung der
einzelnen Wehrbauten zu erleichtern. Die ausländischen Burgen-
listen sind freilich sehr unvollständig geblieben.
Die Auswertung der Listen durch Karten und genauere Quellen-
nachweise bleibt zu wünschen.
Die 34 Abbildungen sind nach Zufall und ohne erkennbare
Ordnung dargeboten.
Neues von Pergamon. Von (tuet R. Bincenh. Führerwille beim
antiken Bauen. Deutsche Bauhütte, Zeitschrift der deutschen
Architektenschaft, Hannover. 47 Seiten mit Abbildungen. For-
mat 15:23. Geb.
Dis reizvolle Schrift schildert die Eindrücke einer Frühlingsfahrt
über das Ägäische Meer nach den pergamonischen Gestaden und die
Gedankengänge, die der Verfasser in der Betrachtung der Ruinen
der einstmals glänzenden Stadt Pergamon zu einer Erkenntnis der
bewegenden Kraft des dortigen Städtebaues in dem Führerwillen
der Attalidenfürsten kommen läßt.
Ausgezeichnete Abbildungen, Bilder und Pläne vermitteln mil-
dem geistreichen Text eine vortreffliche Vorstellung von Pergamon
und seinen glänzenden Bauten und der Art der Bauformen und
Baukräfte, die jenen zur Verfügung standen.
Biologie der Landschaft. Von Tr. Walther Schoeniihen, Honorar-
Professor an der Universität Berlin. Landschaftsschutz und Land-
schaftspflege. Herausgegeben von Walther Schoenichen. Heft 3.
Verlag I. Neumann, Neudamm und Berlin 1938. 133 Seiten
mit 9b Abbildungen. Format 18:24,5. Preis geb. 7,50 RM.,
br. 6,—RM.
Schoenichens Schrift will eine bestimmte Auffassung von der
Landschaft und ihrem Verhältnis zum Menschen in den Vorder-
grund stellen. Verfasser betont die heute wohltuenderweise in weiten
Kreisen auf Verständnis stoßende Erkenntnis dessen, daß die Land-
schaft etwas Lebendes ist, die nicht aus rohen, rücksichtslosen
materialistischen Gründen geschädigt werden darf.
Die großen Ausgaben, die heute den führenden Kreisen aus Sied-
lung, Trennung von „Wohnland und Werkland" oder Tal-
sperren und Wasserwirtschaft entstehen, werden ernst gewürdigt;
auch kleine Entstellungen, die die „Reklame" oft genug beleidigend
vorführte, behandelt die Schrift.
Ein vortreffliches Sachverzeichnis lenkt auf alles Wesentliche
hin. Sehr gute, vielseitige photographische Aufnahmen bereichern
das Buch, es fehlen freilich Pläne. Ein vortrefflich anregendes und
feinsinniges Buch!
Abbinden nnd Schiften. Leitfaden zur praktischen Anwendung
alter und neuer Abbundverfahren des Zimmermanns. Von

Ludwig Rödler. Der Bauwerker. Schriftenreihe für die Bau-
beruse. Band 5. Herausgegeben von Gewerbeoberlehrer Georg
Stausenbiel. Verlag der Deutschen Arbeitsfront G. m. b. H.,
Berlin 0 2, 1938. 94 Seiten mit 169 Abbildungen. Format
15:21,5.
Für die Erkenntnis der Anwendung alter Abbundverfahren gibt
es außer der Betrachtung alter Dachstühle auch zeichnerische Vor-
bilder, die in Kupferwerken Vorbilder für einfachste Dachverbünde
bis zu weitgespannten Holzbrücken und großartig liegenden Stühlen
bieten.
Viele Jahrzehnte liegen seit dem Erscheinen solcher Werke hinter
uns, in denen man auf Vertiefung in echt meistermäßiges Abbinden
geringen Wert legte. Um so freundlicher wird man jeden ernsten Ver-
such begrüßen, dem Zimmerman einen zuverlässigen Ratgeber in
einer leicht käuflichen Schrift zu bieten. Ludwig Rödler gibt in
seiner fleißigen Arbeit eine Aufzählung der Dachformen und ihrer
Ausmittelung, eine Darstellung des Abbindens und Schiftens auf
dem Schnürboden, des Abbindens nach dem Rechenverfahren und
einige Übungsaufgaben, dazu 169 Abbildungen.
Die Durcharbeit der nützlichen Schrift stellt an den zu be-
lehrenden Zimmermann gewisse Ansprüche, die aber ein echter
Zimmerer gerne erfüllen wird und kann, gibt es doch kaum ein
Handwerk, das so frisch und geistig anregend ist, wie die edle Zim-
mermannskunst.
Tie Burg in Böhmen bis zum Ende des 12. Jahrhunderts. Von
Karl Vogt. Sudetendeutscher Verlag Franz Kraus, Reichenberg-
Leipzig 1938. 127 Seiten. Format 8". Preis kart. 4,50 RM.
Die Arbeit gibt einen umfassenden Überblick über die historische
Bedeutung und Entwicklung der böhmischen Burg von der Ein-
wanderung der slawischen Stämme bis zur beginnenden deutschen
Kolonisation. Die Abhandlung ist vornehmlich auf die historisch-
politische Wertung der Burg eingestellt und zieht die Probleme der
reinen Burgenkunde, die sich bisher fast ausschließlich mit den archi-
tektonischen Fragen des Burgbaues auseinandergesetzt hat, nur
so weit heran, als diese Fragen zum historischen Verständnis un-
erläßlich sind.
Der Verfasser sieht in der Burg einerseits eine Erscheinungsform
der Siedlung, zum andern eine militärisch-politische Anlage. In
dieser ihrer Bedeutung verfolgt er die Burg in Böhmen von der
ersten Siedlung der einzelnen slawischen Stämme über die erste
staatliche Bildung der verschiedenen Machtbereiche der Stammes-
fürsten bis zum böhmischen Herzogtum der Premysliden. Es zeigt
sich, daß die Burg in den einzelnen Abschnitten in ihrer Form und
Bedeutung den jeweiligen politischen Verhältnissen entspricht. Der
erste siedelnde Geschlechtsverband kennt nur die Volks- und Flucht-
burg, die nicht zur dauernden Siedlung, sondern nur zur Zufluchts-
stätte in Kriegs- und Notzeiten dient. Mit dem ersten Beginn
geschlosseneren staatlichen Lebens der einzelnen Stämme unter der
Führung bedeutender Fürsten wandelt sich die Volksburg zur
Fürstenburg, d. h. sie wird nun dauernder zentraler Wohn- und
Machtsitz des Fürsten. Die Verdrängung der einzelnen Stammes-
sürsten und die Einigung Böhmens durch die Premysliden hat eine
weitere Wandlung des Charakters der böhmischen Burg zur Folge.
Die einzelne Fllrstenburg wird nun Mittelpunkt eines dem gesamt-
böhmischen Staatsgefüge zugeordneten Verwaltungsbezirkes, auf
der unter strenger Abhängigkeit von dem Herrscher der jeweilige
Burggraf alle Berwaltungs-, Gerichts- und Militärhoheiten des
Burgbezirkes ausübt. So entsteht die böhmische Kastellaneiverfassung,
die bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts, dem Beginn der deutschen
Siedlung, bestehen bleibt. Neben diesen Kastellaneiburgen treten
dann noch einige kleinere Grenzburgen, die Schutz an den Haupt-
einfallstoren Böhmens bieten sollen. Mit dem Einbruch der deut-
schen Siedlung in Böhmen verändern sich die Burgenverhältnisse
Böhmens von Grund auf, eine Tatsache, auf die Vogt nur hinweist,
ohne sie im einzelnen zu untersuchen, da die ihm gestellte Aufgabe
hier ihren Abschluß findet.
Die Abhandlung läßt erkennen, daß die so von den slawischen
Verhältnissen Böhmens bestimmte Burg ihrer Natur und ihren:
Charakter entsprechend eine Erscheinung ist, die mit der deutschen
Ritterburg kaum zu vergleichen ist, was sich schon daraus ergibt,
daß die böhmische Burg in allen Stufen ihrer Entwicklung bis zur
deutschen Kolonisation fast nur aus Holzbauten und Erdwälleu
bestand. Das spricht nicht dagegen, und Vogt weist verschiedentlich
 
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