Curtius, Ernst [Editor]; Adler, Friedrich [Editor]
Olympia: die Ergebnisse der von dem Deutschen Reich veranstalteten Ausgrabung (Textband 1): Topographie und Geschichte — Berlin, 1897

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Erläuterungen zu der Übersichtskarte der Pisatis.

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Gastfreund Antonios Zariphopulos, dem heutigen Besitzer
der Thermen, die auch jetzt allsommerlich von Mai bis
August als Kuranstalt starken Zuspruch finden, mit voller
Befiimmtheit veriichert. Die Bodensenkung, welche diese
Lagune schuf, hat anscheinend auch die Reste des Heilig-
tums des Samischen Poseidon der Beobachtung entrückt.
Es muss ganz nahe bei Klidi gelegen haben, aber an-
scheinend ein wenig südlicher. Denn es lag am Fuss
einer steilen Höhe, welche den in seiner Nähe landenden
Seefahrern den Blick auf Samikon entzog1). Alle Mühe,
seine Ruinen aufzuspüren, war vergebens.
Derselbe Naturvorgang, welcher an dieser Stelle
nachweislich entscheidend war für die Bildung einer

Lagune, ist vielleicht auch weiter nördlich wirksam ge-
wesen. Dann ist es nicht nötig, eine überraschend grosse
Veränderung der Uferlinie für die geschichtliche Zeit
anzunehmen. Die Lagunen der Pisatis und Triphyliens
lassen sich sämtlich aufsalten in gleichem Sinne: nicht
als Exklaven des Meeres, sondern als eine Kategorie
echter Festlandsseen, die man auch anderwärts kennt, als
Einsackungsseen lockerer Sedimentgebiete (R. Credner).
Nicht nur des Alpheios stille Bauthätigkeit, sondern mehr
noch des Erderschütterers gewaltthätiges Wirken hat der
Forschung die Aufgabe erschwert, in den veränderten
Zügen des heutigen Bildes dieser Küstenlandschaft die
Grundlinien der antiken Topographie wiederzuerkennen.

Olympia und seine nächste Umgebung.
Blatt II der Mappe.

Erläutert von Paul Graef.

Der dargestellte Teil der Pisatis wurde im März
und Mai des Jahres 1880 mit dem Messtische im Mass-
slabe von 1: 5000 durchweg neu topographisch aufge-
nommen. Als Basis diente eine Strecke von 200 m, die
in der Ebene des Alpheiosbettes, östlich von Olympia,
festgelegt wurde, etwa dort, wo die Karte das Wort
Hippodrom zeigt. Von ihr aus wurde, unter Benutzung
der von I. A. Kaupert für seine »Übersichtkarte der
Gegend von Olympia«2) ausgeführten Triangulation des
Geländes, die erforderliche Anzahl von Fixpunkten gra-
phisch bestimmt und von diesen, sowie von Zwischen-
punkten aus, das Einzelne eingetragen.
Das Erdreich und die neueren Gebäude sind schwarz
dargestellt, die Walterläufe blau, die Reste antiker Bau-
lichkeiten rot.
Die Bauten des Ausgrabungfeldes wurden nach dem
Dörpfeldschen Plane eingezeichnet, nachdem Lage und
Richtung der Achsen von Zeustempel und Heraion selbst-
ständig bestimmt waren.
Die Höhenzahlen wurden durch Beziehung auf die
Oberfläche des Zeustempel-Stylobates ermittelt, deren
Meereshöhe nach Kaupert mit 42,70 m anzunehmen war.
Zweck der Aufnahme war in erster Linie die Ge-
winnung einer möglichst genauen Darstellung der heutigen
Geländeformen, insbesondere des östlich von Olympia
sich erstreckenden Teiles der Alpheiosebene, um daraus
sowohl die Veränderungen des Alpheioslaufes und seiner
') Strabo VIII 3, 20 S. 347.
2) Olympia und Umgegend, zwei Karten und ein Si-
tuationsplan gezeichnet von Kaupert und Dörpfeld, heraus-
gegeben von E. Curtius und F. Adler. Berlin, Weidmannsche
Buchhandlung 1882.

Ufer, als auch die einsüge Lage des Hippodroms zu er-
kennen.
Ein Vergleich mit der französischen Karte vom
Jahre 1831 zeigt, dass der Fluss in den letzten fünf
Jahrzehnten sich wieder südwärts gewandt hat. Die von
Abel Blouet aufgenommene Flusslinie ist in einem
schmalen Graben noch ebenso erhalten, wie die von
ihm gezeichnete frühere des Stanhope. Ausfallend ist
die Art, in der die beiden Linien einander schneiden;
denn die gleiche Erscheinung wiederholt sich in dem
etwas weltlicher gelegenen, südwärts vorspringenden
Zipfel der nördlichen Begrenzung der Ebene. Verbindet
man die beiden Spitzen durch eine gerade Linie, so
führt deren Verlängerung nordwestwärts genau auf den
Rücken des letzten Ausläufers der östlichen Fortsetzung
des Kronoshügels, der somit gleichsam in die Ebene
verlängert erscheint.
Die einsüge Lage des Hippodroms ist aus der
Karte deutlich erkennbar. In der von hohem Gräse,
dichtem Gestrüpp, immergrünen Sträuchern, Oleander-
gebüschen und -Bäumen bestandenen Alpheiosebene
kann das Auge allein die Bewegung des Geländes nicht
erkennen. Die Aufmesfung aber hat gelehrt, dass die
Ebene in zwei Teile geschieden ist, einen tiefer gelegenen
nördlichen und einen höheren im Süden. Die Grenze
zwilchen ihnen bildet ein sich lang hinziehender Hang
von wechselnder Höhe, der durch eine Anzahl von
südwestwärts ziehenden Rinnsalen durchbrochen ist. In
ihm ist sicherlich der letzte Rest des südlichen Hippodrom-
walles zu sehen. Dieser selbst wird etwas südlicher gelegen
haben; denn es ist anzunehmen, dass seine Malten durch
die Tagewälter allmählich nordwärts gespült worden sind.
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