Curtius, Ernst [Editor]; Adler, Friedrich [Editor]
Olympia: die Ergebnisse der von dem Deutschen Reich veranstalteten Ausgrabung (Textband 1): Topographie und Geschichte — Berlin, 1897

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Erläuterungen zu der Übersichtskarte der Pisatis.
Blatt I der Mappe.

Von J. Partseh.

Die Grundlage für den Entwurf und die Zeichnung
der Übersichtskarte der weiteren Umgebung Olympias
bildet die alte französische Aufnahme. Da ihre Ergeb-
nisse nur in einer Reduktion auf 1:200000 der Öffent-
lichkeit übergeben worden sind, war es für die
Herstellung einer Karte in grösserem Massstabe eine
sehr willkommene Hilfe, dals auf das Ersuchen der
Deutschen Gesandtschaft zu Athen die Griechische Re-
gierung mit dankenswerter Bereitwilligkeit für die welt-
liche Hälfte und für den Süden des darzustellenden
Gebietes eine photographische Kopie der Original-Auf-
nahme-Blätter (1:50000) zur Verfügung zu stellen ver-
mochte. Allerdings ergab sich sogleich, dass dieses
Quellenmaterial in der Carte de la Grece zu erschöpfen-
der Verwertung gelangt war, aber die ursprünglichen
Ausarbeitungen erleichterten das Urteil über die Grenze
der Zuverlässigkeit der Karte und boten Winke für die
Auswahl der wichtigsten Routen bei ihrer Revision. Für
die Küste forderte neben der Hauptquelle die englische
Seekarte (No. 207) Beachtung. Der einzige Teil des
Arbeitsgebietes aber, für welchen eine wesentlich voll-
kommenere Grundlage vorlag, war die von Kaupert
neuerdings aufgenommene nächste Umgebung Olympias
(1:12500).
Eine vollständige neue Spezialaufnahme dieser Art
konnte für ganz Elis nicht ins Auge gefasst werden. Es
handelte sich nur um eine zeitgemässe VerbeiTerung der
französischen Karte mit besonderer Rücklicht auf die
Ziele des Werkes über die deutschen Ausgrabungen in
Olympia. Es galt zunächst, die Topographie entsprechend
dem Fortsehritt der Besiedelung und der Verkehrsver-
hältnisse zu vervollständigen, das Bild des Reliefs genauer
zu gestalten und durch reichlichere Höhenangaben zu
beleuchten. Bei der grossen Ausdehnung des Arbeits-
gebietes musste auf ziemlich beschleunigten Wanderungen
mit leicht tragbaren Instrumenten die beträchtliche Zahl
nachzutragender Ortslagen durch Winkelmessungen fest-
gelegt und ein Netz barometrischer Höhenbestimmungen
über das Land gebreitet werden. Für diese Arbeit waren
von grundlegendem Werte die korrespondierenden Be-
Olympia I.

obachtungen, welche die Herren Friedrich Bauer und
Theodoros Stathakopulos vom Hause Fels & Cie. in
Pyrgos an einem ihnen üb ergebenen Barometer während
der ganzen Zeit der Begehung von Elis (9. April bis
5. Mai 1888) mit Eifer und Sorgfalt ausführten. Eine
andere möglichst häufig aufgesuchte Stütze der baro-
metrischen Höhenmessungen waren die trigonometrischen
Höhenpunkte der älteren Aufnahmen und das bis Olympia
fortgeführte Nivellement längs des Alpheios1). Diese
älteren Messungen der Franzosen und Kauperts sind
durch Unterstreichen, die wenigen aufgenommenen An-
gaben der englischen Seekarte durch Klammern von den
neuen eigenen barometrischen Höhenziffern unterschieden.
Die bereicherte Kenntnis des Landes sollte den
Weg bahnen zu einer möglichst genauen Eintragung

') Der Anschluss an die älteren Höhenangaben vollzog
sich fall: in jedem einzelnen Falle ohne Schwierigkeit in be-
friedigender Übereinstimmung. Eine Ausnahme machte nur
eine Schleife im nordöstlichen Bergland (Olympia — Lala —
Divri—Panagia Notena — Gartsiko — Chani von Bokovina—
Karakasimi — Gumero — Zachara — Persena — Chelidoni —
Kavkania — Platanos—Olympia). Wiewohl in Divri durch
Besteigung des Astras (1795 m) eine gute Anknüpfung an
diesen Gipfel gewonnen wurde, trat der absteigende Teil dieser
Kette von Messungen nicht in Einklang mit den Ziffern der
Carte de la Grece für das Paläokastro Gartsiko (544 m) und
dem mit voller Sicherheit wiedergefundenen untergeordneten
Dreieckspunkt Zachara (südwestlich von Bedeni 688, 2). Die
Möglichkeit liegt nahe, dass die korrespondierenden Beob-
achtungen in Pyrgos das Profil dieser schon etwas entfernten
Strecke nicht vollständig zu schützen vermochten gegen die
störende Einwirkung der gleichzeitigen, sehr beträchtlichen
Schwankungen des Luftdrucks. Dennoch konnte ich mich nicht
entschliessen, den absteigenden Art meiner Schleife baro-
metrischer Messungen, dessen Endpunkt sich in vortrefflicher
Übereinstimmung mit dem Anfang zusammenfügte, den älteren
Angaben anzupassen durch starke Änderungen, deren Berech-
tigung notwendig zweifelhaft bleiben musste. Deshalb wurden
jene beiden älteren Höhenziffern unverwertet gelassen und
das Profil der Route so geboten, wie es aus den barometri-
schen Beobachtungen sich ergab.
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