Curtius, Ernst [Editor]; Adler, Friedrich [Editor]
Olympia: die Ergebnisse der von dem Deutschen Reich veranstalteten Ausgrabung (Textband 1): Topographie und Geschichte — Berlin, 1897

Page: 91
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Lageplan der byzantinischen Bauwerke.

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Erläuterung zu dem Lageplan der byzantinischen Bauwerke und der
Karte der wichtigsten Funde.
Blatt V der Mappe.
Erläutert von Wilhelm Dörpfeld.

Der aus den zwei zusammengehörigen Blättern Ya
und \b begehende Plan von »Olympia in byzantinischer
Zeit« enthält alle byzantinischen Bauwerke, welche bei
den Ausgrabungen gefunden wurden. Ausserdem sind
auch die Fundstellen der meiften antiken Skulpturen aus
Marmor und Kalkstein, einiger Bronzen und Terrakotten
und der wichtigsten Inschriften angegeben. Der Plan ist
im Massstabe i : 500 gezeichnet, also im halben Massstabe
des grossen Lageplanes. Was die verschiedenen Zeichen
und Buchstaben bedeuten, ist aus der Legende auf
Tafel Vb unten rechts zu entnehmen. Für die Giebel-
gruppen und Metopen des Zeustempels, wie auch für
die in der Exedra des Herodes Atticus gefundenen Sta-
tuen sind besondere Fundkarten im Bande III dieses
Werkes veröfsentlicht. Wo die Fundstelle eines Gegen-
standes nicht genau bekannt war, ist nur sein Name an-
gegeben; unterlag die vorhandene Fundnotiz irgend
welchen Bedenken, so ist ein Fragezeichen hinzugefügt.
Um die Lage der byzantinischen Bauwerke mit der
der antiken Anlagen vergleichen zu können, ist der Plan
der letzteren mit einfachen Umrisslinien als Untergrund
gezeichnet, und zwar lind nicht nur die Gebäude, son-
dern auch die meisten Basen und Altäre angegeben. Die
byzantinischen Bauwerke haben dagegen eine schwarze
Schrafsur verschiedener Art erhalten, die älteren Mauern
eine helle, die jüngeren eine dunkle. Zwei Epochen
lassen sich nämlich in der byzantinischen Zeit Olympias
deutlich unterscheiden, erstens die Zeit der Erbauung
einer starken Festungsmauer, die vermutlich zur Ver-
teidigung Olympias gegen fremde Volksstämme diente,
und zweitens die Zeit eines jüngeren byzantinischen Dorfes.
Die hell schraffierte Festungsmauer bestand aus zwei
getrennten Teilen. Das eine Stück, auf dem Plane Na
als »Westmauer der byzantinischen Festung« bezeichnet,
lief von der Südwestecke des Zeustempels zu der Nord-
westecke der Südhalle. Das andere Stück verband die
Nordostecke des Zeustempels mit der Nordostecke der
Südhalle und hatte zuerst eine westöftliche, und dann, im
rechten Winkel umbiegend, eine nordsüdliche Richtung.
Als die Mauer erbaut wurde, muss der Zeustempel und
die Südhalle noch aufrecht gestanden haben; sie waren
durch Ausfüllung der Zwischenräume ihrer Säulen mit
grossen Steinen in eine Festungsmauer umgewandelt.
Nur an der Nordseite des Zeustempels lind noch Reste
dieser Füllmauern gefunden worden.
An der örtlichen Festungsmauer waren die Unter-
bauten von zwei viereckigen Türmen erhalten, die ein
Eingangsthor flankierten. Zwei kleine Pforten führten

vom Innern der Festung in die Türme. In ähnlicher
Weise wird auch die schmale Pforte der Westmauer zu
einem Turme geführt haben, der das weiter nördlich
gelegene Thor der Westmauer beschützte.
Das Baumaterial der beiden Festungsmauern war den
rings herum liegenden antiken Bauwerken entnommen.
So fanden wir in dem nördlichen Teile der Ostmauer
die Säulen und Gebälkstücke desMetroon, in dem mitt-
leren Teile die Bausteine der Echohalle und viele Sta-
tuenbasen, welche einst vor der Ostfront des Zeustempels
gestanden hatten, und in dem südlichsten Teile einige
Bauglieder des Buleuterion. In der weltlichen Festungs-
mauer waren verbaut zahlreiche Säulen und Gebälkstücke
des Leonidaion und weiter südlich neben Steinen vom
Buleuterion die Bauglieder der beiden Schatzhäuser von
Gela und Megara. Die weite Verschleppung der letzteren
Steine erklärt sich am beften durch die Annahme, dass
die übrigen Gebäude der Altis damals schon zerstört waren
oder nicht abgebrochen werden durften, weil sie zu
anderen Zwecken benutzt wurden.
Die Fundamente der Festungsmauern waren meist aus
nebeneinander liegenden Säulentrommeln gebildet, wäh-
rend die sichtbaren Obermauern, namentlich an ihrer
Aussenseite, aus rechtwinkligen Bausteinen bestanden und
daher so gut aussahen, dass man sie zuerst für antike
Mauern halten konnte.
Erst als der Oberteil der ganzen Festungsmauer zer-
stört und sowohl der Zeustempel als auch die Südhalle
durch ein Erdbeben umgeworfen waren, ist das byzan-
tinische Dorf gebaut worden, dessen Häuser auf dem
Platze zwischen dem Zeustempel, der Echohalle und
der Südhalle besonders dicht nebeneinander standen. Die
Hausmauern gingen zum Teil, wie ein Blick auf den
I Plan zeigt, über die Festungsmauer hinweg. Es handelte
sich nicht um gute Wohnhäuser, sondern um einfache
| Hütten, deren Mauern aus Steinen der verschiedensten
Art mit Lehmmörtel erbaut waren. Neben Baugliedern
antiker Gebäude fanden wir darin grosse Kieselsteine und
Steinbrocken verschiedener Art, aber auch ganze Marmor-
statuen und viele Skulpturfragmente. Die Skulpturen vom
Ostgiebel des Zeustempels waren fast sämtlich in dielen
elenden Hütten verbaut.
Der Plan der einzelnen Häuser ist leider nicht deut-
lich zu erkennen, weil infolge der grossen Zerstörung
der Mauern die Lage der Thüren nicht oft mehr zu be-
stimmen war. Man glaubt aber noch zu bemerken, dass
die Häuser durch schmale unregelmässige Gassen getrennt
waren und aus je einem Hofe mit mehreren herum-
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