Curtius, Ernst [Editor]; Adler, Friedrich [Editor]
Olympia: die Ergebnisse der von dem Deutschen Reich veranstalteten Ausgrabung (Textband 1): Topographie und Geschichte — Berlin, 1897

Page: 101
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Geschichte der Ausgrabung von Olympia.

IOI

Geschichte der Ausgrabung von Olympia.
Von R. Weil.

I. Einleitung.

Die Berichte der älteren Reisenden und die
ersten Ausgrabungspläne.
Andilalo, eingetragen auf dem Portulan des Battista
Palnese aus dem Jahre 1516, bedeutet die früheste Er-
wähnung der Stätte Olympias seit dem Aussterben der
antiken Kultur. C. A. Sathas hat den Portulan, nach
dem handschriftlichen Original zu Venedig (Biblioteca
San Marco, classe IV cod. 72) im ersten Bande seiner Mvyj-
ixiia ''E.XkiviüYsi irroQicK —Documents inedits relatifs ä l'his-
toire de la Grece au moyen äge (Paris 1880) veröfsentlicht.
Der Bearbeiter der venezianischen Karte hat zweifellos
einen amtlichen Auftrag gehabt und ein vorzügliches,
für die Republik gesammeltes Material benutzen können.
Dies lehrt schon eine Vergleichung der zahlreichen von
ihm aufgenommenen modernen Ortsnamen mit jenem
kritiklos eingetragenen Gemisch moderner und antiker
Nomenklatur, wie es während der nächsten zwei Jahr-
hunderte auf allen in den Handel gekommenen Karten
von Morea sich wiederfindet'). Gleichwohl scheint es
nicht ratsam, auf Grund dieser Karte anzunehmen, dass
in Antilalo während der Frankenzeit oder auch später
eine zusammenhängende dorfartige Niederlassung bestan-
den hätte. Miraka auf der Höhe, die am Ostende der
Olympia-Ebene bis unmittelbar an den Alpheios heran-
tritt, und Phloka am rechten Ufer des Kladeos, aber
von diesem durch die Druvahöhe getrennt, waren wäh-
rend der Türkenzeit die Olympia zunächst liegenden Ort-
schaften; im Pyrgos von Miraka, der einem Aga von Lala
gehörte, schlugen die älteren Reisenden, wie Dodwell,
Stanhope u. a. ihr Quartier auf. Druva, das unmittelbar
über der Ebene von Olympia am rechten Kladeosufer
liegt, bestand zu Leakes Zeit nur aus ein paar Hütten,
als Dorf ist es eine Gründung neuerer Zeit, seine Be-
wohner flammen aus den arkadischen Bergen und sind
erst nach dem Freiheitskriege hierangesiedelt. Lala, am
Südrande der Pholoe-Hochebene, war in der Türkenzeit
neben dem eine Stunde nordwestlich von Andritzena
unfern vom linken Alpheiosufer gelegenen Phanari der
blühendste und reichste Ort im nordwestlichen Morea.
Der Weg von der Hochebene im Kladeosthal abwärts,
') Sathas hat das Verdienst, den Wert der Karte erkannt
zu haben. Leider ist aber bei der Publikation durch die
Sorglosigkeit des Lithographen ein Machwerk entstanden, das
jede eingehendere wissenschaftliche Verwertung unmöglich
macht, teilweise durch Lesefehler in der Nomenklatur, vor
allem aber durch die Verschiebung der Farbendruckplatten,
wodurch zusammengehörige topographische Eintragungen weit
auseinandergeraten oder wohl gar auch in andere hinein-
geraten sind.

der noch heute an einzelnen Stellen als alter Türkenweg
zu erkennen ist, hatte für die Bewohner Lalas seine be-
sondere Wichtigkeit, und hierdurch scheint für die Stelle,
wo er einmündet in die Alpheiosebene und in die Strassen,
die thalabwärts nach Gastuni und Kaiafsa, thalaufwärts
nach Phanari und Tripolitza führten, der Name Antilalo
aufgekommen zu sein. Für die Namenform fehlt es
nicht an Analogien; Bildungen wie ädtIuy^o, Ät/riHuS^a,
'AvTi7ra£o beweisen zugleich, dass der Name erst aufge-
kommen sein kann, nachdem Lala durch die dort an-
gesiedelten mohammedanischen Albanesen Ansehen er-
halten hatte. So erklärt es sich denn auch, dass der
heute vergetsene Name Antilalo, wie aus dem unten
(S. 106) mitgeteilten Tagebuch von E. Curtius besonders
deutlich hervorgeht, gerade an der Ebene haftet, nicht
an einer der sie umgebenden Höhen. Die Verwahr-
losung der Flussläufe und die durch sie entstandenen
Verheerungen in der Ebene hatten frühzeitig die Be-
völkerung veranlasst, ihre Wohniitze auf den gesunderen
Höhen aufzuschlagen; was in frühbyzantinischer Zeit zur
Ansiedelung in der Ebene angelockt hatte, die Masien
von handlichem Baumaterial, sie lagen längst unter den
Schuttablagerungen und Sandmassen, die die Flüsse an-
gehäuft hatten, vergraben.
Der einheimischen Bevölkerung war, wie die mo-
dernen Ortsnamen zeigen, der Zusammenhang mit der
Antike verloren gegangen. Für die Venezianer verlangte
es schon das politische Interesse, die geographischen Ver-
hältnisse Moreas mit allen ihnen zu Gebote flehenden
Mitteln zu erkunden; so darf es denn auch nicht über-
raschen, wenn auf Palneses Karte unter dem Namen von
Fanaro — gemeint ifl Paläo- Fanaro — noch Pisa bei-
geschrieben ist. Die Bedeutung, welche der Alpheios-
ebene an der Kladeosmündung im Altertum zukam, war
also dem Bearbeiter der Karte schon bekannt, nur hat
er den einsügen Königssitz Pisa an dem scharfgeformten
Berge von Fanaro auf der Südseite des Alpheios, Miraka
gegenüber, gesucht, der auch auf der Ansicht der Ebene:
Olympia Bd. I Taf. I im Hintergrund sichtbar wird.
Bis in den Anfang des 18. Jahrhunderts kommt auf
Karten von Morea bald an der Alpheiosmündung, bald
weiter einwärts bei der Ebene von Olympia noch ein
anderer Name vor: Langanico, von dessen Existenz in
den Reiseberichten eine Kunde sich nicht erhalten hat.
Als Longanico, wie wohl das Wort, abgeleitet vom
neugriechischen Xoyyoe, Niederung, richtiger lautet, kehrt
dieser Name wieder bei einem Dorfe im oberen Eurotas-
thal (Leake, Travels in Morea III, 20). Die Möglichkeit
ist daher nicht ausgeschlossen, dass der Name auch im
Alpheiosthal existiert hat, und vorausgesetzt, dass seine
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