Curtius, Ernst [Editor]; Adler, Friedrich [Editor]
Olympia: die Ergebnisse der von dem Deutschen Reich veranstalteten Ausgrabung (Textband 1): Topographie und Geschichte — Berlin, 1897

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Geschichte der Ausgrabung von Olympia.

Ansetzung bei der Ebene von Olympia richtig ist, wäre
er der alte Flurnamen gewesen, der hier während des
Mittelalters gebraucht und durch das spätere Antilalo
allmählich verdrängt wurde.
Dem Gedanken, auszugraben an der Stätte von
Olympia, begegnen wir zuerst bei Montfaucon, der in
einem Briefe vom 14. Juni 1723 den eben zum Erzbischof
von Korfu ernannten nachmaligen Kardinal Quirini dafür
zu gewinnen sucht. »Corfou, ancienne colonie des Co-
rinthiens, est pleine de monuments antiques, et d'inscrip-
tions presque toutes en dialecte Dorique. Zante et Ce-
phallonie en ont aussi: mais qu'est ce que c'est que tout
cela en comparaison de ce qu'on peut trouver dans la cöte
de la Moree opposee ä ces lies. C'est l'ancienne Elide oü
se celebraient les jeues olympiques, oü l'on dressait une
infinite de monuments pour les victorieux, statues, bas-
reliefs, inscriptions. II faut que la terre en soit toute farcie,
et ce qu'il y a de particulier, c'est que je crois que per-
sonne n'a encore cherche de ce cöte-lä. C'est pourtant
ä votre porte. On y va apparemment tous les jours de
Corfou, et comme on n'estime rien tout cela dans le
pays, vous pourrez faire a peu de frais une ample re-
colte. Pausanias vous est un auteur bien necessaire, il
y en a deux editions d'Allemagne.« La derniere qui est
de Leipsic de l'an 1696 est la meilleure (Correspondance
inedite de Mabillon et de Montfaucon avec l'Italie p. p.
Valery, Paris 1846, Tome III, 214). Quirini blieb aber
nur drei Jahre auf Korfu und scheint andere Interessen
verfolgt zu haben, als Montfaucon von ihm erwartete.
Eine ungleich nachhaltigere Wirkung sollten Winckel-
manns griechische Reisepläne ausüben. Er war sich der
Wichtigkeit bewusst geworden, die es für ihn haben
würde, die Altertümer auf griechischem Boden kennen
zu lernen, aber über der Ausarbeitung seiner Kunst-
geschichte hatte er seit 1759 nicht ernsüich wieder daran
gedacht. Erst als in seinen letzten Lebensjahren bei
ihm die Entwürfe sich drängten, nahm er diesen Ge-
danken wieder auf. Den ersten Teil der Anmerkungen
zur Geschichte der Kunst des Altertums (Dresden 1767)
schloss er S. 84: »Ich kann nicht umhin, zum Beschlusse
dieses Kapitels ein Verlangen zu stellen, welches die Er-
weiterung unserer Kenntnisse in der griechischen Kunst
sowohl als in der Gelehrsamkeit und in der Geschichte
dieser Nation betrisft. Dieses ist eine Reise nach Griechen-
land, nicht an Orte, die von vielen besucht sind, son-
dern nach Elis, wohin noch kein Gelehrter noch Kunst-
verständiger durchgedrungen ist. Dem gelehrten Four-
mont selbst ist es nicht gelungen, in diese Gegenden zu
gehen, wo die Statuen aller Helden und berühmten Per-
sonen der Griechen aufgestellt waren..... Diese Reise
müsste mit eben der Vollmacht, die gedachter Gelehrter
von der Pforte erhielt, unternommen werden, nämlich
an allen Orten graben zu lassen, wie er denn die Trüm-
mer der alten Stadt Amyklä im lakedämonischen Ge-
biete mit fünfzig Leuten, welche gruben, untersuchen
liess.....Was war aber in Absicht der Werke der Kunst
das ganze Lakedämonische gegen die einzige Stadt Pisa
in Elis, wo die Olympischen Spiele gefeiert wurden?
Ich bin versichert, dass hier die Ausbeute über alle Vor-
stellung ergiebig sein und dass durch genaue Unter-

suchung dieses Bodens der Kunst ein grosses Licht auf-
gehen würde.«
Der junge Freiherr von Riedesel, der eben von
einer sicilischen Reise zurückgekehrt war, und ein mit
dem Orient vertrauter Marseiller Kaufmann Guys hatten
sich ihm damals als passende Reisegefährten geboten.
Bei seiner reichen Kenntnis der Altertümer durfte er
hofsen, auf einer Bereisung Griechenlands viel mehr zu
sehen, als andere Reisende vor ihm. Aber verdrängt
wird dieser Plan durch den anderen, mit einem Ferman
ausgerüstet in Elis und anderwärts zu graben, hierzu be-
durfte es grösserer Geldmittel, und so schreibt er am
13. Januar 1768 nach Göttingen an Heyne, als er sich
statt zur Reise nach Griechenland zu der nach Deutsch-
land vorbereitet: »Eine Nebenabsicht meiner Reise ist,
eine Unternehmung auf Elis zu bewirken, das ist einen
Beitrag, um daselbst nach erhaltenem Ferman von der
Pforte mit hundert Arbeitern das Stadium umgraben
zu können. Sollte aber Stoppani Papst werden, so habe
ich niemand als das französische Ministerium und den
Gesandten bei der Pforte dazu nötig, denn dieser Kar-
dinal ist imstande, alle Kosten dazu zu geben. Sollte
aber dieser Anschlag auf Beitrag geschehen mussen, so
würde ein jeder seinen Teil an den entdeckten Statuen
bekommen. Die Erklärung hierüber ist zu weitläufig für
einen Brief und muss mündlich geschehen. Was jemand
ernstlich will, kann alles möglich werden, und diese
Sache liegt mir nicht weniger am Herzen als meine Ge-
schichte der Kunst und wird nicht leicht in einer an-
deren Person gleiche Triebfedern finden.«
Der Same, den Winckelmann ausgestreut hatte, hat
Wurzel geschlagen in unserem Vaterland. Bis in die An-
fänge des deutschen Ausgrabungsunternehmens lässt sich
auch in Einzelheiten noch die Anlehnung an Winckel-
manns Pläne erkennen.
Zwei Jahre vor Winckelmanns Tode war der erste
wissenschaftliche Reisende nach Olympia gekommen,
Richard Chandler, im August 1766. Nach mancherlei
vergeblichen Bemühungen, sich bei der einheimischen
Bevölkerung Kunde zu verschasfen über das Vorhanden-
sein von Ruinenssä'tten, war ihm durch einen intelligenten
Türken zu Gastuni, Aga Muläh, oder »The virtuoso Soly-
man« von einer solchen, die am Ruphia bei Miraka liege,
berichtet worden, bei der Lage und Entfernungsangaben
für Olympia zu sprechen schienen. Mit Einbruch der
Nacht an der gesliehten Stätte angelangt, hatte er erst in
der Frühe des folgenden Tages die Stätte besichtigen
können. »The ruin, which we had seen in the evening,
we found to be the walls of the cell of a very large
temple, st an ding many feet high and well-built,
the stones all injured and manifesting the labour of
persons, who have endeavoured by boring to get at the
metal, with which they were cemented. From a massive
capital remaining it was eollected, that the edifice had
been of the Doric Order. At a distance besore it was a
deep hollow, with stagnant water and brick-work, where,
it is imagined, was the Stadium. Round about are scat-
tered remnants of brick-building and vestiges of stone-
walls. The site is by the road-side, in a green Valley
between two ranges of even summits pleasantly wooded.
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