Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 10.1893

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von Schwaben
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mit periodischer kirchengeschichtlicher Weltschau.
Regelmäßige Beilage zum Pastoralblatt für die Diözese Nottenbnrg.
Mit einem Vereine von Geistlichen und in Verbindung mit Geschichtsgelehrten heranögegeben
von Du. Engelbert Hof'ele, Pfarrer in Ummendorf.
Korrespondenzen wollen gefl. direkt an Or. Engelbert Hofele, Pfarrer in Ummendorf b, Biberach, gerichtet werden.

Nr. 10.

Stuttgart, den 15. Mai 1893.

10. Jahrgang.

Inhalt: Des Klosters Weltenhansen Schicksale im Schwedeuknege. Von vr. A. Schröder, Bischöflicher Archivar in Augsburg. — Miszellen.
— Beilage: Archivalien des ehemaligen Cistercicnser-Nonncnklosters Baindt bei Weingarten. Geordnet und bearbeitet von Renz in Regens--
bnrg, Orts- und Persvncn-Register. (Fortsetzung.) — Otbo recllvivas. Ein Theaterstück ans dem Jahre 1614, (Fortsetzung.)

Des Klosters Wetlenhansen Schicksale im
S ch ivedrnkri ege.
Von vr. A. Schröder, Bischöflicher Archivar in Augsburg.
lieber die für Schwaben besonders verhängnisvollen Jahre
1632—1635 besitze» wir eine das Angustiner-Chorherrenklvster
Wettenhausen (Bezirksamts Günzburg) betreffende gleichzeitige
Aufzeichnung aus der Feder des Dekans von Wettenhausen,
Bernhard Meichelbeck. Sie ist tagebuchartig geführt und trägt
daher auch den Namen Diarium F. Beruardi Meichelbeck.
Daß die Aufzeichnung der einzelnen Daten alsbald nach den
betreffenden Geschehnissen erfolgte, geht aus verschiedenen
Wendungen hervor, z. B. wenn zn der Schilderung des Ueber-
falls am 2. November 1633 bemerkt wird: „Gott verleyhe,
daß dis die letzte Ausblünderung sehe." Der Verfasser führt
sich an mehrere» Stellen mit dem Pronomen der ersten Person
und dem Beisatz illr. Bern. Meichelbeck ein. Das Original
des Diariums ist derzeit nicht auffindbar unter den im Reichs-
archiv zn München aufbewahrten Archivalien des Klosters
Wettenhansen und darf wohl als verloren betrachtet werden.
Dagegen hat sich eine früher dem Kloster Polling — ein
Angnsiiner-Chvrherrenstift wie Wettenhausen — gehörige Ab-
schrift erhalten, welche im zweiten Teil deS Loci. int. Non.
2320 vorliegt. Diese Abschrift entbehrt der näheren Datie-
rung, stammt jedoch, nach den Schriftzügcn zn urteilen, noch
ans dem 17. Jahrhundert. Sie ist der folgenden Veröffent-
lichung zu Grunde gelegt. Einzelne kürzere Partien, welche
sich nur auf die innere Geschichte des Klosters beziehen, sind
weggeblieben, da eine Quellenschrift zur Geschichte des Schweden-
krieges in Schwaben veröffentlicht werden wollte. Im übrige»
ist der Text mit ganz unwesentlichen Auslassungen wörtlich
wiedergegeben. Die Personalien des Verfassers sind in Kürze
teils von diesem selbst teils von einem Fortsetzer des Tage-
buches notiert; auch diese Aufzeichnung wurde "aufgenommen,
weshalb hier von einem näheren Eingehen auf dieselben ab-
gesehen werden kann.
Das Tagebuch reicht leider nur bis znm 15. Mai 1635;
für die späteren Kriegsjahre stehen, was Wettenhansen betrifft,
nur einige amtliche Aufzeichnungen und Schreiben zn Gebote, i
welche zur Ergänzung beigefügt sind.
Anno 1 6 3 2.
7^, clie 25. llebrunrii seu n clie einerum usc^ue ncl

ciominicLm passionis I haben des Gottshaus llnterthanen
zu Kemnat 0 und Wattenweiler 0 vil erlitten von der katho-
lischen IllAne Rentcren, da doch ihnen von dem Gottshaus
Haaber und Wein sambt 200 Reichs-Thaller, thut 300 fl.
wöchentlich gelifert worden, wie in der Canzley actis weith-
läuffiger zu fünden.
Bald hernach eock. anno den 10. Apriliö an dem hl.
Ostersamstag geschähe der feindliche Einzug des schwe-
bt s ch e n V 0 l k s znGünzburg und der Abzug oder Flucht
aus dem Gottshaus acim. 14cii Oiri Oclnlrici prne-
posikiH sambt 8 Conve ntualen, mnireirkibus ciomi 5
tantum contratridris etc.
Nox clie 12, T^priiis In e. keris, 2" pasciiatis post
Iioram 12 geschicht von Jettingeust herüber von 14 oder
15 schwedischen Reutern erster Einfahl in das Gotts-
hans, welche, als man ihnen zu essen und zn trünkcn genueg
geben, haben sie alsobald angefangen, die Thüren einspringen,
einschlagen und einstoßen, in de's Herrn Prälaten Zimmer
ungestümlich alles aufgeschlagen, doch nit vil sonderliches ge-
funden, hernach 14. Oecanuiri (ülcknrclum) mit Stecken,
andere (??. lZeninrcl., stonn. et Oominicum) mit einem
Latten-Stnck ganz grimmig geschlagen, mit Büchsenspanncr die
Fünger und Regel zerglemmet und das Bluet heraus gebressct,
zween (?. lZemurclukii et ?. stonnirem) sambt dem Vogt
(Lasparum Lisiii) gefangen und bis an die Brugg Key der
Kamlach °) gefiehret, dort aber den einten Conventnal (ist
Ileriinrcluni) und Vogt wider entlassen, den andern aber als
?. stoairnem mit vile» schlügen auf einem dürren Roos ohne
Sattel bis nacher Rohr H geführt, aber auf Ankonft der Lnivn
Zunrcki b) von Günzburg (welche lOO THaler gerostet), widernmb
entlassen worden.
st 28, März.
4 Bez.-A. Günzburg.
st Bez.-A. Krumbach.
st Ulrich Mack, Propst von Wettenhause» 1628—1632.
st Bcz.-A. Günzburg. In jenen Tagen belagerte Gustav Adolf
die Stadt Dvnanwörth, wobei einzelne Abteilungen schwedischer Reiter
Schwaben plündernd durchzogen.
st Unmittelbar am Kloster vorbeiflieszend.
st Unterrohr, Bez.-A. Günzburg, eine kleine Stunde südlich von
Wettenhauseu.
st Alan versteht darunter die Auswirkung einer kleinen Besatzung
vom Kriegsherrn (hier natürlich den, König von Schweden); sie nniftte
aus Kosten dessen, den sie zn beschützen hatte, unterhalten werden.
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