Fliegende Blätter — 18.1853 (Nr. 409-432)

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Moden über die Welt.

(Schluß).

Die Mädchen jener Inseln, die besonders auf Tahiti
mit Hilfe der neuen Eroberer, das alte Joch ziemlich ab-
geschüttelt haben und sich jetzt in einer Art Uebergang vom
protestantischen zum katholischen Glauben befinden, tragen
oft auch einen ganz eigenthümlichen Schmuck in den Locken,
der ihnen zu dem dunklen Haar vortrefflich steht. Es ist das
eine Art Geflecht aus der silberweißen Bastfaser der Ar-
rowroot, den sie in eine Art von Diadem formen, an dem
kleine Büschel und Troddeln flattern und wehen.

Höchst eigenthümlich ist aber, daß diese Stämnie achtes
Gold vom unächten sehr genau zu scheiden wissen, und sich
aus unächten Sachen wenig oder gar Nichts machen. Sie
nennen das Geld Pem

Ein Gleiches findet in Indien statt und auf Java ver-
schmähen selbst die gewöhnlichen Malayen unnächte Sachen,
selbst unächte Steine zu tragen.

Aus Java ebenfalls hat die Civilisation noch wenig
von der Urtracht verdrängt, und die Eingeborenen dort haben
höchstens dann und wann ihre eigens gewebten Stoffe, wenn
ihnen diese zu theuer kommen, mit den billiger hergestellten
[ Cattunen vertauscht.

Die Holländer sind auch darin weit vernünftiger als fast
alle anderen Nationen, und lassen den Stämmen, die sie unter-
jocht haben, ihren Glauben sowohl, als ihre ihnen ain besten
zusagende Tracht, weil sie eben aus dem Klima und den
natürlichen Bedürfnissen auch natürlich hervorgegangen.

Die Tracht der Javanen hat Aehnlichkeit mit der der
Südseeländer, nur der Stoff ist verschieden und mehr ver-
feinert, denn was der Südseeländer aus der Rinde seiner
Bäume mit einem hölzernen Klöppel herausschlägt, webt der

Javane erst aus baumwollenen Fäden, und gibt ihm dann
in der nur erdenkbar mühsamsten Art geschmackvolle und oft
wirklich künstliche Muster. Frauen allein fertigen meist all
diese Arbeiten, und es gehört auch wirklich die sorgliche Ge-
duld und Ausdauer einer Frau dazu, das coniplizirte Muster
dieser Stoffe mit heißem Wachs, Strich für Strich, erst auf
der einen, dann auf der anderen Seite aufzuzeichnen, und
dann zu färben, bei Stücken aber, die mehrere Farben haben
sollen, solche ganze Arbeit zwei und dreimal zu wiederholen.—

'Diese Stoffe nennen sie sarouKs und tragen sie um
die Hüften ganz in derselben Art, wie die Südseeländer ihre
Tapatücher, nur daß die saronxs bis auf die Knöchel hinunter
gehen. Zu diesem saronx gehört dann ebenfalls noch eine
eabazm, oder ein genähter Ucberwurf mit Aermeln; die Land-
mädchen aber, die diesen Ueberwurs nicht haben, nehmen dann
den sarong so hoch unter die Arme hinauf, als sie ihn be-
kommen können, und stecken ihn über die Brust zusammen,
während einzelne Stämme der Berge, besonders in den Preanger
Regentschaften, mit dem Oberkörper ganz nackt gehen.

Tie Männer tragen hier auch, als einen ihrer religiösen
Gebräuche das Kopftuch, das sie Turbanartig nicht selten mit
den Haaren zusammen winden, und darüber meistens einen
breiten, flachen, backschüsselartigen Hut von Bambus geflochten.

Die Frauen tragen Nichts auf dem Kopfe oder doch
nur sehr selten einen dem ähnlichen Hut, wie ich denn auch
überhaupt bei allen uncivilisirten Völkern gefunden habe, daß
die Frauen stets im bloßen Kopfe gehen, und nur einzelne
Sachen, Kränze oder Blumen, immer jedoch nur zur Zierrath,
in die Haare flochten.

In den Spanischen Ländern jedoch tragen sie meist
Strohhüte wie die Männer, und ich brauche wohl nicht hin-
zu zu setzen, daß sie sich vortrefflich darunter ausnehmen.

Die Spanische Tracht hat überhaupt in den fremden

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