Fliegende Blätter — 68.1878 (Nr. 1693-1718)

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Zcitungscxpcditioncn angenommen. _direktem Bezug. Einzelne Nummer 30 Pfg.

Herr Cäsar.

Aus meiner Jugend erinnere ich mich noch lebhaft eines
Mannes, welcher meine Eltern von Zeit zu Zeit mit seiner
Gegenlvart beehrte und mir immer höchst merkwürdig vorkam.
Schon sein Aeußeres war auffallend genug: eine hagere, hohe
Stangcugestalt, mit der er wie weiland König Saul im alten
Testamente alle übrigen Menschenkinder weit überragt hätte,
wäre er nicht immer etwas gebückt gegangen; auf dem Rumpfe
saß ein unverhältnißmäßig großer Kopf; sein Gesicht, eine
wahre Nußknacker-Physiognomie, hohl und hager; seine Haare,
von der Farbe des gerösteten Hanfs, waren glatt über die

Stirne gestrichen; auf dem Occiput hatte sich bereits ein leichter
Mondschein nngcsiedelt. Daß er kein Verächter eines guten
Tröpfleins sei, bewies das Alpenglühen auf seiner stark hervor-
ragenden Nase. Wenn er auch schon den Fünfzigern nahe stehen
mochte, trug er sich doch noch immer stutzerhaft-elegant, obwohl
geschmacklos. Wer unter den jetzt noch Lebenden ihn kannte,
wird ihn au dieser Portraitzcichnung sogleich wieder erkennen und
laut ausrufen: „Das ist, wie er leibte und lebte, der Herr Cäsar!"

Seines Berufes war er Klavierstimmer. In jenen Tagen
gab es zwar noch bei weitem nicht so viele Klaviere, wie heute,
allein es existirte doch schon eine so große Anzahl davon
in unserer Gegend, daß es sich für einen solchen „Künstler"
der Mühe lohnte, von Halbjahr zu Halbjahr das Land zu be-
reisen, um die heiser gewordenen Instrumente wieder zu curiren.

So erschien denn Herr Cäsar regelmäßig, sowohl in
meinem väterlichen Hause als anderwärts, wo er Kunden hatte,
und war immer gern gesehen trotz seiner zeitweiligen Aufdring-
lichkeit. Mochte man ihm auch bemerken, das Klavier habe
keine Neustimmung nöthig, weil seit dem letzten Male Niemand
darauf gespielt habe — cs half nichts, er setzte sich unverzagt
hin und begann seine Manövers. Bezahlt mußte ja doch werden.
Am Schlüsse gab er dann gewöhnlich noch einen Triumphtusch
zum Besten, mit besonderer Vorliebe die Melodie aus der Zauber-
flöte: „Ein Mädchen oder Weibchen wünscht Papageno sich!"
Demi hier muß nothwendig bemerkt werden, daß Herr Cäsar
noch immer ein alter Knabe geblieben war.

Seine stundenlangen Klavicrstimmereicn — denn bei ihm
war Alles in die Länge gestreckt — hatten übrigens außer dem
Hauptzwecke, Herstellung eines reinen Klanges, auch meist noch
eine weniger ideale Nebenabsicht. Er erschien nämlich gewöhn-
lich dann in einem Hause, wenn Essenszeit heranrückte — bei uns
zum Beispiel immer eine Stunde vor dem Mittagstische. Nntür-


Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Herr Cäsar"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

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Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Wagner, Erdmann
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Regal
Klavierstimmung
Klavier <Motiv>
Schemel
Karikatur
Satirische Zeitschrift
Klavier- und Cembalobauer

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
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Fliegende Blätter, 68.1878, Nr. 1708, S. 121 Universitätsbibliothek Heidelberg
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