Fliegende Blätter — 68.1878 (Nr. 1693-1718)

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Eine weibliche Reise nach Suez.

(Aus den Jugenderinnerungen Laura's.)

Erster Brief.

(Laura Gräber, geborne Fischer, an Leonie Meyer.)

Schloß Tinibknheii» in Bayern, August 1800.

„O Leonie meiner Seele!

Beinahe sieben Jahre lang lag ich an Deinem treuen
Freundesherzen und genoß mit Dir die seligsten Stunden. Er-
müdet durch meine Lebenserfahrungen freute ich mich der Ruhe,
der Poesie, der Erinnerungen meiner Frühlingszeit, Deiner
Freundschaft. O Leonie! Nur Du konntest in meiner Seele
lesen! Der Kern meines individuellen Daseins lag vor Dir
offen, seit wir uns im Pensionate civigc Jugendfreundschaft ge-
schworen. Dir allein dankt mein dreifach gebrochenes Herz kindliche
Heiterkeit und gänzliches Vergessen früherer böslicher Verhältnisse.

Ich bin die vcrwittwete Mutter weiblicher Zwillinge.
Du weißt, daß ich meinen Gemahl, ehe er sich den Hals ge-
brochen während jenes unglücklichen Spazierrittes, nur in wenigen
Momenten leidenschaftlich geliebt habe. Ich betrachtete unsere
Verbindung immer als Mariage par raison; denn, wenn mein
Gatte nicht 300,000 Gulden im Vermögen gehabt hätte, dann,
o Leonie meiner Liebe, dann hätte ich wohl niemals den vulgären
Namen „Grnber" angenommen. Du kennst ja meinen ästhetischen
Geschmack. Aber mein Gatte starb, indem er mir alle seine
Staatspapiere hinterließ, und so sehe ich mich als seine Wittwe
ihm zu innigstem Danke verpflichtet. Ich ließ ihm an dem
leise murmelnden Bache meines Gartens ein Mausoleum erbauen
und frühstückte ans Pietät täglich ans diesem Gedenksteine, welcher
sich so originell unter der Hängeesche erhebt. Du weißt, o
Leonie meiner Seele, daß ich selbst die Zeichnung zu diesem
Erinnerungssteine entwarf.

Auf niedrigem Sockel, welcher zugleich als Kanapee dient,,
steht eine Urne mit dem Medaillon meines Gattenkopfes; darüber

beugt sich, leise schluchzenden Gesichtsausdrnckes, eine trauernde
Gestalt mit anmuthiger Handbcwegung. Unterhalb dieser ge-
beugten Gramesgcstalt kniet ein weinender Engel mit einem
Körbchen auf dem Kopfe. Ich habe praktischen Sinn mit dieser
siguralen Poesie zu vereinigen gesucht, indem ich die Urne, so
weit als cs möglich war, platt mciscln ließ, derart, daß sie
mir zugleich als Frühstücktisch dienen konnte. In der Hand
der weinenden Gestalt steckt ein kleiner Nagel, an welchem ich
meine Kaffeemaschiuc hänge, und das Körbchen auf dem Trauer-

io

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Eine weibliche Reise nach Suez (Aus den Jugenderinnerungen Laura's)"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Oberländer, Adolf
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Trauer <Motiv>
Statue <Motiv>
Esche
Mausoleum
Witwe <Motiv>
Zwilling <Motiv>
Karikatur
Pragmatismus <Motiv>
Picknick <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 68.1878, Nr. 1702, S. 73 Universitätsbibliothek Heidelberg
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