Fliegende Blätter — 68.1878 (Nr. 1693-1718)

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Eine weibliche Reise nach Suez.

(Fortsetzung.)

Dritter Brief.

Kairo, September 1869.

Meine Unvergeßliche!

Auf afrikanischem Boden stylisire ich hier das Erinnerungs-
zeichen meiner Liebe. O Leonie! Du ahnst es gar nicht, in
welch' einer kolossalen Weise 'sich meine Seele hier entpuppt
hat. Meine Individualität ist gleich einer Palme in schlanke
Höhe geschossen; aber wie kann dich auch anders in einem
Lande sein, wo man zwischen Sphinxen und Pyramiden wandelt?
Aber laß Dir einen kurzen Reisebericht erstatten.

Am frühesten Morgen reiste ich am Arme des Professors, !
gefolgt von dem leise schluchzenden Nettchen, ans der Kaiserstadt '
ab. Hinter uns lag das über Thal und Hügel ansgegossenc
Häusermeer im Morgenroth. Ich war ganz aufgelöst in Poesie,
aber selbst der kühle, norddeutsche Professor gab cs gelassen zu,
daß ein solcher, ganz in Licht und Farbe getauchter Anblick aus
deutscher Erde etwas Exquisites sei. Als die Locomotivc den
schrillen Abfahrtston hören ließ, begann Nettchen zu wimmern.
Dieses uncultivirte Geschöpf kann sich an die civilisatorischen
Erfindungen unseres Jahrhunderts, an Dampfschiff und Loco-
motive, nicht gewöhnen. Sie wimmerte, als sich der Zug iu i
Bewegung setzte, sie weinte, als wir pfeilschnell an den Wein- |
bergen dahinsausten, sic schluchzte, als wir uns den jähen Fels- s
wänden der Alpen näherten, sie schrie laut auf, als wir die
Höhe des Semmering erreicht hatten und wir tief unter uns
die schwarzen Abgründe unbewohnter Horste erblickten.

Wir durchfuhren in Windeseile die südlichen Provinzen
Oesterreichs, und mein Hals wurde durch den Reiz der Gegenden
völlig verbogen. Als wir den Spiegel des adriatischen Meeres
erblickten, hatten meine Halsmuskeln bereits einige Zoll an
Länge gewonnen und es war mir nicht mehr möglich meinen

Kopf in gewohnter schelmischer Haltung zu tragen, was mich
sehr indignirte, da ich mir vorgenommcn hatte, am Strande
des Meeres einen desto anmuthigeren Eindruck auf Müllern zu
machen. Ich nahm es daher nicht böse, daß sich der Professor
mit.Interesse gegen das adriatische Meer wendete.

Die Stadt Triest bietet nichts Ungewöhnliches dar; es ist
ein kleines Wien ohne Paläste, ohne Gärten und ohne Omni-
busse. Doch versetzte mich das Rauschen des Meeres iu eine
ungeheuchclte Stimmung; Nettchen indessen wurde völlig rasend,
als sie die Unermeßlichkeit des Oceans vor sich auf- und
niederwagen sah.

Die Ueberfahrt ans der Adria war indessen mehr interessant
als angenenehm. Das Schiff wurde nämlich von einigen Wirbel-

1t

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Eine weibliche Reise nach Suez (Aus den Jugenderinnerungen Laura's)"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Oberländer, Adolf
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Abenteuer <Motiv>
Fische <Motiv>
Harfenspiel
Dienstmädchen <Motiv>
Dampfschiff <Motiv>
Harfe <Motiv>
Hochschullehrer <Motiv>
Tränenflüssigkeit
Karikatur
Stricken
Reise <Motiv>
Reisender <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 68.1878, Nr. 1703, S. 81 Universitätsbibliothek Heidelberg
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