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K o st ü m b i l d.

Der dritte Mann.

(Schluß.)

Lehmann wagte cs nicht, sich zu rühren, als die Thür des
Coupäs aufgerissen wurde. Aber seine Lage unter dem Sitz
gestattete ihm doch, zu sehen, daß ein älterer Herr cinsticg,
der Koffer und Tasche in dem Netz über dem Sitze in Ordnung
brachte und, nachdem der Schaffner die Thür geschlossen hatte,
sich niederließ. In demselben Augenblick, als zum letzten Male
geläutet wurde, riß der Schaffner die Thür tviedcr auf und
ein anderer Herr stürzte herein, welcher dem bereits im Coups
Sitzenden einen flüchtigen „Guten Abend" bot und sich dann,
immer noch keuchend non der Anstrengung, in einer andern Ecke
zurechtsetzte. Die Locomotive pfiff und der Zug dampfte wieder
hinaus in die Nacht. Lehmann konnte von seinem Versteck aus
nur die Seite des Coupss beobachten, auf welcher der zuerst
eingestiegene ältere Herr saß. Nach einiger Zeit bemerkte er,
daß der zuletzt Eingestiegcue sich diesem gegenüber setzte, und
jetzt sah er auch, daß der Neuangekommene eine große mus-
kulöse Persönlichkeit war, die den älteren Herrn mit eigen-
thümlichem Auge betrachtete.

„Wie lange fahren wir nach der nächsten Station?" fragte
der Neuangekommene den alten Herrn.

„48 Minuten!" entgegnet der Andere.

„Ich danke. In der Zeit läßt sich viel machen!"

„Wie meinen Sie das?" frägt der alte Herr.

„Nun!" entgegnet der Andere, „ich will es Ihnen sagen.
Bitte, bleiben Sie ruhig sitzen. Ich verspreche auch, wenn Sie
verständig sind. Ihnen keine Gewalt anzuthun und keine Thät-
lichkeiten gegen Sic anzuwenden. Wie Sic selbst sagten, fährt
der Zug jetzt 48 Minuten, ohne anzuhalten. Der Griff von

Der dritte Mann.

der Nothbremse befindet sich dort auf der anderen Seite und
ist für Sie unerreichbar, denn ich würde verhindern, daß Sw
aufstehen. Ich bitte Sie, sich nicht selbst in Ungelegenheiten
zu bringen. Sie sehen, ich bin auf alle Fälle gefaßt!"

Mit diesen Worten zog der Räuber — denn das war der
Neuangekommene — einen Revolver aus der Tasche und hielt
ihn dem erbleichenden alten Herrn iists Gesicht.

„Was wollen Sie von mir?" stotterte dieser.

„Ich kenne Ihre Verhältnisse genau!" erklärte der Räuber.
„Sic haben heute Nachmittag in der Stadt, die tvir soeben
verließen, hunderttausend Mark auf der Bank erhoben, die Sie
zu einer Zahlung benöthigcn. Ich brauche dieses Geld aber viel
nothwendiger wie Sie und bitte Sic nunmehr, mir das Geld
auszuhändigen. Ich bin wirklich weit davon entfernt. Ihnen
körperlichen Schaden zufiigen zu wollen und erkläre Ihnen, daß
Ihnen durchaus nichts an Ihrem Leben und Gesundheit ge°
schehen soll, wenn Sie mir das Geld geben. Ich werde mir
nur erlauben. Sie zu binden und zu knebeln und dort in die
Ecke zu legen. Auf der nächsten Station Ivcrde ich aussteigen
und der Schaffner wird glauben, daß Sic eingeschlafen sind-
Er wird dies um so mehr glauben, wenn ich hier oben den
blauen Schirm der Lampe herunterklappe, so daß er annehmen
muß, Sic wollten Ruhe haben und nicht gestört sein. Auf der
nächsten Station können Sic eventuell Alarm schlagen; ich werde
dann bereits in Sicherheit sein. Also bitte, machen Sic rasch
wir haben keine Zeit zu verlieren, denn es sind schon sechs kalt-
bare Minuten verstrichen. Wollen Sie das Geld nicht frei-
willig geben, so muß ich es Ihnen mit Zwang nehmen, und
wenn zufällig eine Revolverkugel den Weg durch Ihren Kops
nehmen sollte, so würde mir das leid thun!"

„Aber mein Gott!" rief der Angegriffene, „was nützt cs
Ihnen, wenn Sic mich ermorden und berauben! Man wird Sw
doch ergreifen, wenn Sie ans der nächsten Station ankommen!

„Lassen Sic mich dafür sorgen, wie ich mich in Sicherheit
Image description

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Kostümbild" "Der dritte Mann"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Hengeler, Adolf
Bechstein, Ludwig
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Alle Rechte vorbehalten - Freier Zugang
Creditline
Fliegende Blätter, 87.1887, Nr. 2193, S. 50
 
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