Deutsche Kriegszeitung — 1918

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Nr. 31 - 4.2luqust 1918

Deutfche

Preis 15 Pfennig

Flluftrierte Wock^en-AuKyabe

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Serltner SoknlEAn?eiyer

klus grotzer Zeil

von einem alten preuftischen Gsfizier.
60VIII.

An der kriegsjahreswende.

as hinter uns liegende Kriegsjahr
war nach des Feindes offen angekün-
digter Abficht und Hofsnung dazu be-
stimmt, Deutschlands und seiner Ver-
bündeten Macht endgültig zu brechen.
Nach ersolgtem Durchbruch im Westen
und Beseitigung der deutschen U-Boot-
Basis an Flanderns Küste sollten die
deutschen Heere aus Frankreich und Bel-
gien hinaus und über den Rhein gedrürlt
werden. Dann, so hoffte man, werde nan
Deutschland die für alle Zeit seine Macht
und Freiheit brechenden Friedensbedin-
gungen aufzwingen konnen und in ihm
den gesürchteten Rivalen auf dem Welt-
markt vernichtet haben.

Aber das blindwütige Stürmen der
Feinde erreichte im Herbst des Jahres in
Flandern und bei Cambrai den Zipsel-
punkt der Selbstvernichtung. Unter dcn
wuchtigen Hieben der Verbündeten sah sich
Rußland, einst unser gefährlichster Geg-
ner, gezwungen, die Aussichtslosigkeit
einer weiteren Kriegführung einzusehen
und Frieden zu schließen. Die Namsn
Riga, Dünabui^, .Jakobstadt, Orel wur-
den als neue Ruh'messternenn-die'deutsche s
Kriegsgeschichte eingezeichnet. Hatten doch
die deutschen Waffen den Wahn zunichte
gemacht, daß der milde Friedensbeschluß
des deutschen Reichstages lediglich ein
Zeichen deutscher Ermattung und Ohn-
macht gewesen sei. ^ Die Menschenpflicht
aber, bisher feindliHes Land.aus,der
Blutherrschaft anarchistischer Elemente zu
erretten, trug unsere Fahnen weit binein
in das frühere Zarenreich und diente dazu,
uns an unseren Grenzen Nachbarn zu er-

Lm Kesselballon

Von Lt. d. R. Ernsi Struck

Ausgabe und Leisiung der „Augen
der ArMerie". Spannende und
heitere Erlebniffe von allen Kriegs-
schauplähen. Mit neun Abbildungen.

Verlag Augusi Scherl G. m.b.H. / Äerlin

halten, mit denen ein für beide Teile er-
sprießlicher Friede möglich ist.

Rußlands Ausscheiden aus der Re'he
der Kämpsenden zog Rumäniens Fügung
in das Unvermeidliche nach sich, und
Jtalien, dessen Jsonzo-Offensive die Ge-
schichte des Landes um viele blut- und

tränenbefleckte Blätter bereicherte, sah sich
im Herbst des Jahres 1917 durch das
Schwert der Verbündeten schwer getrof-
fen und aus der Rolle des Angreifers in
die des Verteidigers gezwungen.

Für das kommende Kriegsjahr aber
bedeuten die Kämpfe, die heute im Weslen
toben, den Endakt des gewaltigsten
Kriegsdramas der Weltgeschichte, und

leuchtender Siegeslorbeer umflicht die
Taten der herrlichen cheere, die uns er-
möglichen, heute bereits jubelnd aus-
zurufen: „Der Sieg ist unser und kann
uns nicht mehr entrissen werden!"

Zu Beginn des vierten Kriegsjah"es
zwangen die verunglückte Brussilow-

Offensive und die lästige U-Boot-Vasis
den Feind von neuem, seinen Ansturm
trotz der üblen Erfahrungen der Sommer-
kampagne fortzusetzen. Englische Durch-
bruchsversuche in Flandern scheiterten
aber bereits in den ersten Tagen, und am
5. August war für uns die erste große
Schlacht um die U-Boot-Basis gewonnen.
Ebenso ausiicktslos verliefen neue An-

stürme am 21. August, und auch im
Artois floß das englische Blut umsonst.
Aber der Feind hatte noch nicht
genug. Nach gewaltiger Feuervorberci-
tung stürmte er am 27. August von neusm
an. Furchtbar waren seine Opfer, aber
ein „Durch" gab es für ihn nicht. Ein
neuer Sieg in Flandern war von unseren
Tapferen gewonnen.

Der Zusammenbruch der Verbündeten
im Osten trieb Engländer und Franzosen
vom 6. bis 9. September in Flandern und
Verdun zu neuen verzweiselten Versuchen
und in neue schwere Niederlagen, und
nichts half es dem Briten, daß er Kana-
dier und Australier als Kanonenfutter
am 21. September und vom 2ö. bis 27,
in dem Trichtergelände Flanderns ver-
bluten lieh, während der Franzose bei
Verdun bereits Anfang desselben Monats
erfahren hatte, daß die Lockerung unserer
Umfassung an dieser Festung ihm keines-
wegs gestatte, diese durch Angriff gänzlich
auszuheben. — Jm Oktober versuchte nun-
mehr der Engländer eine neue Takt'k.
Auf schmaler Frontstelle mit gehäuften
Divisionen gedachte er den Schutzwall
deutscher Männer sprengen zu können.
Ein Geländegewinn von 1 bis 11- Kilo-
meter Tiefe war alles, was er von ^oel-
kapelle bis über die östlichen Auslümer
von Zonnebeke zu erreichen vermochte.
Der Heldenmut und die über alles Lob er-
habene Ausdauer deutscher Männer hat-
ten den 4. Oktober zum Ruhmesstern
der deutschen Armee gemacht. Aber Lie
U-Boot-Not zwang den Engländer zu
neuen verzweifelten Versuchen.

Am 9. und 12. erfolgten sie. An kleinen
Stellen bei enormem Einsatz ein ganz ge-
ringer und zum großen Teil wieder ver-
lorener Geländegewinn war ihr etnz-.ger
Ersolg, aber ihr Ziel lag in unerreichbarer
Ferne! Nur halbherzig noch hatte der
Franzose an der Aisne sekundlert, und
was im Raume von Verdun sich abspielte,
waren unzweifelhaft Auswüchse deutschen
Offensivgeistes, der gewaltig gärte. —

Wohl mochte den Alliierten nunmehr
die Angst auftauchen vor Deutschlands :m
Osten freiwerdenden Divisionen, und so
sehen wir denn die Engländer am 21. Ok-
tober in Flandern, die Franzosen am 23.
am Chemin-des-Dames angreifen. Man-
gelhafte Oberleitung hatte die An-
griffe nicht gleichzeitig zu gestaltsn ver-
mocht, und sie zersplitterten vereinzelt an
der deutschen Mauer, und unter dem Ein-
druck seiner Niederlage bemerkte der
Feind nicht, daß wir unsere Truppen aus

Genercilfelcjwclrschall v. Lichhorn ch

wucäe ckas Gpfer eines gegen ihn unck seinen klckjutanten hauptmann v. vreßler
gerichteten Mtentats in k^ew.
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