Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Hrsg.]; Württembergischer Altertumsverein [Hrsg.]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Hrsg.]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Hrsg.]
Fundberichte aus Schwaben — 8.1900

Seite: 74
DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/fundberichte_schwaben1900/0080
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
74

Der römische Begräbnisplaiz hei Cannstatt. III.
Von E. Kapff.
Bei derFortsetzung derErdarbeiten in dem zur HöFER'schen
Ziegelei gehörigen Areai, das noch zu dem wegen seiner mannig-
faitigenFunde bekanntgewordenen ^AItenburgerFeld" zurechnen
ist, soweit man darunter die Terrasse zwischen Burgholz und Neckar
versteht, wurden im Frühjahr und Sommer 1900 wiederum zahireiche
römische Gräber aufgedeckt. Diese fanden sich schon im zweiten
Spatenstich vor, was erkiärt, dass sie häuhg nicht mehr intakt waren.
Es liessen sich daher fast nie ganze Begräbnisse sicher feststeilen,
wohl wurden aber viele Einzelfunde gemacht. Solange ich noch in
Cannstatt die Funde kontrollieren konnte, mögen etwa 20 Grab-
stätten aufgedeckt worden sein. Auch diesmal weisen die Münzfunde
(3 Bronze- und 1 Billon-Münze) darauf hin, dass dieser Teil des
Totenhofs nicht mehr der ersten Kaiserzeit angehörte. Die Gräber
lagen in unregelmässigem Abstand, zuweilen 2—3 m, dann wieder
5 m voneinander entfernt.
Yon Ueberresten von Steindenkmäiern sind 2 Bruchstücke aus
Keupersandstein zu erwähnen, das eine einen Pinienzapfen darstellend,
der als Krönung eines Grabmals gedient haben mochte, das andere
die untere Hälfte eines Apotropäon. (Weitere Funde s. S. 9.)
Den grössten Prozentsatz der Funde iieferten wiederum die
Krügchen, deren gegen 30 gefunden worden sein mögen. Eine
richtige Schätzung ist freilich dadurch, da sie meist zerschlagen waren,
erschwert. Immerhin fanden sich eine Anzahl noch völlig unversehrt.
Lämpchen waren es zusammen 7, doch können verschiedene
Bruchstücke dieser kleinen Objekte der Aufmerksamkeit der Graben-
den entgangen sein.
Auch Vasen mit gekerbten Riefen fanden sich wieder vor.
Besonders zu erwähnen ist ein leider zerdrücktes Glasgefäss
von weisslicher Farbe und kugeliger Form, mit 44 cm Umfang,
14 cm Höhe.
AIs intakte Gräber kann ich auf Grund von Autopsie folgende
namhaft machen:
1) Werksteine als Schutz über die Grabinlagen. Diese bestehen
in 1 Krug, 1 Terra sigillata-Teller (Stempel Yeddicus), in dem wiederum
inmitten von Asche und halbverbrannten Knochen eine Lampe (Maske
und Stempel Fortis) steckte.
2) Skelett von Südost nach Nordwest. Der Schädel macht
einen entschieden brachycephalen Eindruck. Es ist in die blosse Erde
gebettet, ohne Beigaben, zu Füssen behndet sich einige Brandasche.
AIs gut bezeugt können noch folgende Bestattungen gelten,
über die mir Herr Verwalter HöscHLE an der Fundstelle berichtete.
1) Brandgrab in blosser Erde. AIs Beigabe ein napfartiges
schwarzes Gefäss, 14 cm hoch, oben cylindrisch, in dei' Mitte kugel-
förmig, mit Einbauchungen. Dabei eine Münze (Caracalla).
loading ...