Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Editor]; Württembergischer Altertumsverein [Editor]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Editor]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Editor]
Fundberichte aus Schwaben — 19.1911(1912)

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(Haug-Sixt No. 330) den Stein (als Basis für eine Geniusstatuette)
aufgestellt. Fundort ist die Kreuzung der von den dicht besiedelten
rechtsufrigen Höhen aus Löchgau, Weißenhof, Erligheim, kommenden
Straße mit der Talstraße Walheim—Kirchheim (Böckingen). —
Material: Schilfsandstein. Der Stein ist oben, wo die Statuette stand,
und links unten beschädigt; die rechte Schmalseite ist erhalten; durch
den Bruch links fehlt in der ersten Zeile die Hauptsache des I; in der
zweiten C, in der dritten der Raum für zwei Buchstaben, also SVA mit
Ligatur zu ergänzen. Maße: Höhe noch 18 cm, Breite noch 28,5 cm,
Dicke 19 cm; Buchstabenhöhe 4,5 cm. —- Gefunden von Schultheiß
RoTH-Walheim und dem Lapidarium überwiesen (F. 408).
Über den Töpferofen s. u. S. 125 ff.
Wangen, Gemeinde Stuttgart. Unter der Straße Wangen—
Hedelfingen ist im Herbst 1910 durch ganz Wangen hindurch in vielen
Querschnitten 0,80—1,00 m unter dem jetzigen Niveau die römische
Straße festgestellt worden: es ist die linksneckarische, die von Cann-
statt über Berg immer unter der heutigen Straße nach dem Brühl und
von da auf die Höhe nach Köngen läuft. (Mitt, von Prof. Lachen-
MAiER-hier.)

Die Römerstraße Wangen—Leutkirch—Illertal.
Die Strecke von Dürren (bei Ratzenried) bisTautenhofen hat Konrad
Mieter (Progr. des Realgymn. Stuttg. 1889, S. 36 f.) unter der heutigen
Staatsstraße nachgewiesen, ebenso Teile bei Auenhofen und Aichstetten.
Von Tautenhofen soll sie direkt auf Leutkirch durch einen alten Hohl-
weg geführt haben, der in den Gang des Heidrains einschneidet und in
alten Marktbeschrieben „Marktweg“ später Markt- und Postweg heißt.
Dieses Stück soll später durch eine bessere Trasse ersetzt worden
sein, die sich nach Mieter, S. 37 unter der heutigen Landstraße bis in
die Niederung, d. h. wohl beim Galgenkeller (auf der Karte 1 : 100 000
Bierkeller), nachweisen läßt. Die erstere Linie führt allerdings möglichst
gerade auf Leutkirch zu, weshalb sie auch heute von der Starkstrom-
leitung eingehalten wird; allein die Straße mußte dabei zuerst die Rauns
(alt der Runs), die ohne Zweifel ein alter natürlicher Nebenarm der
Eschach ist, und dann vor der Stadt die Eschach selbst überschreiten,
um dann entweder bei Niederhofen nacheinander die hier Nibert genannte
Eschach und die Ach (alt Aitrach), oder weiter unten die durch ihre
Vereinigung entstandene Aitrach zu überbrücken. Eschach und Rauns
treten noch heute da, wo sie nicht durch Mühlen oder Wehren eingedämmt
sind, gern über ihre Ufer; sie haben allerdings in den eingedämmten
Teilen ihr Bett durch Kiesablagerung bedeutend erhöht, allein solange
das rasche Bergwasser gänzlich ungepflegt in die Ebene trat, waren
Überschwemmungen wohl eher noch häufiger als heute. Da beide von
MIETER angegebene Trassen durch dieses Überschwemmungsgebiet
führten, waren sie recht ungünstig. Aber muß sich die Wangener Straße
gerade in Leutk rch mit derjenigen vereinigt haben, die Mieter nördlich
der Stadt unter der heutigen Landstraße nachgewiesen hat?
Für die Annahme, daß auf der Wilhehnshöhe hinter Leutkirch
ein römisches Kastell gewesen sei (so nach Baumann, Allgäu I, 48), fehlt
es an Belegen; was in der Lokalgeschichte von früheren Funden an dieser
Stelle erzählt wird, ist wenig genau und erhalten ist von dem Gefundenen
meines Wissens nichts.
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