Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Editor]; Württembergischer Altertumsverein [Editor]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Editor]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Editor]
Fundberichte aus Schwaben — 19.1911(1912)

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Länge des Skelettes ca. 83 cm; keine Beigaben. In einem 2. Grab
daneben 2 bronzene Ohrringe mit Häkchenenden, 6 cm Durchmesser,
nebst Ton- und Glasperlen. (Vermittlung von Pfarrer PARET-Witten-
dorf.) Altert.-S. A 396.

Anhang.
Mittelalterliche Funde.
Arnegg OA. Blaubeuren. Im Juni stieß Braumeister Britscii-
Klingenstein bei Anlage eines Fischteichs, nicht ganz 1 km flußabwärts
von Arnegg entfernt, 8 111 rechts vom Fluß in den Wiesen auf eine Pfahl-
anlage. Zirka 40 cm unter dem heutigen Niveau erschienen ohne erkenn-
bare Anordnung auf der einen Seite der ausgegrabenen Fläche (ca. 30 bis
50 qm) eine Reihe dünner Pfähle (ca. 6—8 cm Durchmesser), meist
aus Buchenholz, ein starker aus Bichenholz. Binige hatten 1—2 Löcher
eingebohrt. Dazwischen lagen große Kalksteinbrocken, zum Teil förmliche
Blöcke, und zwischen diesen in dem Schlamm eine Masse Tonscherben,
graue oder geschwärzte spät mittelalterliche Ware; darunter auch
einige ganz erhaltene Töpfe, nämlich 1 schwarz gewichstes Töpfchen
von 61/2 cm Höhe, 1 glänzendschwarz gebranntes Henkeltöpfchen von
9 cm Höhe; 1 hellgelbes Töpfchen mit Spuren roter Bemalung, 7 cm
hoch, und 1 ursprünglich grünglasiertes von hellem Brand; 1 tönerner
Spinnwirtel; 2 figürliche Terrakotten, eine eine nackte Frau darstellend,
die andere eine mit einem faltenreichen Mantel bekleidete Person, leider nur
von der Brust ab erhalten; dann Hohlziegelreste; 1 eiserner Sporn später
Zeit, Tierknochen, bearbeitete Hirschstange usw. (Altert.-S. 13711 a-g.)
Ob die Anlage, wie B. KapFF im Merkur vom 14. Juni 1911, No. 270,
schreibt, als Substruktion eines hölzernen Baus, der sich auf einer Grund-
lage von Planken oder Flechtwerk erhob, anzusprechen und eine primitive
hölzerne Wasserburg, namentlich der Vorläufer der Arnegger Burg —
aber nicht des Schlosses Arnegg, wie KapFF meint, sondern der 1808 ab-
gebrochenen Burg — anzunehmen ist, ist sehr fraglich. Wahrscheinlich
handelt es sich um einen primitiven Damm gegen Überschwemmungen,
auf dem vielleicht eine Fischerhütte gestanden hat. So urteilen auch
Prof. Knapp und Stadtbaumeister Romann-UIiu, die darüber Mittei-
lungen gemacht haben.
Börtlingen OA. Göppingen. Vom Börtlinger Feld stammen zwei,
Taf. I, 9, und 10 abgebildete, nachrömische Spinnwirtel: 9 roter Ton,
Nagelform; 10 schwarzgrauer Ton, abgeplattete Kugelform. Altert.-S.
A 459. Geschenk von Lehrer ScHEUTi-iRE-Göppingen.
Göppingen. Bauer Vogel hier, Gartenstraße 52, hat im Sommer
1911 auf seinem Acker, Flur R e u s c h , 700 m westlich der Stiibler-
schen Ziegelei, Scherben von rotem Ton aufgelesen, die sich aber als
frühestens mittelalterlich erwiesen haben. Derselbe gibt an, im trockenen
Sommer 1893 habe sich auf demselben Acker die Spur eines Fundaments
im Boden gezeigt, etwa 4—5 m im Geviert.
Neubulach. Neben der Scheuer (29 a) des Wagners und Kirchen-
pflegers Fr. Auer fanden sich in einem noch 1,20 m unter den Keller-
boden gegrabenen Loch von 1,20x0,80 m im Mergel eine größere Zahl
mittelalterlicher Gefäße, regelmäßig eingesetzt, dazwischen Kohle und
Tierknochen, offenbar eingeschwemmt.
Ul in a. D. Anläßlich der Aushebung einer Wasserleitung durch den
Bockgassendurchbruch und die Basteistraße stieß man in der Bockgasse
auf Tonscherben, Glasgefäßreste, Tierknochen und eine ganz erhaltene
Tonurne. B. KapFF schreibt darüber im Merkur (11. März 1911, No. 117):
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