Gerhard, Eduard
Auserlesene Griechische Vasenbilder, hauptsächlich Etruskischen Fundorts (Band 1): Götterbilder — Berlin, 1840

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TAFEL I ~ IV

ATHENENS GEBURT.

JLPie Vasengemälde, deren überschwenglichen Vorrath wir in einer Aus-
wahl vorzüglicher Denkmäler anschaulicher zu machen gedenken, pflegen in
ihrem sagen- und ideenreichen Bilderkreis die mannigfachsten Erscheinun-
gen griechischen Altagslebens mit den gefeiertsten Erinnerungen vaterlän-
discher Heldengröfse, und wiederum die Heldensagen Griechenlands mit
den erhabensten Sagen und Gestalten der ihnen verwandten Götterwelt zu
verknüpfen. Pallas Athenen als höchsten Inbegriff leiblicher und geistiger
Kraft vor andern Göttern zu verherrlichen, lag den Bildnern jener vorzugs-
weise zum Preis jugendlichen Wetteifers bestimmten Gefäfse am nächsten.
Der Götter Kämpfe gegen die Giganten wurden, nicht minder als der Sterb-
lichen Kriege, von der tritonischen Göttin gelenkt und finden sich auf
griechischen Kunstwerken jeder Gattung dargestellt; es konnte nicht feh-
len, dafs auch der eigenste Sagenkreis eben dieser Göttin, hauptsächlich
ihre bedeutungsvolle Geburt, den Bildnern des griechischen Alterthums
ein beliebter Gegenstand war. Mit billiger Auslassung des mythologischen
Philosophems, welches die uranfängliche Weisheit, Metis, von Zeus dem
Beherrscher des Weltalls verschlungen wufste (x), hielten jene Bildner
sich, wie bei andern der Darstellung widerstrebenden Göttersagen, nur
an den Erfolg, an die wunderthätige Geburt der aus dem Haupte des Zeus
entsprungenen, mit der Herrschergewalt des Vaters wie mit der Weisheit
ihrer vernichteten Mutter begabten Göttin, der sofort bei ihrer ersten Er-
scheinung eine jubelnd versammelte Götterschaar zum gröbsten Vortheil des
Bildners sich beigesellte.

(1) Hesiod. Theog. 890 ff. Chrysipp. ap. Galen. Ruhnken. Epist crit p. 184 s.). Apollod. I, 3. 6 ib.

de Hippocr. et Plat. dogm. III, p, 273. (Cf. Heyne.

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