Gerhard, Eduard
Auserlesene Griechische Vasenbilder, hauptsächlich Etruskischen Fundorts (Band 1): Götterbilder — Berlin, 1840

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BACCHISCHE GÖTTERVEREINE.

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logie nur nebenher, die früheste Religion Attika’s vermuthlich nur in be-
scheidener Geltung kannte (*),

Auf Gefäfsmalereien, deren altattische Zeit und Kunst durch ihren
etruskischen Fundort nur bestätigt wird, kommt der häufigen Erscheinung
bacchischer Darstellungen ein historisches Verhältnifs, wie es aus Grofs-
griechenlands Bacchusdienst die Mehrzahl dortiger Vasenbilder erklärt, eben
so wenig zu Hülfe. Es ist aber nicht nur die Ausdehnung bacchischer
Darstellungen, welche auf solchen Werken altattischer Art, namentlich in
den Vasen archaischen Styls, uns befremdet; mehr als jene Ausdehnung,
mehr selbst als des Dionysos Gemeinschaft mit Apoll und Athene, mehr
überhaupt als die Gestalten, die wir auf jenen Bildern erblicken, bleibt ihr
Verhältnifs zu den Göttergestalten uns räthselhaft, die wir in demselben
Ideen- und Bilderkreis vergeblich suchen. Den cerealischen Dienst, des-
sen Verbindung mit dem bacchischen so vorzugsweise bekannt ist, finden
wir nur in einer Reihe populärer Triptolemosbilder (XL—XLVIII) be-
zeugt, im geräumigen Umfang bacchischer Darstellung aber kaum irgendwo
mit Entschiedenheit angedeutet; ja, als sei die homerische Götterdynastie
einer neuen gewichen, sind Göttergestalten ersten Ranges, Zeus, Here und
Aphrodite, vom Personal unsrer Göttervereine ausgeschlossen. Nicht als
wären diese Götter den Bildnern derselben unbekannt gewesen—, im Pa-
risurtheil und sonstigen Mythen haben sie ihren üblichen Platz — ; wohl
aber weist alles darauf hin, dafs die Verschmelzung von Zeus und Diony-
sos (1 2), von Dionysos und Helios (3), von Here, Aphrodite und Kora (4)
in Eine Person, wie alte und neue Symboliker sie lehrten, bereits den Büd-
nern unsrer Gefäfse bei hieratischem Anlafs geläufig war.

Nach dem gewöhnlichen Standpunkt mythologischer Forschung fällt
jene Gleichsetzung verschiedener Gottheiten allerdings den Sjunbolikern zur
Last; aber auch aufserhalb orphischer Schulen kannten ältere Religionen
und Kunstwerke Griechenlands ein allgewaltiges Götterpaar (5), einen ge-

(1) Welcker Nachtrag' zur Aesch. Trilogie
S. 197 ff.

(2) Orphisch: EU Ztiiq, ek’A'tJrjq, iU Alho;,
sU Aiovvooq. Vgl. Creuzer Symbolik III. S.382IT.

(3) “Hhov, ov Aiövvoov hly.Xr^aiv y.uXi'ovaiv. Vgl.

Macrob. Sat. I, 18. Lobeck Aglaoph. I. p.497 IT.
Creuzer Symb. III. S.89If.

(4) Creuzer Symb. II. S. 578 ff. IV. S. 92 ff.
S. 161 ff.

(5) So in Dodona. Vgl. meine Antiken Bild-
Averke Taf.I. Prodromus S.3fF.

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