Götz, Rolf
Die Sibylle von der Teck: die Sage und ihre Wurzeln im Sibyllenmythos — Kirchheim unter Teck, 1999

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2. TEIL: ERKLARUNGS- UND DEUTUNGSVERSUCHE
NEUE ERKENNTNISSE ZUR HÖHLE UND ZUR SIBYLLENSPUR

Die Höhle in modernen Beschreibungen

Die vom „Verband der Deutschen Höhlen- und
Karstforscher e.V." herausgegebenen „Jahreshefte
für Karst- und Höhlenkunde" von 1963/Heft 4
waren dem Thema „Vom Wasser und von den Höh-
len der mittleren Schwäbischen Alb (östlicher Teil)"
gewidmet. Der aus Hepsisau stammende Lehrer
Manfred Keller verfaßte folgende Beschreibungen
der Sibyllenhöhle sowie der 1937 entdeckten
Sibyllen-Gegenhöhle und zeichnete einen Höhlen-
plan78:

Sibyllenhöhle:

Unmittelbar unter dem Teckturm öffnet sich das weithin
sichtbare Portal in südlicher Richtung. Die direkt am
Steilabsturz des Teckberges befindliche Lage des Eingangs
hat bewirkt, daß die Abblätterungstrümmer der Höhlen-
öffnung den Eingang nicht verbaut haben; sie sind sämt-
liche in die Tiefe gestürzt, und so konnte der große und
hohe Eingang entstehen. Man kann die Sibyllenhöhle in
zwei Abschnitte unterteilen, in eine „Vorhalle" und in
eine „hintere Höhle". Der Zugang am hinteren Teil ist
eng, und zweifellos war zur aktiven Zeit auch der vor-
dere Teil nicht geräumiger. Durch Trostabblätterung und
andere Einflüsse aber hat die „Vorhalle" das heutige Aus-
maß erhalten. Die eigentliche Höhle, die „hintere Höh-
le", ist völlig schmucklos. Eine Querstörung kreuzt den
bis zu 5 m breiten und 3,3 m hohen Raum in 78°. Kurz
vor dem Ende steigt der Boden stark an, er wird lehmig
und führt in einen steil nach oben verlaufenden Gang,
der in den Burghof führen soll. Der Gang ist mit mittel-
alterlichem Bauschutt verstopft.

7S Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde 1963/Heft 4, S. 168 f.
Die Höhlenpläne in der Beilage Nr. 6.

2976 und 1978 wurde die Sibyllenhöhle durch die
Höhlenforschungsgruppe Kirchheim neu vermessen. Nach
Meinung der Höhlenforscher hingen beide Höhlen ursprüng-
lich zusammen, da es sich um die Reste eine ehemaligen Fluß-
höhle handele. Erst ein Versturz (Länge etwa 7 m) habe die
Höhlen voneinander getrennt.

Aus: Blätter des Schwäbischen Albvereins 1979,Heft 1, S. 15

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