Goldschmidt, Adolph
Die Elfenbeinskulpturen aus der Zeit der karolingischen und sächsischen Kaiser, VIII. - XI. Jahrhundert (Band 1) — Berlin, 1914

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GOLDSCHMIDT

190. PLATTE. TAFEL LXXXVII
Drei männliche Halbfiguren.
VIII. Jahrhundert^?). Trier.
Trier, Domschatz.
Höhe 4i3 cm, Breite 8 cm. Knochen.

Sehr abgenutzt, einige Ecken verletzt, auf dem Rand rechts drei gleichmäßig
verteilte Bohrlöcher, links unregelmäßig zwei größere. Das Stück hat mög-
licherweise als Spange eines geistlichen Gewandstückes gedient.

Der Rand ist nur mit kleinen Kreisen und Punkten geschmückt,
das etwas tiefer liegende Mittelfeld zeigt nebeneinander in roher,

fast nur eingeritzter Zeichnung drei Halbfiguren von Geistlichen,
wie es scheint, mit der Bischofskasel bekleidet, ein Buch in der
Hand, das mit einem Kreuz bezeichnet ist. Die freien Zwischen-
räume des Grundes sind ebenfalls mit Kreuzen besetzt. Möglicher-
weise handelt es sich um die drei ersten Trierer Bischöfe, S. Maxi-
minus, S. Agritius und S. Nieetius, die in der Abtei S. Maximin
begraben waren.

Literatur: Ausstellung der kunstgewerblichen Altertümer in Düsseldorf 1880,
Nr. 1029.

NACHWORT

Betreffs der Elfenbeinplatten Nr. i/yi, lfa, ifö (Taf. LX) und Nr. i44, 145, i/±6 (Taf.LXl) möchte ich auf die Bedenken an der Echt-
heit derselben hinweisen, die mir wiederholt bei ihrem Studium aufgestiegen sind. Es finden sich so mancherlei Motive in der Ge-
wandung und den Köpfen, die an die Formen der Gothik erinnern, so manche Auffälligkeiten in den Gesten und in der Art des Reliefs,
daß man sich die Frage vorlegen mußte, ob es sich etwa um Imitationen aus gothischer Zeit oder um Fälschungen aus der Zeit gegen
1800 — denn bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts lassen sich einige Stücke zurückverfolgen — handelt. Das Aussehen des Materials,
die Glaubwürdigkeit der meisten Ornamente und die Unwahrscheinlichkeit eines so komplizierten Falles haben bei den meisten dieser
Stücke jene Bedenken so weit zurückgedrängt, daß ich glaubte, sie als echte aufnehmen zu können, immerhin möchte ich nicht unter-
lassen, auf diese Erwägungen aufmerksam zu machen.
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