Günther, Hubertus
Das Studium der antiken Architektur in den Zeichnungen der Hochrenaissance — Tübingen, 1988

Seite: 139
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IV. Gian Cristoforo Romano

Seine Lebensdaten und Bildung (139) ■ Kopien nach seinen Antikenstudien (142) • Spätere Verbindung mit den Antikenstudien des
Riniero da Pisa (146) • Entwürfe für Grabmäler (147) • Theoretische Studien (147) ■ Datierung der Studien (153) • Historische Stellung
(154) • Verbindung von grafischer und schriftlicher Demonstration (155) • Architekten des 15. Jahrhunderts im Umgang mit theoreti-
schen lateinischen Abhandlungen (156) • Mittler zwischen Architekten und Humanisten (160) ■ Verbreitung von Architekturtheorie
durch Peruzzi und Serlio (164).

Gian Cristoforo Romano hat seine Laufbahn in Rom
begonnen und in Mittelitalien beendet1. Er trat schließlich
in den römischen Umkreis Bramantes ein. Aber der Höhe-
punkt seines künstlerischen Wirkens lag in Norditalien.
Der Schrein des Gian Galeazzo Visconti in der Certosa
di Pavia (Abb. 1) und das zerstörte Grabmonument der
Seligen Osianna Andreasi in Mantua, das durch einen
Stich überliefert ist, bilden neben einigen Bildnisbüsten
und anderen Werken seine bedeutendsten Arbeiten. Ihr
Klassizismus verleiht der lombardischen Plastik eine neue
Richtung. G. P. Lomazzo rühmt Gian Cristoforo Romano
zusammen mit Tullio Lombardo und Agostino Busti als
Begründer der lombardischen Renaissance-Plastik2.

Das Geburtsdatum des Gian Cristoforo Romano ist
nicht überliefert, aber es läßt sich um 1460 ansetzen:
sein Vater ist 1464 oder wenig später gestorben. Gian
Cristoforo berichtet, daß er in seiner Jugend, als „putto",
den Verkauf von Antiken an Lorenzo il Magnifico und
den Kardinal von Aragon verhindert habe, also an Gio-
vanni von Aragon, der 1485 gestorben ist3. 1491 begehrte
Isabelle d'Este mit einiger Heftigkeit ein Portrait von
seiner Hand4; er hatte sich damals also schon einiges

1 Fabriczy 1888. Venturi 1888. Brown 1973, 153-158. Norris 1977,
4-53.

2 „Alzar Tullio Lombardo e Agostin Busti/ con Giovanni e Cristo-
foro Romano/ la pittura a tal colmo entro Milano/ che poi diede
di se mirabel gusto". G.P. Lomazzo, Rime. Mailand 1587, 19. Vgl.
Vitruv 1521, 68 v; Pope-Hennessy 1958, 97 s.

3 Brief vom 1. XII. 1505 an Isabella d'Este. Mantua, Arch. Gonzaga,
Busta 856. Venturi 1888, 148 Anm. 1.

4 Brief der Isabella d'Este an Ludovico il Moro und Beatrice d'Este
vom 22. VI. 1491, und des Gian Cristoforo Romano an Isabella
d'Este vom 1. VII. 1491. Mantua, Arch. Gonzaga, Copialettere di
Isabella d'Este, lib. 1, und Busta 1630, 29 r. Venturi 1888, 50
Anm. 2, 52 Anm. 1.

/. Gian Cristoforo Romano, Grabmal des Gian Galea^p Visconti. Certosa di
Pavia
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