Historisch-Philosophischer Verein <Heidelberg> [Editor]
Neue Heidelberger Jahrbücher — 6.1896

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Ch. Hülsen, Caecilia Metella

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hat Henzen (CIL YI 1274) angenommen; zweifelnd verhalten sich Ritschl
(plme zu tab. LXXXIYD) und H. Dessau in seiner trefflichen neuen
Inschriftensammlung (Inscriptiones latinae selectae, Berolini 1892), wo
er zu dem Epitaph der Metella (n. 881) bemerkt: filia Q. Caecilii Metelli
Cretici consulis a. 685; maritus Crassus ignotus est.

Die Inschrift mit ihren lakonischen drei Zeilen giebt allerdings
keinen direkten Anhalt zu entscheiden, welcher von den zahlreichen
Cretici und Crassi aus dem ersten Jahrhundert vor oder nach unserer
Zeitrechnung gemeint sei, wohl aber hilft hier die Betrachtung des figür-
lichen Schmuckes des Grabmals weiter. So unglaublich es nämlich
klingen mag, der am meisten charakteristische und historisch interessan-
teste Teil dieses Beliefschmucks, der seit undenklichen Zeiten vor den
Augen aller Beschauer lag, ist erst jüngst in getreuer Wiedergabe be-
kannt gemacht worden.

Der mit Bukranien und Festons geschmückte Fries (nahezu 20 m
über dem jetzigen Pflaster), welchem der Bau seinen populären Namen
Capo di Bove verdankt, ist in der Mitte der Front, oberhalb der In-
schrifttafel unterbrochen, um Raum für einige figürliche Darstellungen
zu geben. Von der Figurengruppe, die das Centrum bildete, sind nur
dürftige Reste vorhanden, welche jede Deutung ausschliessen (s. Fig. 1
auf S. 52); wohl erhalten dagegen ist, an der linken Seite derselben, ein
Tropaeum, dem rechts ein gleiches entsprochen haben muss. Das Tropaeum
zeigt die übliche Anordnung: an einem Baume mit Querholz ist zwischen
zwei Schilden ein kurzes, am unteren Rande mit Fransen geschmücktes
Kriegsgewand aufgehängt. Die Spitze des Baumes trägt einen Helm, am
Fusse desselben liegt, nach links gewendet, ein Gefangener mit auf dem
Rücken gefesselten Händen. Dass die Darstellung sich auf kriegerische
Thaten eines Verwandten der Metella, wahrscheinlich ihres Gatten, bezieht,
liegt auf der Hand. Aber die bisher beschriebenen Teile der Darstellung
sind zu wenig charakteristisch, um eine bestimmte historische Deutung zu
ermöglichen. Das entscheidende Detail, die Embleme der beiden Schilde
war bisher nirgends richtig wieder gegeben. Selbst der scharfblickende
G. B. Piranesi, dem wir die beste Abbildung des Denkmals verdanken

glieder der letzteren vier gentes, die diesen Beiuamen führen, gehören alle in’s vierte
oder fünfte Jahrhundert der Stadt, mit einziger Ausnahme des Consul (suffectus) P.
Canidius Crassus 42 v. Chr. Dass aber ein Angehöriger dieses obscuren Geschlechtes
einfach als Crassus bezeichnet sei, während in der Epoche, in die wir die Inschrift
ohne Zweifel setzen müssen, das Cognomen in der Aristokratie nur bei den Liciniern
(bei diesen aber auch häufig) vorkommt, wird man sehr unwahrscheinlich finden.

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