Historisch-Philosophischer Verein <Heidelberg> [Editor]
Neue Heidelberger Jahrbücher — 6.1896

Page: 50
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdjb1896/0060
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Caecilia Metella.

Von

Ch. Hülsen.

Jeder Besucher Borns kennt das mächtige Bundgrab an der Via
Appia jenseit San Sebastiano mit der lakonischen Inschrift: caeciliae
q • ceetici • ~Eiliae j metellae • ceassi. Unzählige Male ist es gemalt,
gestochen, von Architekten aufgenommen und von Archäologen beschrieben
worden; seit dem Beginn der Forschung über römisches Altertum hat
man sich dafür interessiert, wer die Frau gewesen, der dies grossartige
Monument gewidmet ist. Die Archäologen des 15. Jahrhunderts waren
schnell mit der Antwort bei der Hand: Metella musste die Gattin Crassus
des Triumvirn gewesen sein, dessen fabelhaftem Beichtum einzig ein
solches Denkmal entsprechend schien. Diese Meinung hat sich Jahr-
hunderte lang gehalten, sie findet sich in unzähligen populären und
wissenschaftlichen Büchern; erst in neuerer Zeit ist sie mit gewichtigen
Gründen bekämpft worden. Drumann ’) zuerst hat kurz und schlagend
nachgewiesen, dass Metella unmöglich die Gattin des Triumvirn gewesen
sein könne: er lässt die Möglichkeit offen, dass sie die Gemahlin des
ältesten Sohnes des Crassus, Marcus1 2), gewesen sei, oder dass ihr Gatte
überhaupt gar nicht der Gens Licinia angehört habe, da auch andere
Geschlechter den Beinamen Crassus führten3). Drumanns Ansetznng

1) Rom. Gesch. 2, 55: „(Crassus, der Triumvir) war nur einmal verheiratet, mit
Tertulla, der Mutter seiner Kinder. ., Sie lebte noch, als er gegen die Parther zog.
Seine Söhne waren schon damals erwachsen; wäre also Caecilia seine erste Ge-
mahlin gewesen, so fiele ihre Heirat in Zeiten, wo eine Tochter des Metellus Creticus
noch nicht mannbar sein konnte. Seine beiden Brüder verheirateten sich noch bei
Lebzeiten der Eltern: aus demselben Grunde darf man daher an sie nicht denken.“

2) Die Gemahlin des jüngeren Sohnes Publius war Cornelia, Tochter des Q.
Metellus Scipio, Consul 52, und nach dem Tode des Crassus mit dem Triumvir
Pompeius verheiratet (Drumann 4, 117).

3) xillerdings kamen in der Consularliste Crassi vor ausser bei den Liciniern
noch bei den Canidii Claudii Otacilii Papirii Veturii (CIL. I2 p. 354); aber die Mit-
loading ...