Hyrtl, Joseph
Die alten deutschen Kunstworte der Anatomie: mit Synonymen-Register und alphabetischem Index — Wien, 1884

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Büschlin.

als Zahnfleisch, Gingiva, welches im barbarischen Mönchslatein
Ginguina geschrieben wurde. Zur Erklärung derselben gibt
Gr äff's Althochdeutscher Sprachschatz, Bd. III, pag. 102, den er-
wünschten Anhaltspunkt. Zum ersten Male traf ich die Büler
im Vocabularius anat. von Meister Hans. Die älteste Form
bilorna wurde uns von Rabanus Maurus bewahrt. Die
Glossarien enthalten noch tantvleisch, zand-fleisc und
zanfleisch, aber auch bildern, bilarn, bilarna, pilarna,
zanbilger, zänbüler1) und bellerchen, deren Nachkommen
die Büler sind. In Wirsung's Artzneybuch, pag. 184, werden
sie zu Zahnbüchlern.2) Man denkt dabei an Bühel und
Beule, da das Zahnfleisch so viele Erhabenheiten zeigt, als
Zahnwurzeln in den Kiefern stecken. Ein Uebergang von diesen
Worten zu Büler lässt sich aber nicht nachweisen. Ich habe
nur noch zu bemerken, dass unter dem niederen Volk in
Oesterreich, ein landesüblicher Ausdruck für das Zahnen der
Kinder gehört wird, als Einschiessen der Billen.

Büsdilin.

Des Haarwuchses auf dem Schamberg wird schon in
einem Vocabular aus dem 15. Jahrhundert als Schamhaar,
Weibsbart und Oberschaam gedacht. Das Schambüschlin,
welches in anatomischen Schriften wuchs, scheint sehr alt zu
sein, da es schon in einem längst verklungenen Volkslied,
dessen Dichter die geheimen Schönheiten seines Liebchens
aufzählt, am Schluss sich eingefunden hat. Der erbauliche
Schluss lautet:

') Auch als Biller und BiMer, wie im Spiegel der Anat.,
pag. 145.

2) Alle diese Worte finden sich auch für Kiefer gebraucht, wie
z. B. im Artzneybuch, l. c, und in Brack's Vocabularius rerum,
1487, wo Byler zu lesen.
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