Hyrtl, Joseph
Die alten deutschen Kunstworte der Anatomie: mit Synonymen-Register und alphabetischem Index — Wien, 1884

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Futteralträger. Gäbelin und Gaffeln,

oft mit einander. — Der Plattfuss der Thiere heisst im deut-
schen Volcherus Coiter: Tappen, pag. 246.

Futteralträger.

Noch komischer als der bereits erwähnte Briefträger
nimmt sich der Futteral träger für Musculus subscapularis im
deutschen Falfyn aus. ') Das Futteral, aus dem mittellateini-
schen foderellus hervorgegangen, ist ein fester Ueberzug der ver-
schiedensten Gegenstände, und kann somit sehr verschiedene
Form und Grösse haben, so dass es nicht immer unter dem
Arm getragen werden kann.

GräTbelin und Graffeln.

Die Uebersetzer des Avicenna schufen sich für Schlüssel-
bein das Wort Furcale. Durch lange Zeit vertrat dasselbe die
lateinische Clavicula, und fand auch in den romanischen Sprachen
Aufnahme (fourcette und-fourchette). Einen Knochen von der
Gestalt des Schlüsselbeins kann aber die kühnste Phantasie
nicht mit einer Gabel vergleichen. Furcale, Furcula und Furca
beziehen sich vielmehr auf beide Schlüsselbeine zusammen, in
welchen man eine Aehnlichkeit mit dem Gabelknochen der
Vögel herausfinden wollte. So hat denn auch der ehrliche
Schylhans die Furcula des Cauliacus mit Gäbelin über-
setzt, fol. VIII, a. Er Hess sein Gäbelin zwei Aeste (Federen)
haben: „bie ein 90t 5U ber einen acbfjelen (i. e. Schulter), bie
anber 3U ber anbeten", wie es mit dem Gabelbein der Vögel
der Fall ist. Sonst finde ich das Gäbelin nur einmal noch
als Gaffeln im Naturbuch. Gäbelin mahnt an das mittel-
lateinische gabalus. Gaffeln dagegen ist urdeutsch vom angel-
sächsischen gaffe = furca, im Dänischen und Schwedischen
gaffel. Dem Muralt eigen ist der Name Steur-Ruder für
Schlüsselbein.2)

') Chirurgische Anat., 1. Theil, pag. 276.
2) CoUegium anat., pag. 10.
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