Hyrtl, Joseph
Die alten deutschen Kunstworte der Anatomie: mit Synonymen-Register und alphabetischem Index — Wien, 1884

Page: 148
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148 Taschenmäuslein. Thränenfleischwärzlein. Trosselbain.

(alt Try echter, Tröchter, Tracht er, wienerisch Tracht er)
zum Gehirnanhang, Hypophysis, und von diesem durch nicht exi-
stirende Gänge, welche selbst Vesalius abbildete, in den Rachen,
als Schleim. Da der Schleim nicht stinkt, und im Trichter nicht
stagnirt, kann auch der Trichter, durch welchen er passirt,
nicht Sümpflin genannt werden, wie es von Ryff, fol. LXI, a,
und Anderen geschah. Der alte Name Lacuna, welchen der
Trichter bei den Arabisten führte, lässt die Verdeutschung als
Sümpflin nicht zu, denn die Lacuna war bei den Römern ein
Loch am Boden eines Kalkofens, durch welches die Asche
herausgenommen wurde. Meister Hans kennt den Trichter
blos als: „(Drt bct mittelen cellen bcs fyyms", ohne nähere Be-
stimmung. In N i c. F r i s c h 1 i n's Nomenclatura trilinguis, Francof.,
1603, gelangte das bessere Gosse (von giessen) an die Stelle
von Pfützlin für Infundibulum. Das „Bccfin, tüelcfycs bcn Hots
bes gehyrns empfahet", hat der deutsche Vesal zu verantworten,
fol. LXXV, b.

Taschenmäuslein.

Im deutschen Th. Bartholinus, pag. 643, und anderen
Schriften derselben Zeit = Obturator internus, welcher in
Willi. Cowper's Myotomia reformata, Cap. 32, Musculus marsu-
pialis und bursalis heisst, weil seine Sehne, nach ihrem Hervor-
tritt aus dem kleinen Hüftloch, vom Fleisch der beiden Gemelli
so umhüllt wird, dass sie wie in einer fleischigen Tasche zu
stecken scheint.

Thränenfleischwärzlein.

Schulgerechte, aber unbequeme Uebersetzung der Carun-
Gula lacrymalis im Th. Bartholinus, pag. 554.

Trosselbain.

Im deutschen Vesal, fol. II, a, = Schlüsselbein, als
richtige Uebersetzung des Os juguli, wie Celsus diesen Knochen
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