Hyrtl, Joseph
Die alten deutschen Kunstworte der Anatomie: mit Synonymen-Register und alphabetischem Index — Wien, 1884

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(»hrläpplin des Herzens. Oren-blättehen. Packdarm.

Bauches. Sie stammen von y.svic, leer. Zwischen dem unteren
harten Rande des Thorax und dem knochenstarren Becken ge-
legen, fühlen sich die ttevewva weich an, und fallen bei leerem
Unterleib ein, — desident inanes, Galen. Deshalb sind sie
ihres griechischen Namens wohl werth. Unseren Vorfahren
dünkte nun Oede besser als Leere, obwohl nicht alles Leere
auch öde ist. Und so erhielt die anatomische Sprache ein un-
geschicktes Wort mehr, welches zum Glück das 16. Jahrhundert
nicht überdauerte. Der dem Uebersetzer von Winslow's Ex-
position anatomique, und dem Kulmus ') eigene Ausdruck
Dünnungen für Hypochondrien, ist ganz sinnlos, da eine
leere Rippenweiche nicht dünn wird, auch ihre Hautbedeckung
nicht dünner ist, als jene des übrigen Unterleibes. Gleich-
bedeutend mit y.evswva sind die Xomapa, häufig in der Iliade, und
die Xa-fove«; des Aristoteles. Von den ersteren haben wir einen
Nachlass in der Laparotomie (Bauchschnitt), und von y.evoc
die Keneangie = Gefässleere wegen Blutmangel.

Ohrläpplin des Herzens.

Ohrläpplin des Herzens = Auriculae cordis im deut-
schen Vesal, fol. LXVIII, a. Im Pare: Zippfelin.

Oren-Mättchen und Oren-l'el.

In nichtanatomischen Schriften für Membrana tymjpani.
Alte Anatomen nennen das Trommelfell hin und wieder Me-
ringe, nach der Meringa der Latino-Barbari. Meringa ist eine
zur völligen Unkenntlichkeit verbildete Meninx (Haut).

Packdarm und Quaytdarm.

Richtig Backdarm im Niedersächsischen für Mastdarm,
von back, hinten, also der Darm zum Hinteren. Ein sehr
altes aber vergessenes Wort. Es kommt schon im Angel-

') Anatomische Tafeln, 175.9, Tab. II, g.
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