Hyrtl, Joseph
Die alten deutschen Kunstworte der Anatomie: mit Synonymen-Register und alphabetischem Index — Wien, 1884

Page: 101
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Kuttler. Laerdarm. Lang-ran-darm.

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des C. Varolius. Varolius liess nämlich die Prostata sich
an der Samenabsonderung betheiligen, welche Vorstellung noch
im vorigen Jahrhundert nicht ganz aufgegeben war '). Der
längst vergessene Name Prostata wurde durch Morgagni
wieder in Circulation gesetzt, und verdrängte auch im Deut-
schen die etwas lange Vorsteherdrüse.

Kuttler.

Kuttler ist, wie Budler im Vocabularius Brackii, 1495,
ein gänzlich veralteter Ausdruck für Intestinum colon. Durch
ganz Deutschland kennt der gemeine Mann die Kutteln2)
als den Darm unserer Schlachtthiere, welcher, wenn er sammt
dem Magen in kleine Stücke zum Kochen geschnitten wird,
die sogenannten Kuttelfleck giebt, bei den Wienern schlecht-
weg Fleck; auch Gsch-nattel (Geschnittenes). Das Colon,
als die voluminöseste Darmpartie, wurde des Vorzugs gewür-
digt, den Namen der Gesammtheit zu tragen, welcher es an-
gehört. Das englische gut scheint ein weitschichtiger Ver-
wandter des deutschen cuddel zu sein. — In die Anatomie
hat der Kuttler sich nie einnisten können. Nur der Spiegel
der Anat., pag. 172, zeigt einen Kutteidarm = Jejunum.

Laerdarm.

Im Meister Hans für Intestinum jejunum. Das Wort ver-
blieb als Leer dar m bis auf den heutigen Tag.

Lang-ran-darm.

Unter den vielen Benennungen des Dünndarms zählt diese
zu den ältesten. Das lang gehört den Arabisten, welche das

') Leber, Vorlesungen, pag. 358, behandelt noch die Prostata als
Samendrüse.

2) Althochdeutsch Cudel und Cuddel = Darm, Graft, IV,
pag. 366.
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