Hyrtl, Joseph
Die alten deutschen Kunstworte der Anatomie: mit Synonymen-Register und alphabetischem Index — Wien, 1884

Page: 132
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132 Rugbein. Ruhbettlin. Ruispelhäär. Runnader. Sackdarm.

Rügbein und Rugbein spitz.

Das Rugbein, auch Ruckbein (Rückenbein) der Glos-
sarien entspricht theils unseren Wirbeln, vorzüglich aber, im
collectiven Sinne, der Gesamnitheit der Wirbel, als Rückgrat.
Der Name Grath taucht im 17. Jahrhundert auf, früher wurde
Grot geschrieben (Vocabularius anat. von Meister Hans). Mit
dem Rugbeinspitz im Vocabularius optimus ist die Spina dorsi
gemeint, als Folge der Dornfortsatzspitzen der Wirbel. Besser
würde dieser Name auf das Steissbein passen, als zugespitztes
Ende der Wirbelsäule. Die Ruckpfeiffe im Hadrianus Ju-
nius kann nur die hohle Wirbelsäule sein, welche bei den
Mundinisten Fistida sacra und Fistula longa hiess.

Ruhbettlin.

Das schwammige und weiche Wesen des Mutterkuchens,
schien dem Uebersetzer des Pare ganz geeignet, ihm die Ver-
wendung zuzumuthen, welche dieses Wort ausdrückt. Nach-
bälglin heisst der Mutterkuchen zugleich mit den Eihäuten
im deutschen R. Columbus.

y Ruispelhaar.

Alter Name für Schamhaare, ihrer krausen Beschaffenheit
wegen. Kommt von rispen, crispare.

Runnader und Runstader.

Alter Venenname aus einem Glossar des 15. Jahrhunderts
(Dieffenbach, pag. 609, bei Vena), vom ruhigen Fliessen
(Rinnen) des Blutes in den Venen. Im Naturbuch wird er zur
Runstader, von runst = Rinsal, woher blutrünstig.

Sackdarm.

Die Arabisten nannten den Blinddarm, als den weitesten
Abschnitt des dicken Gedärmes, Saccus intestini. crassi. Vesal
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