Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 15.1894

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UNVERÖFFENTLICHTE GEMÄLDE AUS DER AMBRASERSAMMLUNG.

Von

Theodor von Frimmel.

Bildniss des Kaisers Maximilian I. von Ambrogio de Predis.

as Antlitz Kaisers Maximilian des Ersten ist überaus oft von Künstlerhand dar-
gestellt worden. Dürer, Lucas von Leyden kommen sofort Jedem in den Sinn,
der an Bildnisse des kunstliebenden Herrschers denkt. Bernhard Striegl's Maxi-
milian, die Bildnisse auf Münzen, Medaillen und die in den zahlreichen illustrirten
Büchern, welche von demselben Kaiser handeln, tragen ebenfalls dazu bei, uns seine
Züge recht anschaulich zu machen. In jüngster Zeit hat auch jener Bildnisstypus
Beachtung gefunden, der hier behandelt werden soll. Hauptsächlich waren es die
Mittheilungen Morelli-Lermolieff's über den Urheber dieses Typus, über den Mailänder Maler Am-
brogio de Predis, und die kleine Abbildung, die in Morelli's »Kunstkritischen Studien über italienische
Malerei« zu finden ist, welche in weiten Kreisen auf dieses Bildniss des Kaisers aufmerksam machten.
Ganz neuerlich haben auch die »Kunstgeschichtlichen Charakterbilder aus Oesterreich-Ungarn« eine
kleine Nachbildung desselben Porträts gebracht.1 Das Bild ist das einzige bisher bekannt gewordene
Tafelgemälde des Ambrogio de Predis, das dessen Künstlerinschrift trägt; es ist dasjenige, durch welches
man erst auf den Namen des Künstlers aufmerksam wurde. Bei Nagler in den Monogrammisten (I, S. 414,
Nr. 949) ist die Künstlerinschrift zwar wiedergegeben, doch blieb der Name dort ungelesen. Auch
bei Primisser, Sacken, Waagen, Crowe und Cavalcaselle sowie im Repertorium für Kunstwissenschaft3
würde man vergebens eine richtige Lesung suchen. Erst Morelli sprach in seinem Buche über die italie-
nischen Bilder in München, Dresden und Berlin3 den Namen des Malers vollständig aus und gab in
einer langen Anmerkung eine Zusammenstellung aller Werke, die er damals dem Ambrogio de Predis
zuschrieb. Ungefähr zehn Jahre später erschien dieselbe Arbeit Lermolieff's in erweiterter Form und
unter anderem Titel als «Kunstkritische Studien über italienische Malerei«, worin denn auch der
Abschnitt über Ambrogio de Predis in breiterer Anlage wiederkehrt. Schon Eingangs wurde dieses
Buch genannt, dem eine undeutliche Abbildung nach einer alten Photographie beigegeben ist.* Am-
brogio's Bild ist auch sonst in neuerer Zeit öfter erwähnt worden, so in Frizzoni's Ausgabe der »Notizia
d'opere di disegno« des Anonimo Morelliano,5 in Seemann-Lützow's »Kunstchronik«,6 im »Jahrbuch

1 Herausgegeben von A. Dg, im Capitcl: »Die Renaissance« von Dr. Heinrich Zimmermann.

2 Primisser, Die k. k. Ambrasersammlung,. S. 94. — Ed. v. Sacken, Die k. k. Ambrasersammlung, II, S. 14, Nr. 53. —
Waagen, Die vornehmsten Kunstdenkmäler von Wien, II, S. 328, Nr. 53. — Crowe und Cavalcaselle, A history of painting
in North Italy, II, 50 und in der »Geschichte der italienischen Malerei« (deutsch von Jordan), VI, S. 51 und »Repertorium
für Kunstwissenschaft«, III, S. igt.

3 Vgl. »Die Werke italienischer Meister in den Galerien von München, Dresden und Berlin«, Leipzig 1886, S. 456.

4 Das Erscheinen der Photographie wird angezeigt im »Repertorium für Kunstwissenschaft«, III, S. 191.
-s Bologna 1884, S. 166.

11 Jahrgang XXIV, Nr. 36, Sp. 565; vgl. auch XVI, Sp. 564 Frizzoni's Artikel: »Die Kunst der Renaissance auf der
italienischen Nationalausstcllung in Mailand.«
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