Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 15.1894

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Dr. Friedrich Kenner.

blos die meisten pfälzischen und bayrischen sondern auch jene von Baden und eine grössere
Anzahl von Bildnissen solcher Persönlichkeiten aus München bezogen,1 die mit dem dortigen Hofe
in Berührung standen. Bei der engen Freundschaft, die ihn mit den Herzogen Albrecht IV. (V.) und
Wilhelm V. verband,2 und bei ihrer doppelten Verschwägerung3 ist es selbstverständlich, dass er sich
schon 1578 an seinen Schwager Albrecht und nach dessen Tode (1579) an seinen Neffen Wilhelm um
Copien aus dem reichen Schatze der herzoglichen Kunstkammer gewendet und solche erhalten hat, die
er dann nach Gelegenheit bis in die späteren Jahre ergänzte. 4

Die zweite grössere Reihe, jene aus Dresden, umfasst jetzt 48 sächsische Fürstenbildnisse. In
der Einheitlichkeit der Malweise — sie sind alle von derselben Hand gemalt oder doch aus demselben
Atelier hervorgegangen — stehen sie in einem merklichen Gegensatz zu den aus München stammenden,
welch' letztere eine bunte Folge von Originalen verschiedener Meister darstellen. Diese Bemerkung
möge vorläufig genügen, da über die sächsischen Bildnisse an geeigneter Stelle ausführlicher berichtet
werden wird.5 Machen die beiden umfangreichen Erwerbungen aus München und Dresden die eine
grössere Hälfte unserer deutschen Bildnisse aus, so setzt sich die andere aus kleineren Reihen, wie der
hessischen (Nr. 3i — 3g) und hohenemsischen (Nr. n3 —119), sowie aus zahlreichen Einzelerwer-
bungen zusammen. Dem Nachtrage aus dem XVIII. Jahrhunderte gehören die Mehrzahl der branden-
burgischen Bildnisse und zwei von berühmten Männern an.6

Die Meister, welche die Originale schufen, sind heute für etwa hundert unserer kleinen Gemälde
sicher oder doch mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit nachzuweisen; es sind: Christoph Amberger,7
Bartel Beham,8 Meister Caspar,9 G. Cesare Corte,10 Lukas Cranach d. J.," Hans Baidung Grien,12
Holbein d. J.,13 Wilhelm Key,1* Pieter Nason,'5 der Regensburger Meister,16 Hans Schöpfer
d. J.,'7 Van Dyck,'8 Anton Waiss10 und Friedrich Weidemann.20 Ueberdies fällt eine Anzahl von
Bildnissen auf, welche augenscheinlich von demselben schwäbischen Meister gemalt sind und wohl zur
Sendung des Fugger'schen Dieners Christoph Hörmann in Augsburg (1582) gehören.21 Von den als
Copisten verwendeten Malern sind nach der Signirung nur Johann Petrus und Amicus Huaut
(les freres jeunes) sichergestellt;22 eine Reihe hat, wie aus der Art des Künstlers geschlossen werden
kann,23 Anton Waiss nach grösseren Bildern der erzherzoglichen Galerie gemalt; die aus München
stammenden Porträte dürften zum grössten Theile, soweit sie nicht Originale seiner Hand sind, von
dem jüngeren Schöpfer copirt worden sein.

Reichen auch die aufgeführten Meisternamen mitunter schon in die höheren Regionen der Kunst
hinauf, so ist doch der Werth unserer deutschen Bildnisse nicht so sehr in diesem Umstände als viel-
mehr darin zu suchen, dass von dem grösseren Theile derselben die Originale theils zerstört, wie jene
der sächsischen, theils zur Zeit völlig verschollen sind, wie etwa die Hälfte der aus München stammen-

1 Nach den Gemälden, die noch Herzog Wilhelm IV. (f 1550) gesammelt hatte, sind copirt die unten aufgeführten
Numern 5, 6, 7, 17, 18, 19, 28, 29, 88, 127; nach Gemälden der Sammlung des Herzogs Albrecht die Numern II, 98, 99, 107,
124, 125, 126, 129, 133, i34, 150, 151, 158, 162, 166. Nicht im Fickler'schen Inventar genannt aber sehr wahrscheinlich aus
München stammen Nr. 8, 12, 16, 18, 19, 20, 22, 23, 26, 27, 3o, io3, 128, 154—157, 160, 161, 164, 167, 168.

2 Vgl. darüber Josef Hirn, Geschichte des Erzherzogs Ferdinand von Tirol, I, S. 137, Note 1, wo sich auch die
Satzungen des Freundschaftsvertrages zwischen Erzherzog Ferdinand und Herzog Wilhelm finden.

3 Die Schwester des Erzherzogs Ferdinand Anna vermählte sich 1546 mit Herzog Albrecht, des Letzteren Tochter
Maria 1571 mit Erzherzog Karl von Steiermark, jüngerem Bruder Ferdinands.

4 Vgl. Nr. 9, 10, 12, 3o.

5 Unten Einleitung zu Nr. 40—87.

0 Vgl. unten Nr. 89—94, Nr. 148 (Tilly) und 149 (van Dyck).

7 Nr. 17, 20, 108, (129?). 8 Nr. 5, 6, 7, 8, 18, (19?). 9 (Nr. 3i— 3g?). i« Nr. i38, 139.

11 Nr. 40—87. 12 (Nr. 26, 27?) "3 Nr. 105. '4 (Nr. 107?).

"5 Nr. 92. 10 Nr. 124, 125, 127. >7 Nr. II, 22, 23, 28, 29, (109?, HO?), 128, (150:).

18 Nr. 149? !9 Nr. II8. 20 Nr. 93, 94.

21 Nr. 101, 120, 121, i32. Nicht von demselben Maler, wohl aber der Sendung Hörmann's wird Nr. 153 zuzuschreiben
sein. — Vgl. über Letztere Jahrbuch, Bd. XIV (i8g3), S. 46.

22 Nr. 89, 93, 94, vgl. 90, 91, 92.

23 Nr. 95, 100, 102, 104, 106, in, 112, 135, 147, 152, 154—157; 159-
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