Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Hrsg.]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 15.1894

Seite: 392
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JOST DE NEGKER'S
HELLDUNKELBLÄTTER KAISER MAX UND ST. GEORG.

Von

Eduard Chmelarz.

ie Reproduction gerade dieser zwei Blätter im Jahrbuche der kunsthistorischen
Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses ist zunächst schon dadurch gerecht-
fertigt, dass beide von Künstlern stammen, welche fast ausschliesslich in Diensten
des Kaisers Max standen, und dass sich beide auf letzteren beziehen; denn St. Georg
war des letzten Ritters Lieblingsheiliger und erkorner Schutzpatron. Ein zweiter
Grund liegt in der grossen Seltenheit dieser Blätter. Insbesondere galt bisher der
Golddruck (Taf. XXIX) als Unicum; er war früher im Besitze des 1886 verstor-
benen k. u. k. Feldzeugmeisters Franz Ritter von Hauslab, dessen Bibliothek und Kunstblättersammlung
bekanntlich von Sr. Durchlaucht dem regierenden Fürsten von und zu Liechtenstein durch Gesammt-
ankauf vor Zersplitterung gerettet wurde. Wenngleich uns nunmehr bekannt ist, dass sich in der
herzoglichen Kupferstichsammlung zu Gotha und bei Captain Holford in London noch je ein Exemplar
dieses Golddruckes auf Pergament befindet, so bleiben dieselben in ihrer Dreizahl noch immer Zier-
stücke allerersten Ranges für jede Sammlung und wir sind daher Sr. Durchlaucht für die Erlaubniss
der Vervielfältigung zu grossem Danke verpflichtet. Auch das Blatt: »St. Georg nach Besiegung des
Drachen« ist nach einem Original der Sammlung Hauslab-Liechtenstein durch Zinkotypie und Stein-
druck reproducirt, und zwar ist die Originalgrösse des Golddruckes 323 : 228 Millimeter. Das St. Georgs-
blatt, welches entschieden als Gegenstück aufzufassen ist, dürfte ursprünglich gleich gross gewesen sein,
ist jedoch in unserer Vorlage auf 3ig : 227 Millimeter verschnitten.

In der Ueberschrift wurde für beide Blätter die gemeinsame Bezeichnung »Helldunkelblätter«
gewählt, wenngleich ich mir nicht verhehlte, dass die Anwendung dieses Wortes für den Golddruck
auf Widerspruch stossen werde, weil die wesentliche Bedeutung der technischen Ausdrücke Helldunkel,
Chiaroscuro, Clairobscur und Camaieu noch nicht genug präcisirt erscheint. Man lese in dieser Be-
ziehung blos die Ausführungen Heinrich Lödel's in seinen »Bemerkungen über die Erfindung des
Clairobscur und die ältere Technik des Formschnittes« nach.1

Was Lödel dort, p. V—VII, aus den Schriften von Vasari, Borghini, Armenino bis zu Fiorillo,
Hagedorn und Mengs über jene Ausdrücke mittheilt, wird von Wilhelm Seibt in seiner dritten Ab-
handlung über Helldunkel2 wiederholt und mit Citaten aus Cennini's »Trattato della pittura« ver-
mehrt. Aber je mehr man von solchen Definitionen und wortreichen Erklärungen liest, desto verwirrter
wird man und meiner Ansicht nach ist alles das ein Streiten um des Kaisers Bart. So gut wir Alle
wissen, dass eine ganz bestimmte Art von einfarbiger Malerei, grau in Grau, bei den Franzosen Gri-
saille heisst, ebenso klar und gleichbedeutend ist unser Helldunkel, das italienische Chiaroscuro und

> Dieselben erschienen als Vorwort zu seinen Nachschnitten von »Des Strassburger Malers und Formschneiders
Johann Wechtlin, genannt Pilgrim, Holzschnitte in Clairobscur«, zugleich als fünftes Supplement zu Rudolf Weigel's »Holz-
schnitte berühmter Meister«, Leipzig 1863, fol.

2 Studien zur Kunst- und Culturgeschichte, Heft V, Frankfurt a. M., bei H. Keller, 1891, 8°.
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