Schmidt, Richard [Oth.]; Buchheit, Hans [Oth.]; Paulus, Eduard [Oth.]
Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg ((Rave)Donaukreis ; Halbbd. 4): Oberamt Ravensburg — Stuttgart, 1931

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Einleitung

Ausnahme bildet das Türbogenfeld über dem Westportal der Frauenkirche in Ravensburg
aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Erst im 18. Jahrhundert finden wir wieder
größere Steinplastiken an den Westfassaden der Klosterkirchen in Weingarten und Weißen-
au, erstere von Johannes Braun aus Ravensburg und F. A. Kuen aus Bregenz.
Mit noch zahlreichen Beispielen ist dagegen die spätmittelalterliche Holzbild-
hauerei vertreten, doch gehört die ganz überwiegende Mehrzahl dieser Bildwerke dem
späten 15. und frühen 16. Jahrhundert an. Leider sind aber sämtliche gotischen Figuren
neu gefaßt. Frühere Skulpturen sind nur ein Kruzifixus aus dem ersten Viertel des
14. Jahrhunderts in der Klosterkirche in Baindt, ein hl. Bischof aus der Mitte desselben
Jahrhunderts in der Kapelle in Briach und das Gnadenbild der schmerzhasten Mutter-
gottes in Staig um 1380. Aus dem 15. Jahrhundert sind bemerkenswert die Muttergottes-
figuren in der Klosterkirche in Weingarten und in der Kirche St. Christina bei Ravensburg,
beide um 1420. Die Muttergottesfigur auf dem Marienaltar in der Klosterkirche
in Weißenau (um 1495) ist das einzige Werk, das sich mit einem bestimmten Künstler,
und zwar mit Gregor Erhärt von Ulm in Verbindung bringen läßt. Bekannt sind auch
die jetzt im Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin befindliche, aus der Liebfrauenkirche in
Ravensburg stammende Schutzmantelmadonna des Friedrich Schramm von 1480
(s. Abb. bei K. Gröber, Schwäbische Skulptur der Spätgotik, München 1922, Tafel 47), ein
hl. Georg von der Georgskapelle in Ravensburg aus derselben Zeit, jetzt in der städtischen
Sammlung in Frankfurt a. M. (s. Abb. bei I. Baum, Ulmer Plastik, Stuttgart 1911,
Tafel 17) und die Chorgestühlbüsten aus der alten Klosterkirche in Weingarten von
Heinrich Melin aus Konstanz (das Gestühl selbst war von Simon Haider und seinem Sohn
Hans aus Konstanz verfertigt), die sich jetzt im Besitz des Kronprinzen Rupprecht von
Bayern befinden (Abb. bei K. Gröber, Schwäbische Skulptur der Spätgotik, München 1922,
Tafel 56/57). Der von Michel Erhärt für dieselbe Kirche 1493 geschaffene Schnitzaltar
ist dagegen verschollen.
An spätgotischen Holzschnitzern aus Ravensburg kennen wir Meister Jakob Ruß,
der 1484 in das Bürgerrecht ausgenommen wurde und 1503 zum letztenmal in den Ravens-
burger Akten vorkommt. Seine Hauptwerke befinden sich in Chur und Überlingen (Abb.
des Hochaltars im Dom in Chur bei K. Gröber, Schwäbische Skulptur der Spätgotik,
München 1922, Tafel 51, s. auch A. Busch, der Bildhauer Jakob Ruß von Ravensburg,
Archiv für Christliche Kunst 1888, S. 77 ff.). Von dem Leben des schon erwähnten Bild-
hauers Friedrich Schramm ist wenig bekannt. Die Zuschreibung der Schutzmantelmadonna
geht auf die mit Sicherheit überlieferte Künstlerinschrift zurück. Schramm wird in den
Ravensburger Akten nie mit dem Geschlechtsnamen, sondern nur mit dem Vornamen
genannt (1506). 2 Engelskonsolbüsten in der Jodokuskirche schreibt Vöge Niklas
Hagnower zuL In den Akten treten ferner auf Johann Morgenstern Schnitzer (1413),
Meister Heinrich Schnitzer (1415 und 1427), Keltenofer (1437), Buttenmüller (1474), Bit
Schnitzer (1497).
Vollständig erhaltene Altarwerke des 15. oder 16. Jahrhunderts besitzen wir keine, doch
gehören die Figuren des Hochaltars in der Schloßkapelle in Waldburg und in der Gottes-
ackerkapelle in Zußdorf zu zusammengehörigen Altarwerken. Aus dem 16. Jahrhundert
* W. Vöge, Niklas Hagnower, der Meister des Jsenheimer Hochaltars und seine Frühwerke,
Freiburg 1S30.

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