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see lebt, wo er in Feldwies seit 1920 ein Bauernhaus
besitzt, steigerte sich seine malerische Tätigkeit, und
seine Bilder wurden immer fülliger, prächtiger und
heller in den Farben. Er malt im Chiemgau Aqua-
relle von meisterlicher Klarheit des Baumes und von
der eigenartigsten Sensibilität für die farbigen
Schleier der Wolken und Dünste über dem sommer-
lichen See und für den Widerschein des goldenen
Abends auf den grünen Wiesen. Die Natur des Lan-
des scheint mit der Behutsamkeit erfaßt, mit der die
Hände die Blumen berühren. Die Stille dieser Land-
schaftsaquarelle bedeutet nicht eine gewollte Abwen-
dung von der Zeit, denn der Künstler zeigt sich im
Innersten ergriffen von den wechselnden Spannungen
der Tage und allen Vibrationen des Geschehens und
weiß diese glücklich schöpferisch umzusetzen in die
malerische Bejahung des Lebens. Durch die geistige
Regsamkeit seiner Farben stimmt er ein in die Be-
wegtheit der Umwelt. In den „Fliehenden Frauen"
von 1942 hat die Zeitfühlung eine gänzlich übertra-
gene Gestaltung erfahren, wo die Phantasie von fer-
nen Wellen bewegt ihre Gesichte empfängt. Auch
wenn der Künstler Äpfel und Birnen in einem offe-
nen Korb malt und einen irdenen Krug dazusetzt, ent-
steht mehr als ein Stilleben, da in den Formen des
Bildes eine tiefere menschliche Aktivität verlebendigt
ist. In andern Blumenbildem breiten sich die Farben
in blühenden Tönen von Rosa, Blau und Gelb wie
Atemzüge eines gesunden Körpers aus. Aber die Blu-
men können auch wie in den Radierungen in ihrem
unheimlichen tierhaften Wesen erwachen. Die Herbst-
blumen im ländlichen Garten, den der Künstler sel-
ber anbaut und in den er alle seine Malerphantasien
eingräbt, daß sie wieder aufwachen in der Pracht der

Personal-Nachrichten

Der Maler Friedrich, Buck wurde 80 Jahre alt.

Professor Dr. Eduard Flechsig, früher Leiter des
Braunschweiger Landesmuseums, rühmlichst bekannt
durch seine Forschungen über Dürer und Cranach, wurde
80 Jahre alt.

Der Maler Ludwig W. Großmann in München beging
am 25. Mai seinen 50. Geburtstag.

In Wien starb die Präsidentin der Vereinigung bildender
Künstlerinnen, die Malerin Stephanie Hollenstein.

Professor Carl Horn, Porträtist in Bremen, wurde
70 Jahre alt.

Der Maler Rudolf Hengstenberg wurde am 16. August
50 Jahre alt.

Der in Hamburg tätige Bildnismaler Reinhard Paul
Junghanns ist, 70 Jahre alt, in seiner Heimat Crimmit-
schau in Sachsen gestorben.

Am 28. September wurde Professor Arthur Kampf,
einer der bedeutendsten lebenden Historienmaler, dann

Blumen, zeigen eine seltsam seelenhafte, nur male-
risch spürbare Lebendigkeit. Das Haus und die be-
waldete Anhöhe, Berge und Himmel erscheinen neben
ihrer Nähe, die als alleinige farbige Gegenwart unser
Auge fesselt, nur als der Prospekt einer mit der höch-
sten dramatischen Spannung erfüllten Bühne. Die
Sonnenblume, schwer sich über die duftigen Blüten
niederneigend, behauptet den dunklen Grundton in
der heitern Melodie. Geiger malte diese Blumen auch
bei Nacht im Mondschein, wo die Blumengeister aus
den fahlen Blättern steigen und ein gelblicher Schein
in der bläulich schwarzen Nacht aufleuchtet. So kann
nur ein Maler die Blumen sehen, der als Graphiker
gewöhnt ist, die Natur zu deuten, nicht zu spiegeln.
Dieser Maler kennt die Pflanzen aus Instinkt, wie er
im Hellen das Dunkle, im Tag die Nacht, im Leben
den Tod mitschwängen fühlt. Etwas von der dichte-
rischen Fühlung für die zeichenhafte Allegorie aller
Erscheinungen ist in dem Maler lebendig, daß er die
graphische Schrift der Natur lesen kann. Zwischen
diese Blumenstücke schiebt sich eine spanische Erin-
nerung ein, wenn Geiger im Sommer 1942 eine Land-
schaft aus den Pyrenäen malt und dabei das Ferne,
vor Jahren Gesehene durch die formende Kraft der
Farben im Bilde vergegenwärtigt. Jüngst, wie zu
einem Fest, malte er seine beiden Enkel in einem
lustigen, hellen Garten, selber junge Pflanzen, in
Licht und Farbe gebräunt. Die Malerei bedeutet dem
Künstler ein lebensnotwendiges Element, in dem er
atmet und wirkt und aus dem ihm die Bilder wie
musikalische Klänge entgegenkommen. Darum ent-
halten seine Bilder wie seine Radierungen und Litho-
graphien in der Welt des Seins eine Welt der Ahnung
und der Phantasie.

mit großem Erfolg tätig auf dem Gebiete der Bildniskunsb
80 Jahre alt.

Professor Max La e u g e r, bekannt durch seine Arbeiten
auf dem Gebiete der Architektur, der Gartengestaltung, der
Bauplastik und der Keramik, beging am 30. September
seinen 80. Geburtstag.

Der bekannte französische Bildhauer Aristide Maillol
ist bei einem Autounfall im Alter von 83 Jahren ums
Leben gekommen.

Der bekannte französische Maler K. X. Ro.ussel ist im
Alter von 77 Jahren am 5. Juni gestorben.

Professor Dr. Oskar Wulff, der frühere Kustos für alt-
christliche und byzantinische Kunst am Berliner Kaiser-
Friedrich-Museum, wurde 80 Jahre alt.

Mit dem Meisterpreis der Stadt Wien wurden ausgezeichnet
der Maler Professor Ferdinand Andri, der Bildhauer
Professor Alfred Hoffmann und der Maler Professor
Leo Frank.

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