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schlafen zu sein. Zu allen
Zeiten haben Wasserbewe-
gung und Brunnenphan-
tasie auch auf die Dichter
und Maler ihre Wirkung
ausgeübt, von Tizian bis
Y\ atteau kehren in my-
thologischen Landschaften
herrliche Brunnengebilde
wieder, und die Brunnen-
künstler sind selber Dich-
ter und Maler, wenn sie
aus dem Fluten des Was-
sers Bosse. Flußgötter,
Delphine, Tritonen und
Nymphen Ii ervorzaubern
oder oft dem einfachen
Fallen des Wassers von
Schale zu Schale einen
metrisch musikalischen
Takt geben oder aus dem
Humor des frischen Ele-
ments, "wie im Brunnen-
buberl am Stachus in Mün -
chen, heiterste plastische
Scherze erfinden. ImY\ as-
ser leben Ungebunden-
heit. Lust und Phantasie,
und es gilt diese innere
Natur in Form und Ge-
stalt, in Mannigfaltigkeit,
Bild. Szenerie und Ein-
heit zu fassen, daß das
Auseinanderfallen der Ge-
danken. Strahlen, Figu-
ren, Tropfen wieder zu
einem harmonischen Um-
riß gesammelt wird.
Am schönen Brunnen ha-
ben architektonische, pla-
stische und malerische
Wirkungen Teil, und
Handwerk, Kunst, Gar-
ten- und Städtebau müs-
sen zusammenarbeiten, da-
mit er seinen Zwecken ge-
nügen kann. Der Brun-
nen baut sich wie ein Haus
aus Sockel. Stock, Beda-

Der Schöne Brunnen. Von Ulrich Christoffel chunS odef Tönung auf,

er ist plastische Kraft
wie der emporschießende

Der Brunnen hat der Elementarnatur des Wassers Springquell und farbiger malerischer Schein im Glanz
zu dienen, und seine künstlerische Form wird bedingt der Tropfen und wenn das klare Wasser in der Sonne
durch das Sprudeln, Bauschen, Sprühen, Plätschern. über die bronzenen Körper der Figuren herunterrie-
Strömen und Spiegeln der bewegten oder ruhenden seit. Keine der Künste darf aber allein und vorherr-
flüssigen Kraft. In den Brunnen verbinden sich die sehend den Brunnen bestimmen, dieser soll weder die
Künste enger und tiefer mit der Natur als in jeder Xatur nachahmen noch sich in der tektonischen Form
andern Gestalt, und die Brunnen werden in Grotten eines Würfels oder einer Kugel verhärten, sondern
und Figurenverwitterung oft selber Natur, sobald sie Xaturwillen und Kunstzwang, Bewegung und Buhe,
der Feuchtigkeit und dem Y\ achstum der Moose über- Form und Stoff, Leichtigkeit und Schwere in Ein-
lassen bleiben. In Veitshöchheim scheinen Garten. klang bringen und alle künstlerischen Möglichkeiten
Brunnengestalt und ewige Natur längst zu einem und Tonarten gleichzeitig in Tätigkeit setzen. Seit
einzigartigen Phantasiebild verdämmert und einge- Jahrhunderten gehört der fließende Brunnen zum

Herkulesbrunnen in der Maximiliansstraße in Augsburg

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