Kissling, Hermann
Die Augustinuskirche in Schwäbisch Gmünd — Schwäbisch Gmünd, 1961

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Die Ausstattung der Kirdie

DIEWAND-UND DECKENBILDER

Der Besucher der Augustinuskirche schenkt seine Aufmerksamkeit vor allem den
großen Deckenfresken, die mit ihrer Figurenfülle und dem Reichtum ihrer Farben
die Kirche adeln. Die Bilder sollen nach dem Sinne der Zeit den Blick nach oben
lenken, über die Grenze der Decke hinauf und hinaus in den lichten Himmels-
raum. In der Betrachtung der irdisch-himmlischen Bildwelt soll sich der Gläubige
„emporfühlen" und erheben lassen in die Gemeinschaft der Heiligen.
Das Deckenbild im Chor: Die Bekehrung Augustins

Die Leitidee des Bildes ist einem Abschnitt von Augustins Bekenntnissen ent-
nommen.

In einem Garten in Mailand ist sein Herz geplagt vom Elend seiner inneren Zer-
rissenheit. In bitterer Zerknirschung wirft er sich unter einem Feigenbaum zu Bo-
den und ringt um den Durchbruch zum wahren Glauben (Abb. 5). „Da auf ein-
mal", so schreibt Augustinus, „höre ich aus dem Nachbarhaus die Stimme eines
Knaben oder Mädchens im Singsang wiederholen: Nimm und lies, nimm und
lies ... Ich ergriff das Buch des Apostels, schlug es auf und las still für mich den
Abschnitt, auf den zuerst mein Auge fiel: Lasset uns ehrbar wandeln als am Tage,
nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und
Neid, sondern ziehet an den Herrn Christus (Römer 13, Vers 13 und 14). Weiter
wollte ich nicht lesen, und weiter war es auch nicht nötig; denn kaum war dieser
Satz zu Ende, strömte mir Gewißheit als ein Licht ins kummervolle Herz, daß
alle Nacht des Z weif eins hin und her verschwand."

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