Kissling, Hermann
Die Augustinuskirche in Schwäbisch Gmünd — Schwäbisch Gmünd, 1961

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wappenhaltenden Engel zeigen. Ein Engel hält die Wappen des Reiches und der
Staufer vor, der andere die des Klosters und der Stadt (Abb. 19). Darunter fügte
man ein schmales Schriftbrett an, auf dem jeder lesen konnte, daß Kaiser Kon-
rad IV. der Stifter dieses im Jahr 1140 gegründeten Klosters sei. Die altertümlich
verstellte Schrift wie die Formgebung der Engel kann aber die Entstehungszeit der
Tafeln um 1500 nicht verleugnen. Der Gmünder Zeichenlehrer Sebald Baumeister
(1775—1829) sah diese Tafeln noch im Kreuzgang des profanierten Klosters hängen
und kopierte sie1. Die Holzreliefs gelangten später in die Gmünder Altertümer-
sammlung; die Schrifttafel ging verloren.

ZUR GESCHICHTE VON KIRCHE UND KLOSTER BIS ZUR SÄKULARISATION 1802

Der Augustiner-Bettelorden verbreitete sich rasch in den romanischen Ländern und
nördlich der Alpen. In Deutschland zählte man im Jahre 1299 schon 80 Augustiner-
klöster.

Der Prior leitete das Kloster; er stand dem Konvent vor, in dem die Priester (Pa-
tres) und die Laienbrüder (Fratres) vereinigt waren. Die Mönche trugen eine
schwarze Kutte mit schwarzer, spitzer Kapuze und einen Ledergürtel. Innerhalb
des Klosters bekleideten sie sich auch mit weißem Habit.

Den Augustinern war neben dem Chordienst die Seelsorge ein hohes Anliegen. Sie
bedienten sich dabei schon im Mittelalter der Predigt, die damals in den Pfarr-
kirchen nur selten gehalten wurde. Der Laie erlebte dort den kirchlichen Gottes-
dienst vornehmlich in Gestalt der Messe. Darin liegt das Verdienst dieser Mönche,
daß sie ihre Kirche den Bürgern öffneten und ihnen von der Kanzel das Wort
Gottes sagten2. Der Wirkungskreis der Patres umschloß auch private Seelsorge,
caritativen Beistand und Aushilfe in verwaisten Dorfpfarreien. Die Brüder aber
hatten Küche, Keller, Pforte, Sakristei usw. zu besorgen und für die Gäste da zu
sein.

Die stattlichen Maße des Klosterbaues dürfen nicht zu der Annahme führen, als
wäre dies die Heimat eines großen Konventes gewesen. Er beherbergte wohl nie
mehr als 20 Mönche; im Jahr 1802 waren es nur noch 8 Priester und Laienbrüder.

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