Kladderadatsch: Humoristisch-satyrisches Wochenblatt — 18.1865

Page: 082
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kla1865/0082
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile

82

Dante's Hölle

ir schritten nächtig durch das Thal der Wüste,

Und immer dunkler ward e6 vor den Blicken;

Kein Stern mehr, der den Weg erhellend grüßte,
Kein Windhauch mehr, die Lungen zu erquicken.
Der Athem stockt, eö brennen mir die Sohlen.
Im heißen Sand erlahmt, die Füße knicken —
Mir ist. als wandelt' ich auf glühen Kohlen.

„Laß mich dem Pesthauch dieses Ortö entflieh»!" —

„„Nein!"" — spricht der Freund — „„und thu' wie dir befohlen!
Sichst du nicht dort die Schwefelwolken zieh«?

Ein Weilchen noch! — Wir sind sogleich zur Stelle!""

„O rede — wo?" — „„In Hamam Mescoutin!"" —

Ich folgte willig. — Plötzlich TageShelle;

Von Felsenwänden Drachenaugen flammten,

Und Feuerschlünde blitzten von der Schwelle.

„Schau" — sprach der Freund — „ dieBäde.r derDerdammten!
Da sitzen sie in ew'ger Höllengluth.

Die Angepsropstcn und die Angestammten.

Die auf der Erde einst mit frevlem Muth
Der Völker Reckt und Freiheit keck zertraten?

Da schwitzen Blut sie. die sich einst im Blut
Und in dem Schweiß der Völker gütlich thaten!

Schau, wie verzerrt von Schmerzen ihre Mienen!

Da sitzen die Despoten jetzt und braten.

Sie die einst über Schädel und Ruinen,

Mit ihren Eisenfüßen frech getreten —

Den Tod voran, den Schrecken hinter ihnen —

Sie, die verfolgt die Sänger und Propheten.

Gar viel bekannte Häupter schaust du da —

Sie sitzen jetzt in Hollenangst und beten.

Der Nero dort, dort der Caligula —

Und der — und der — was brauch' ich sic zu nennen?'

Ein Schauder faßt mich, als ich Solches sah.

Und ein Erbarmen — ich will'ö nur bekennen —
Beschlich mein Herz: denn wilde Stimmen kreischten:
Ein Tröpfchen Wasser gebt uns! Wir verbrennen!
Ich sah. wie sie verzweifelnd sich zerfleischten.
Verzweifelnd rangen ihre dürren Hände.

Und immer wieder nur um Lind'rung heischten.

Doch als ich meinen Kopf nun seitwärts wende,

Um Musterung in diesem Kreis zu halten,

Ta tritt — Hohnlachen bis zum fernsten Ende! —
Ein neuer Gast zu diesen Schreckgestalten,

Und Aller Augen zum Willkommen blitzen.

EN aber schlägt zurück deö M-antelS Falten
Und lächelt: „Nicht um ewig hier zu sitzen,

Bin ich bei euch, ihr werthen Herrn College»!

Will jetzt bei euch ein Weilchen Probe schwitzen —
Ich komme nur — des Rheumatismus wegen!

. kladderadatsch.


Johann Iacolry und die TVatpurgisnachf.

Für das Volksblatt für Stadt und Land.

Ueber das Treiben der Demokraten in der Walpurgisnacht berichtet der
glaubwürdige Chronist Tobias Balthasar Zwetschgenstein. der im Ausgange
des 16. saeculi lebte, folgendermaßen:

„In der Nacht 8t. Walpurgis vom 30. Aprilis zum 1. Mnji halten die
Teuffel eine große Zusammenkumpft aus dem Bloxberge oder Brocken. Item
fahren in derselbigen Nacht die Hexen auö. da man denn heuffig das Gesind.
lein auf einem Besen oder Osengaffel durch die Lufft raitend gesehen hat.
So sie nun aus dem Berge versammblet sind, wird daselbsten tappser ge-
tanzet, auch sonst vielerhand höllische Kurtzwcil und Lustbarkeit vollführet.
Pfleget auch aller Orten in keiner Nackt mehr gezawbert und Unding getrie-
ben zu werden, denn in der Nacht 8t. Walpurgis; und so in dieser Nacht ein
Kindlein zur Welt kommt, wird es insgemein ein Bösewicht und Landschade."

So berichtet unser treuherziger Cbronist. Mit Erstaunen haben wir die
Entdeckung gemacht, daß der Literat Gethe eine Scene in seiner, früher viel-
gelesenen Komödie vom I)r. FaustuS fast wörtlich aus unserem Chronisten
gestohlen hat. So schreiben die Demokraten Bücher! Wir erwähnen dies
aber nur beiläufig'; denn daö. woraus wir eigentlich auögehen. ist Folgendes.

Nachdem wir nun aus guter Quelle erfahren haben, wie es in der
Walpurgisnacht zugeht, was sollen wir dazu sagen, wenn die VolkSzeilung
vom 2. Mai ihren Leitartikel mit den Worten ansängt: „Zn der Walpurgis-
nacht wurde der Dr. Johann Jacoby geboren!"

Fürwahr, eine anerkennenswerte Offenheit! Also mitten in dem Gräuel
und Scheuel der Walpurgisnacht hat Zacobv seinen Lebenslauf begonnen!
Einen passenderen Tag hätte cr 'ich gar nicht auSsuchen können. Scbt ihr.
so pflegen insgemein die Demokraten anzujangen! Geht dir jetzt ein Lichtlein
auf. einfältiger Christ? Ich sehe schon, daß du eine Gänsehaut bekommst, und
daß dir vor Angst die Knie schlottern.

Aber beruhige dich nur; denn ich habe schon eine Trostsalbe und eine
Panacee für dick in Bereitschaft. Vernimm denn: Am 30. April, noch ehe
daö höllische Treiben anfing, ist unser verehrter Herr Kriegsminister zur
Welt gekommen. So haben also Zacobv und seine BloxbergSgesellen ihren
Mann schon vorgefunden. Der wird ihnen die Wege zeigen!

Damit, einfältiger Christ, gieb dich zufrieden. Zn der Walpurgisnacht
aber vergiß nicht, drei Kreuzlein an deine Hauöthür zu malen. Das ist gut
für alle Fälle.

Und nun. hoffe ich. wirbst du wissen. waS eS auf sich hat mit der Wal.
purgiönacht und dem Jacoby!

Euu Vorschlag hur güle.

Um düsem. nachgerade ötwaS langweulüg wördenden Streut dör gcöhrtcn
beuden Hörren „Mütbesützer" düscr Oelb-Hörzogthümer nöbst dör
betröffenden ,. Comp önsaß ionsfrage" eulügst früdlüch auüßuglcuchen.
beöhre üch mür, folgenden unmaßgöblüchen Vorschlag hur Güte öhrerbütügst
ßu unterbreuten:

I. Oesterreuch wüllügt ün dör Annöctürung dör Hcrzogthümer
durch Preußen.

II. Dagegen trutt Lötztercö seune Armööröorganüsaßion an
Oesterreuch ab. wodurch düses ün döm Stande gesötzt würd. Vo-
ll ößien gögen jödcm Feunde nücht alleun müt Erfolg, sondern auch
ö log aut ßu vertheudügen, und ßugleuch düser ünnerer Dörr
fafsungSconslücl auf euner bequömen und büllügen Art ge
schlücktet würd.

Tor bekannter praktüscher Polütüker.

Man schreibt der Vossischen Zeitung auS Rom: In der Kirche
Ara Coeli auf dem Capitol wurde ein Franziscaner bei einer Fastenprcdigt
von einem solchen polemischen Feuer wider Liberale und Freidenker ergriffen,
daß er aus der Kanzel hin und herzulaufen begann (sie sind hier nicht rund,
sondern gewöhnlich länglich und größer als in Deutschlandl, mit den Fausten
aufS Pult schlug und wild mit den Füßen stampfte, bis er. zum Gelächter
Aller, mit dem Boden durchbrach.

So wahrhaft herzstärkend cs ist, zu erfahren, daß der religiöse FanatiS
muS anfängt. selbst in Rom den Boden zu verlieren, so bedauerlich ist
noch immer der Mangel jeder Nachricht, daß der ZesuitiemuS — auf den
Kopf gefallen.

Herabsetzung des römischen Discoulo's.

Früher hieß es: Wer S nicht glaubt, zahlt einen Groschen. Jetzt heißt
cS: Wer glaubt, zahlt einen — PetcrSpfennig.

„Oestreich hat Deutschland in der Tasche!" —
Woran also noch sonst gebricht'S?

Oestreich hat Deutschland in der Tasche;

S.onst aber hat'ö drin — weiter nichts!

jeiiur.
ui* Ir» fi'a

{Jilift. ’'!a'
etuisit- M
«ill-r. W.'

Silier. S°

feit achtzehn J
: im Forlscbrill
er! Wenn wir niü
d Mlitiat um t<
:*{ Vertintung
£J irir jttccb t
r;n Existenz nickt
cMn wellen, so ü.
zur eigenen Ve

0L - Geistessck
~:3unn. — Cr'cki
- Verbot. —
r:::ncn. — Mit
r.« «ennuie. — H
k::. — Granitbak

- Al,ran
■Wi - .'Vcnan.
^ - Aegdpten.
Wr«ffn. — fy

- Haußm^
^ - Annecli

— lstnr
frtrrlburg. —

Düppel. —
* - Anen. — 3
• - Clfere. - Zn


aJmiaticn. - ;

•Monde. —

•V'alb

itublarbciter.
- (?



V-inau. — ?



StJ:

tn ÄUcr

frei

leid

ISin v(t
Wnb

'eich
^ «nt.

KM
loading ...