Kladderadatsch: Humoristisch-satyrisches Wochenblatt — 18.1865

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Berlin, den 1. Oktober 1865.

XVIII. Jahrgang.

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'Mochmkatender.

Montaq, den 2. Lctober.

Dik konservative Ostpreus;iichc Zei
tunst wirb in Königs!'erst auch einmal
cenfiscirt.

Tienstast, den 3. Lctober.

7>n AcSjic der (Konfiskation entschlicht die
L'tpreuniiche Zeitunst tid\ „auch ein
mal oppositionell" zu werden.

Mittwoch, den 4. Lctober.

Westen ibrco oppositionellen Artitels wird
die L npreu irische Zeitung wiederum
connicirt.



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wochenkateuder.

Tonnerstafl, den 5. Lcioder.

Infolge der zweitenEonN'eationbeschlicht
die Ostpreutzische Zeitung — rold zu
werden.

Freitag, den 0. Lctober.

Der Lstpreußiichen Zeitung in daS
Not Hw erden beim beizten Willen un-
möglich.

Sonnabend, den 7. Lctober.

Die L st preußische Zeitung gibt das
Rothwerden auf und begnügt ficb damit,
sich — schwarz zu ärgern.

Kladderadatsch.

Humoristisch-salyrisches Wochenblatt.


, wem Kind, wir haben PechiZZo

Quodlibet-Quadrille nach bekannten Melodien.

o^GVLomm, mein Kind, mir haben pech!->T^o

So sagte der Prinz von Wales zu seiner Gattin am Roulette von Wiesbaden, als er den dritten Louisd'or auf Noir ge-
setzt hallt, und Rouge kam. Rouge aber kommt immer wieder, und — wehe den Fürsten, die dies nicht wissen!

Aber von welchen Fürsten sprecht ihr? — Natürlich nur von den sechs und dreißig — Nummer», welche den grünen Tisch
bedecken. Da steht das arme Bolk, und gibt den letzten Gulden hin! Die Kugel rollt, das Auge starrt, der Blick stiert, die Hal-
tung schwankt! — Da sind die Krücken — der Croupiers und reißen den grausamen Thalcr vom letzten warmen Mutlcrhcizen!
— Ter Höchstgcbornc aber crgicisl die eigene Gattin beim Arm und seufzt:

^-^^Komm, mein Kind, wir haben Pech!^^^

Als wenn der Besitz von Pech nicht Millionen Einkünfte brächte! Photogen und Paraffin werden aus Pech erzeugt, und
Photogen, der Lichterzcuger, und Paraffin, das Berwandtschaftslosc, werden die Zukunft beherrschen. Ter „Licht-
rrzcuger" wird die officiösc Gummischuhfabrik, auch Nord deutsche Allgemeine genannt, welche die blultricsciidcn Wege Rudolfs
des Eiserne» der Regierung gangbar macht, übcrftüssig erscheinen lasten, und das „Berwandtschaftslosc" wird die Fainilien-
politik der Eabinctc zerstören.

Komm. mein Kind, wir haben "Kech!

wird nicht nur der Max zur Maxi», Schleswig-Holstein zu Elasscu-Äappclmann, der geuiaßregelte Krcisrichler zum
nichtbestätigten Sladlrath, Rogcard zur pauvre France, Friedrich von Dölzig zu Mai von Pcrleberg, Barnbüler
zu Pfordtcn — nein, auch der Hausknecht der Lcrgangcnheit wird zum Koch der Gegenwart sagen:

mein Kind, wir haben

Tenn es gibt nicht bloß Biele, welche den Brei verderben, sondern cs kann auch einen Einzelnen geben, der einem ganzen
Voll eine Prügelsuppc einznbrockcn versteht. Doch davon schweigt die Höflichkeit, nicht bloß des atlantischen Telegraphen, und —

„Ach! die Quelle unsrer Leiben
Findet kein Abbe Richard!"

Und so kann nun auch die Katze des Dönhofsplatzcs dem Jaguar von Mecklenburg die prinzlichen Worte zurnfen:

§^Komm, mein Kind, wir haben Pcchl^Z)

In Westen aber beginnt es bereits zu dämmern, obgleich dies eigentlich das Geschäft des Ostens ist. Das Pech läßt zwar fest
sitzen, besonders wenn cS an einem Throne klebt; und daS Pech, das au manchen Thronen klebt, soll man nicht angreiscn.
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