Kladderadatsch: Humoristisch-satyrisches Wochenblatt — 18.1865

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Berlin, den 4. Juni 1865,

XVIII. Jahrgang.

wochcnkalender.

Montag, den 5. Juni.

Die höchste Tugend jederzeit ist doch und
bleibt die Sauberkeit;

Sie zieret Jungfrau, Jüngling. Mann,'und £
.utfh brnt floht wohl sie an.

auch dem Greis steht wohl ste an.

Nur sauber!

Dienstag, den 6. Juni.

Glaubt mir. ein wahrer Zauber ruht auf
Allem, was man sauber tbut;

Ein saubrer Tiscb. ein saubres Bett —
da schwelgt sich's noch einmal so nett.

Saubre Sachen!

Mittwoch, den 7. Juni.

Der Saubre duldet keinen Fleck, kehrt scheu
sich vom Unsaubren weg.

Fein säuberlich drum für dein Haus such'
dir nur saubre Leute aus!

Saubre Leute!

wochenkatender.

Donnerstag, den S. Juni.

Schau dir die Presse an. mein Sohn!
— Wie sauber Lact und Styl und Ton!

Wie tbut der Osficiösen Chor sich doch an
Sauberkeit hervor.

Saubre Burschen!

Freitag, den !). Juni.

Halt', Söbncben. säuberlich verwahrt des
innern Menschen Denkungsart;

Doch zeig' von autzen dich stets fein, so
nimmst du Alle sür dich ein.

Saubre Lehren!

Sonnabend, den 10. Juni.

Nur elegant und säuberlich! Wer Pech an-
greift. besudelt sich.

Schau' die feudale Wirthschast an und
nimm dir ein Exempel dran!

Saubre Wirthschajt!

Kladderadatsch.

Humoriflisch-salyrisches Wochenblatt.

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In Miramare.

(SJro&c Wäscht, kleine Wäsche
Ist im Schloß von Miramare;

Ach! den armen Waschsran'n stehen
Schier vor Angst zu Bern die Haare.

Große Wäsche, kleine Wäsche,

Und ein Stäuben und ein ftcncn;
Wie sich hnndcrt rms'ge Hände
Hier und dort geschäftig regen!

Große Wäsche, kleine Wäsche,

Und ein Scheuern und ein Putzen,
Gin Gnrdinenarraugircn
Und ei» Möbelneuansstutzeu.

Ein Poliren und ein Bohnen
Und ein Staub- und Mottcntlopsc»!
Seht, dem alten Schloßvogt rinnen
Bon der Stirn die hellen Tropfen.

Braver Schloßvogt, grauer Alter,
Sag', warum du solche Hast hast?
Hast du's wirklich gar so eilig,

Taß du keine Stunde Rast hast?

Hast du's wirklich denn so eilig,

Taß du keine Stunde Rast hast?

Scheint'- doch säst, daß zu empsangen
Du 'neu ganz besonder» Gast hast!

Er draus: Herr, wie fragt Ihr seltsam!
Sind'S doch schon an die zwei Jahre,

Taß wir keinen Gast empfingen
In dem Schloß von Miramare!

Würd' um fremder Gäste willen
Nimmer auch mich also hetzen!
s' ist kein Gast, für de» das alle
Schloß wir in Bereitschaft setzen.

Unsrer Herrschaft, unsrer lieben
Herrschaft gilt dies Mühn und Plagen,
Tie zur Rückkehr bald sich cinschifil —

Wie man sagt, in wcn'gcn Tagen! —

Eure Herrschaft? — Unsre Herrschaft!
Ja, sic wird uns wicdcrkehrcn!

Kaum vermag ich, meiner Freuden-
Thrälicii länger mich zu wehre»!

Satt der Majestät, und müde
Jenes Volks gemeiner Rohheit,

Wird jetzt unser gutes Maxei
Wieder—Kaiserliche Hoheit!

Er hat Recht! Ist das Azielen-
Pack doch werlh nicht seiner Gnade!
Habsburgs Blut — für solch' Gesindel
War' cs wahrlich doch ;» schade!

Er hat Recht! — Toch den Beschützer
An der Seine wird's verdrießen,

Sicht ER seinen Schützling gehen
Ohne Kamps und Blutvergießen —

Nur von dein „Geräusch" begleitet,

So die Stenographen nennen
„Heiterkeit", — das der Jnstizralh
Meyer nie vertragen können!

Aber manche lnst'gc Chronik
Wird die späte Klio schreiben
Von dem Maximiliano-
Mexicanischen — Hnlantreibcil!

Kladderadatsch.
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