Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 22.1869

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Müller. Hast du dcS in die Zeitung jclcfen, daß die Polizei in Erfurt
die Ausfühnmg der .schönen Helena" verboten hat?

Schnitze. Die wird ja aber in die janze Welt ohne Anstand jejeben!

Müller. Na eben darum! Wie man hört, wollen sie nächsten« ooch
dort da« berühmte Grabmal de« Grafen von Gleichen wejcn Bigamie
entfernen.

Schultzc. Was soll denn aber mit den Platz werden?

Müller. Na, da kann sich die Erfurter Polizei selber — bejraben
lassen!

Schultzc. Wie kommt wohl Rochcsort dazu, sich gegen dem Verdachte
zu vcrthcidigcn, daß er eine reiche Wittwc heirathen wolle?

Müller. Weil er sich bloß um einer Witttve, nämlich um der Frei-
heit bewirbt.

Schultzc. Ja, aber wieso ist denn die Freiheit eine Wittwc?

Müller. Weil sic schon vor 17 Jahre ihren letzten Mann verloren hat.

Schultzc. Ach so!

!! Mecklenburg und immer wieder — 31tcdlCcnOurg!

Nachdem die Mecklenburgh'chc Polizei erst noch neulich bei Gelegenheit de«
Rostocker Psingstmarkts das Bundcs-Paßgesctz in so sonderbarer Weise
respcctirt hat, geht wieder ein Schrei der Entrüstung durch Europa über die
fernere Verletzung der Norddeutschen Bundeögcsetze durch zweckwidrige
Behandlung der Neustrelitzer Schänkmamsclls! Ohne jede andere Vcran-
lasiung als die, welche wir bei der nahen Nachbarschaft nicht aussprechcn dürfe»,
wurden die blühenden Tulpcnspcnderinnen eine« katzenjämmcrlichcn Morgen«
nach dem Rathhausc entboten und ihnen eröffnet, daß sie sännntlich Punkt
1 Uhr die Stadt zu vcrlaffcn hätten, widrigenfalls den Wirthcn die
Concesfion entzogen werden würde!

Wahrlich, wahrlich ich sage euch, daß in einer Zeit, wo regierende
Fürsten sich um 61; Uhr Abend« schminken, und nicht crröthcn, die
Lustspiele de« gottlosen Gotthold Ephraim Lessing zu spielen und
sich hcrauSrufcn und beklatschen zu lassen von ihren Untcrlhancn, —
cs nicht angebracht ist, Untcrthaninnen hcimalhlo« zu machen, weil sic
sich nicht haben hcrausrufen und beklatschen lassen!

Wem'« kratzt, dem — Opern-juckcr sich!

Aei der Auswaschung in Nom.

Wie? Leo Thun der Einzige von Allen,

Der seine Stirn fromm aus da« Pflaster drückt,
Derweil kein Andrer sich zur Erde bückt? —

— Er ist vielleicht nur auf den Kops gefallen.

Nothgedrungene Erklärung.

Unvorhergesehene Umstände veranlaßen mich, mein vor einiger Zeit leicht-
sertig ausgesprochene« Wort:

„Wie schön ist der Wechsel der Zeiten,

Ihr Freunde, im wandelnden Jahr" —
hiermit öffentlich zu widerrufen, indem ich in Folge de« täglich wachsenden
Deficit« leider nicht mehr im Stande bin, die von, Reichstag de« Norddeutschen
Bunde« beschloffene Stempelsteuer für jenen Wechsel zu zahlen. Mein
einziger Trost ist: ,,E« kann ja nicht immer so bleiben!"

Der bekannte Norddeutsche Sänger.

Ucch süntc öS von düscm Hörzog von Coburg charmant, daß ör auf
sciiner Bühne öffentlich ün düscr Münna von Barnhölm ausgetrötcn üst,
und da« Acuspül gcgöben Hai, al« rögürcnder Fürst scnnc Nntcrthancn
ß» amüsürc». Wönn dör Papst ün Rom 'mal Nathan den Wcuscn
spülte, könnte nhm auch nücht« schaden, und üch bin, sogar dör Mcunung, daß
wönn Ucsabölla ün Spanüen al« Jungfrau ausgetrötcn wäre, so wöre
sü heut noch da!

Parquöt röcht«, ümmer für mcun Göld!

Nnsrage in Neiress der Mechselsteuer.

Könnte man nicht auch die Gesinnung«-Wechsel besteuern, je nachdem
c« Prima-, Sekunda- oder Tertia-Wechsel sind? Bei dieser Art von
Wechseln gibt c« wohl keine „Nach Sicht"?

Ritter Josia« von Plüökow auf Kowaltz ist wegen scinc« lammtigcrzahn-
fletschcndcn Artikel« zu 14 Tagen Gcsängniß vcnirthcilt worden. Er darf
jedoch, wie die BolkSzcitung bemerkt, bestimmt auf Begnadigung hoffen. E«
wäre wohl auch da« erste Mal, daß die Regierung einen ihrer getreuesten
Junker — sitzen ließe.

0u öas Stammüutfj jedes ^inanzminijlers.

Qui proflcit in debitis
Et deficit in loculis
Plus deficit qmm proficit.

Um dem Deficit abzuhclsc», dürste sich al« einfache« Mittel eine Aus-
schreibung der Römcrmonatc de« heiligen deutschen Reich« empfehlen. Dieselbe
könnte zwar nur »och in Mecklenburg erhoben werden, weil nur die dorsige
Verfassung die« Institut noch kennt; aber der Erfolg dürste dennoch ein be-
friedigender sein, denn Mecklenburg ist bekanntlich ein Mehlsack, der desto ärger
stäubt, je mehr man ihn klopft. Probatum est.

Än der Rörse.

Ameier. Haben Sie gelesen die Rede, wa« gehalten hat der Bisckios
von RcgcnSburg in Schwandorf? „Wenn die Fürsten nicht mehr sein
wollen von Gotte« Gnaden, will er der Erste sein, der die Throne um-
stürzt!"

Bemcicr. Hat er ganz recht. Ich will doch lieber sehen umgcstürzt
zehn Throne als einen Römischen Stuhl! Gott soll hüten daS Zerochc!

A. Au« welchen internationalen Gründen besucht wohl der Vice-König von
Aegypten jetzt Europa?

IS. Man sagt, um scinc Wechsel-Beziehungen zu unterhalten.

Der Erzgebirgische Volksfrcund vom 28. v. Nt. enthält solgcndc Anzeige:
Unter den jetzigen mißlichen Finanzverhälttnsicn Prcuncn« nehme ich
bis auf fernere« die Casjenanweijungen diese« Staate« von Einem
Thaler nur für — • 2!) Ngr. 8 Pf. al« Zahlung an.

Moritz Gerber in Aue.

X. 8. König!. Sächs. Casscnbillet« hingegen werden mit 1 Thlr.
2 Pf. angenommen.

Wir erhalten von verschiedenen Seiten die Aufforderung, uns Herrn Ger-
ber zu kaufen, können ihn aber ebenfalls nicht — für — voll an-

nehmen! _

Zuruf aus Sdjteficn:

Loht Euch ok »ich betimpcln! Wenn wir sch oock> jetzt nicht Kriegen,
wenn'« wieder losgcht, nehmen wir uns so viel Böhmen wie wir wollcn!
(gorllctzung de« gcuillelonS lm Beiblatt.)

Wir bitten, daS Beiblatt zu beachten.
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