Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 22.1869

Page: 147
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kla1869/0147
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Berlin, Den Mai 1869.

Nr. 20.

XXÜ.'hiÖroflJiQ.

kleiner Titatenschaßkaseiidei

Montag, den 3. Mai.

Wer sonst ist schuld daran, ^alS ihr in

Ihr i'eid c«, die den^Frieden hindern, ihr!

Dienstag, den 4. Mai.

Macht uno dao b'ebcn sauer.
Wan»»? Weil »»« an Deutschlands großem
Bcßie»

Jetzt mehr liegt als an ^ ein paar Hufen

Die Ocstrcich mehr bat oder weniger!

Wallcnl'Icin I., 4.
Mittwoch, den 5. Mai.

Du willst die Macht,
Die ruhig stcher thronende, erschüttern,

Die in verjährt geheiligtem Besitz,

In der Gewohnheit fest gegründet ruht?

Wallcnstcin I., 5.

für große Staatsmänner.

Donnerstag, den 0. Mai.

Sei im Besitze, und du wohnst im Recht,
Und heilig wird'« die Menge dir be-
wahren^

streilag, den 7. Mai.

Denn Recht bat jeder eigene Charakter,
Der übcrcinstimml mit sich selbst; eS gibt
.«ein andres Unrecht, als den Widcrlpruch!

Wallenstein I., 7.

Sonnabend, den 8. Mat.

Wo Eines Platz nimmt, muß das Andre
Wer nicht vertrieben sein will, muß
Wallen st ei" II., 2.

ijiimoriftifd)=latyi ischetz WochmAatl.

, NachrNf,

dem internationalen Longrrsi der Genfer Vereine gewidmet.

Ö rcuöi|) faf) ich euer .Kommen,

8>ch Öos Kreuz öcr nofjonnttcr
«flattern ofs ein «fricbcusßanncr
Vor dem Zug der Smnnrücr.

Rothes Kreuz im weißen «fcföc —
liicOcsOolfcOaff. Hoffnungskunde
Trägst du ins Hemühl der Schlachte»
Spendest Ralfai» jeder Munde,

Ons erlöschend mniie Zuge
Strahlst du dem gesnllnen Melden.
Richtest ihn empor noch einmal.

Am ihm tröstend dann z» melden:

Dah noch Herzen hier aus Erden,

Die mit Menschen menschlich suhlen.
And den Haumen. den nerdorrte»,
Lindernd, auch dem Leinde liühlen.

Aeßer.freunö und «fciiib zum Schirme
*111 cQ fl du. — Unter deinem Zeichen
•3n(jfl man nicht erschlagne «fcinöc —
Vur erschlagne Rruderleichen.

] Kolhes kreuz! 3u deiner Ehre
Ausgetha» ward hier die Pforte,

| And ich lauschte »ost Entzücken
l Manchem edlen striedensmorte:

And doch hat ein leises ckröstel»

Mich ersaßt — ich milfs bekennen —
Denn ich sah zukünst'ger Schlachten
Mord und wild Helös enlörennen,

Sah den Tod aus seur'gem Kenner
Sausen, den hohläuggen Schnitter
Mit der milde» Jagd: dahinter
Auch das kreuz der llohanniler.

And mir war, als sah in euch ich
Kur der Leichentücher Meüer,

Kur der neuen ülut'gen Mahlstatt
Mächlerschaar und — Todtengrülier.

And ich hörte Schlachtendonnern,
Saunnerrus und Todeswimmeru.

Sah der Rräule Händeringen
' And der Mütter Thränen schimmern,

! Rinnen sah ich rothe Räche.

^ Heldenaugeu, todumnachtet,
j Sah den Rauer, der oerzweiselnd

i Aus zerlrelnem steld verschmachtet.

Sah zerschossen Haus und Hütte.

And die goldne stlur verwildert,

Sah das Alles, denn ihr selüer
Haüts leiühastig ja geschildert.

And da faßte mich das ckröstel».

And mit lautem Herzenspochen
Haü ich euer Thun gesegnet,

And doch still zu mir gesprochen:

Nicht, wie man die Munden heile,
Sst die große Zuüunslssrage.

Sondern, wie es anzufangen.

Daß man keine Munden schlage.

Nicht, wie man die wunden Krieger
And wie man die Todlen kette.
Sondern, wie mail tilg' aus ewig
Milder Schlachte» Schädelstätle.

Nicht, wie brüderlich im Hrake
«freund und «feinö vereinigt werden.
Sonder», wie man aste Völker
8chou uerbnidre hier aus Erde».

Mostlen Solches doch beherz'geu
Auch die Mächt'gen unsrer Tage:

„Sorgt nicht, wie man Munden heile —

[ Sorgt nur, daß man keine schlage!"

Kladderadatsch.
loading ...