Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 34.1881

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3tr. 31. Berlin, den 3. Ini! 1881. XXXIV. Jahrgang.

UindjenRafcnDci:.

Montag, den 4. Juli.

Wo Bebel «eilt im D-uIIcken 31eid),

SWSÄWim«»

Hub fudi dir einen bessern Crt

Mittwoch, dcu 6. Juki.

.Hier will idi'trediü’in jeßt in iUnV" -
Doch kaum ist er liier eingerncki.

Wird mil dem Stantredit schon beglückt

Worljenfiafenbcr.

Aonnerstag, den 7. Juki.

Herr Bebel denkt: .Und »mß ich stiehn.

So will ich^bin^ren Sch weben.zieh» !" —

Ast lind) BeM,Vrnng schon verhängt

Areitag, den 8. Juki.

>,'brichte .Hier inert' ich sicher fein!" -
ch als dortbin er retirirt.
d schon das »riegsrecht proclainirt

Sonnabend, den !>. Juki.

Humoristisch - satirisches Woctjeiiöfaft.

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einem Snm/lnfl war cs im Monat Juni ns,

(§^-^Aa ward bescher! der Weltstadt Merlin ein Lochgenuß:

T „Gs stieg" — Aroseslor Mrechcr crkkärt's inAcvotio» —
„Der große Kanzler zum Molke herab in seinem lieben Sohn."

Aic Goulervativen strömle» zusammen in großer Zahl,

Mald ward die -Lust vedciisilich im räumigen -Local,

Jlnd als der Graf erschiene», da grüßlen mil Lurrayschrci'n
Ihn lausend kräst'ge Kehlen vom Lalle'schen-Lyor-Mezirksverein.

Aas Gräflein sich vcrncigle und srisch zu reden begann,

Gs brcilclc segnend die Lände wohl über den „armen Mann";

Aas ganze Megicrungsfüllhorn goß cs ihm übers Kaupl —

Ach! daß dem Armen dies Alles der schnöde Liberale raubt!

Aann ballte er zu I-äustcn der Lände segnend Maar,

Aie Aäuste hob er drohend wohl gegen des Aorlfchritls Schaar;
Ansgoß er aus voller Schale wobl über de» „Ming" den Zorn,

Aer schon dem mächl'gcn Italer von je im Auge war ein Aorn.

Acs Kortfchritts dnnlilcs Treiben ward von ihm ausgcdcLt;

Mun wisse» wir, was Michtcr, was Lalker stets bezweckt!

Aas ewige Gpponircn schmeckt ihnen längst nicht mehr,

Mach einem Ministersessel steht schon seit Jahren ihr Mcgehr!

„And doch" — so ries das Gräflein — „was HStt's für einen Zweck,
Wenn Aichler Minister würde und Laflicr und Korckcnbeck!
Mas thäle» die „Grccllenzen^^ l Kic machten die ganze Mell,
Aaran ist nicht zu zweifeln, zu einem großen Iticsclsckd!"

Licr lohnte de» hohen Medncr anhaltendes Mravolchrei'n,

And jeder rechte Acutsche stimmt sicherlich mit ein.

Mas solle» die Mieseksekder, da doch z» dieser Krist

An M-ateriak zum Aüngcn im Acutsche» Land bei» Mangel ist?

Men» Jemand sonst geendet der Ilcdc langen Lauf,

Mil einem donnernde» „Loch!" dann hört er gewöhnlich aus;

Aoch als der Kral nun fertig mit seinem Zornerguß,

Mit einem kräftigen „Mieder!" macht' ausnahmsweise er den Schluß.

Gr rief: „Zum Schluß, ihr Lerrc», drum bringen wir frisch und frei
Gin dreifach liräslig „Mieder!" der Kortschrittstyrannei!
Arnm nieder der Aortfchritt, nieder, und nieder zum dritten Mal!" —
Machhallte lange Minuten von Mcifallsjubcl noch der Saal.

An liberale Weltstadt, des Fortschritts Murg und Lori,

Last zitternd du vernommen des Grafen graufcs Morl
Gr hätte dir bereitet ein jäh und schrecklich Gnd',

Mär's heute noch so einfach wie einst im alten Testament.

Aa zogen die bölen Jüdcn einst sechs der Tage stumm
In riesiger Molonaile um Jericho herum;

Am siebenten aber schrieen sie Alle frisch und froh,

Aa lagen in Staub und Trümmern die Mauern ffugs von Jericho.

Aurch Schreie» ward vernichtet die Stadt mit ihrem Leer;

Aoch heutzutage leider gehl das so leicht nicht mehr.

Aie Zeiten wurde» anders; Merlin, magst ruhig fein,

Gs fallen keine Städte mehr um vom allcrlollsten Schrei'»!

Kladderadatsch.
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