Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 34.1881

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Müller. Also schonst wieder mal n „alleiniger Candidai" von
die Antifvrtschrittler?

Schalste. Ja mol, in'n dritten Wahlkreis, jejen Henrici'n.

Müller. Und Hilfsarbeeter ins Neichsamt des Innern iS er?

Schulste. Ja mol, und Schnitze Tjeejjt er.

Müller. Janz acc'rat wie du! Aber komisch is es doch von die
Antifortschrittlichen.

Schnitze. Was denn?

Müller. Na deß sie beinah in jeden Wahlkreis zwee „alleenige
Eandidateu" haben.

Schnitze. Na sie denken wahrscheinlich wie alleweile alle jroße Stra-
tegen: Getrennt wählen, vereint — durchfallen!

Müller. So iS es.

Zur Aufklärung.

Wenn ich in meinem „Rabbi von Bacharach" n. A. sage:

„Hierauf folgte, angeführt von dem Stöcker, der eine rothe
Fahne trug, ein Rudel fahrender Fräulein" re. :c. —
so bemerke ich, wohl zum Ueberfluß, daß ich mit diesem Stöcker nicht den

bern-hinten, immer noch chronischen Hofprediger meine. Denn erstens

trägt dieser, wenigstens einstweilen, noch keine „rothe Fahne", höchstens hält
er die schwefelgelbe der Zwietracht hoch; und zweitens sind, die ihm folgen,
nicht „fahrende Fräulein", sondern laufende, zu Hyänen gewordene anti-
semitische alte Weiber beiderlei Geschlechts.

Die Provinzial-Cvrrespondenz wirft in einem sentimentalen
i Artikel die Frage auf, weßhalb die liberalen Zeitungen sümmtlich in einem
\ jo wenig anerkennenden Tone von der officiösen Presse reden.

Glückliche Provinzial - Correspondenz! Niemals sicherlich ist der Nord-
! deutsche Allgemeine Pindter dir vor Augen gekommen! Keine Ahnung
! hast du davon, welchen To» die eommijsionsräthliche Officiöse in die
, Deutsche Presse eingeführt hat! Erhalte der Himmel dir, holdes Organ, auch
. ferner diese liebenswürdige Unbefangenheit!

Zum Einzug.

Wo zieht der Bischof zur Stadt hinein?
Die Berge herab, wo saftgefüllt
Die sonnengenährte Traube schwillt
Und reift den lichten, den lieblichen Wein?

Wo zjeht der Bischof zur Stadt hinein?
Kommt über die Brücke er gezogen,

Wo froh der Mosel Helle Wogen
Hinnnterwandern zum Deutschen Rhein?

Wo zieht der Bischof zur Stadt hinein?
Wo die kört» nigra zum Himmelsdom
Emporragt und mahnt.an das ferne Rom,
Durch das altersgraue, tobte Gestein —

Da zieht er ein!

Wenige Wochen nach Einführung des Taffaksinonojiof«. I,

Da die früher sogenannten besitzenden Staffen sich für mich arm geraucht •

! liaben, so fühle ich mich denselben zu billigem Gegendienst verpflichtet. Aus I
j diesem Grund erlaube ich mir jetzt die Einführung deS Kartoffel-1
| Monopols unmaßgeblich vorzuschlagen.

Der weiland „arme Mann". "

Jtotff geörungenc Anzeige.

De» geehrten Herrschaften, welche so gütig sind, in Lateinischer !
Sprache mit mir zu verkehren, erlaube ich mir die ergebene Anzeige zn
machen, das; ich in die traurige Lage versetzt bin, mich von meinem
Genitivus lossagen und unter die Defcctiva gehen zn müssen, da ein
fernerer Verkehr mit demselben mir nicht mehr recht thnnlich erscheint. Eines |
Aeensativus ist er leider noch nicht benöthigt.

Henricus, prnenomen.

35 c fi a u n I m a eff » » g.

In einer kleinen Stadt, in welcher keine Juden wohnen, soll eine kleine
Judenverfolgung arrangirt werden.

Ein Paar Inden, die sonst gerade nichts. Besseres Vorhaben, werden
ersucht sich schleunigst an dem besagten Ort niederznlassen.

Für Sachbeschädigungen findet entsprechender Ersatz statt. Gebläute Augen
und ausgerissene Haare werden besonders vergütet. Näheres zu erfahren

Q'i-cC fjingr brr Sdjtunltat m Örrliiicr Mnünni.

Hör', o Zeus, »ns Schwalben vom Museum. 1
Hör', o Fürst der Götter, unsere Klagen;

WaS geschehen uns.ist, vernimm es gütig!

Am Museum hier, im Säulengange,

Bauten wir im Frühling unsere Nester.

Keiner hat uns je verwehrt zu bauen,

Keine Tafel auch war dort je befestigt,

Drauf zn lesen stände für uns als Warnung: I

„Schwalben ist verboten hier zu bauen." ;

Also bauten an der Säulen Knäufe
Wir vertrauend unsere schlichten Nester.

Sicher schien vor anderen dieser Ort uns,

Sicher uns da-s Haus, in dessen Hallen
Prangend stehen so vieler Götter Bilder,

Ilud vor alten, Vater Zeus, auch deines.

In dem Schutze solcher Heiligthümer
Dachte» heimisch zu wohnen wir, vertrauend,

Daß der Menschen Ehrfurcht vor euch, den Göttern,

Frieden diesem Orte gewähre, schirmend
Auch die Schwalben, uns mit unseren Kleinen.

Friedlich zogen unsere erste Brut wir
In den Nestern auf, und auch die zweite
Dieses So.mmerS war beinahe schon flügge.

Aber eh' sie ganz dem Nest entwachsen,

Kamen böse Männer dort an mit Leitern;

Au die Säule» lehnten sie die Leitern,

Stiegen darauf 'empor zu unseren Nestern.

Mit dem Meißel und mit der Kraft des Hammers-
Ohn' Erbarmen, sonder Mitleid schlugen
Sie herunter, ach! unsere armen Häuser.

Theils erschlagen, theils noch lebend fielen
Aus den Nester» unsere süßen Kleinen,

Fielen rohen Buben in ihre Hände,

Die sie mit sich nahmen, um zu Hause
Todt zu martem jene, so noch sich regten.

Solches ist geschehen uns von den Menschen!
Hätten doch ein wenig sie nur gewartet,

Wären ja von selber wir fortgezogen,

! Heil dem Orte wünschend, an dem wir wohnten,
Wo in Frieden unsere Brut wir nährten.

! Aber jetzt, angstvoll den Ott umflatternd,

; Wo zerstört uns unser einst ttauteS Heim ist,

! Fluchen wir der Stätte, die wir bewolmten.

| Hör', o Zeus, de» Fluch gekränkter Schwalben:
j Räche, ZeuS, das Wehe, das uns geschehn ist!
Denen, die den schnödesten Auftrag gaben,

Unsere Wohnungen dort uns zu zerstören,

Zu verderben unsere lieben Kinder —

Denen, so da Herren sind im Museum,

Blende Zeus die Augen, daß sie fürder
Falsches nicht von Aechtem unterscheiden,

Daß für theures Geld sie Schund und Bafel
Kaufen mögen, Schande sich rings erwerbend
Und den Spott der kunstverständigen Menschen!
Solchen Fluch erfüll', o Zeus, erfüll' ihn,
Schnöde That bestrafend und argen Frevel
Sühnend, der verübt ward, Zeus, von deinen
Und der Schwalben Feinden dort im Museum!

Kladderadatsch.

Hierzu zwei Beiblätter.
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